Morcheln: Tipps von der Pilzexpertin

Die Morchel gilt als die «Königin des Frühlings» und spriesst je nach Lage von April bis Juni. Doch: Morcheln müssen mit Bedacht gegessen werden. Das sagt Toxikologin Katharina Schenk, Pilzexpertin bei Toxinfo Suisse.

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Der richtige Umgang mit Morcheln

5:41 min, vom 9.5.2017

Morcheln sind in der Schweizer Küche sehr beliebt, doch ganz ungefährlich sind sie nicht. Vor allem frische Morcheln sind mit Vorsicht zu geniessen. «Kassensturz» sprach mit der Toxikologin Katharina Schenk, Telefon-Beraterin bei Tox Info Suisse.

Worauf gilt es beim Verzehr von frischen Morcheln zu achten?

Frau in einer Interviewsituation.

Bildlegende: Pilzexpertin und Toxikologin Katharina Schenk. SRF

Katharina Schenk: Frische Morcheln sind in zu grossen Mengen schlecht verträglich. Ausserdem muss man sie 20 Minuten lang kochen. Isst man zu viele oder gar verdorbene Morcheln, kann Übelkeit die Folge sein, bis hin zu Erbrechen und Durchfall. Mehr als 50 Gramm frische Morcheln pro Mahlzeit sollte man nicht zu sich nehmen.

Wer frische Morcheln isst, kann zudem das Morchel-Syndrom einfangen. Dieses tritt erst sechs bis acht Stunden nach dem Verzehr auf. Betroffene leiden unter Schwankschwindel, Gangstörungen oder Sehstörungen. Ein sehr unangenehmer Spuk, der glücklicherweise ohne Folgen innert 24 Stunden wieder vorbei ist.

Das Morchel-Syndrom kommt selten vor. Bei getrockneten Morcheln tritt es übrigens überhaupt nicht auf.

Und bei den getrockneten Morcheln?

Katharina Schenk: Hier ist es wichtig, dass man die Morcheln vor dem Verzehr zuerst gut einweicht, zügig verarbeitet und genügend lang kocht. In Rezepten werden leider teilweise zu kurze Kochzeiten angegeben. Resten sollte man sofort kühl stellen und innerhalb von 48 Stunden verzehren.

Welche Probleme melden Anrufer in Bezug auf Morcheln?

Katharina Schenk: Bei uns im treffen zwischen 25 und 35 Anfragen pro Jahr wegen getrockneter Morcheln ein. Die meisten Anrufer klagen über Übelkeit. Bauchschmerzen, Völlegefühl, Erbrechen und Durchfall können auftreten. Allerdings können wir in solchen Fällen Entwarnung geben. Die Symptome sind zwar unangenehm, gehen aber von selbst vorbei. Vor allem, wenn die Pilze aus dem Handel stammen oder von einem Pilzkontrolleur freigegeben wurden.

Besteht bei Morcheln Verwechslungsgefahr?

Katharina Schenk: Die einzige grosse Verwechslungsgefahr besteht mit der Frühlings-Lorchel. Sieht man die beiden Pilze nebeneinander, ist der Unterschied gut sichtbar: Die Struktur des Morchel-Hutes ähnelt einer Bienenwabe, während die Lorchel eher wie Hirnwindungen aussieht. Sieht man nur einen einzelnen Pilz, kann es für den Laien schwierig werden, zu unterscheiden.

Lorchel und Morchel nebeneinander.

Bildlegende: Im direkten Vergleich: Links die Hirnwindungen der Lorchel, rechts die Waben der Morchel. ABE

Gibt es einen sicheren Trick, wie man eine Morchel erkennt?

Katharina Schenk: Es ist das wabenförmige Muster. Doch ich rate jedem Laien, dass er die gefundenen Morcheln von einer Pilzkontroll-Stelle überprüfen lässt. Auf keinen Fall sollte man Pilze mithilfe eines Pilz-Büchleins identifizieren. Da kann man schnell aufs Glatteis geraten.

Das Interview führte Roger Müller.

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