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Gesundheit Mundhälfte nach Zahnarzt-Pfusch taub

Der Mund ist taub, der Geschmackssinn eingeschränkt: Das sind die dramatischen Folgen einer verpfuschten Zahnoperation. Doch die Aarauer Zahnklinik AAZ will für den Schaden nicht aufkommen. Zahnkliniken boomen. Doch aufgepasst: Wenn es Probleme gibt, hat der Kunde oft das Nachsehen.

Legende: Video Zahnarzt-Pfusch: Mund nach Eingriff taub abspielen. Laufzeit 14:00 Minuten.
Aus Kassensturz vom 20.05.2014.

«Für Zahnimplantate gehe ich in die Aarauer Zahnklinik.» Das Zeitungsinserat spricht Ruth Faigaux aus dem Kanton Solothurn an. Sie vereinbart bei der Aarauer Zahnklinik AAZ einen ersten Termin und entschliesst sich später für das operative Einsetzen eines Implantats für über 3000 Franken.

Ein folgenschwere Entscheidung. Schon während der Operation realisiert die dreifache Mutter, dass etwas zünftig aus dem Ruder läuft: «Die Zahnärztin stöhnte und schimpfte, ich fühlte mich nicht mehr wohl.»

Nach Operation kein Gefühl mehr

Der grosse Schreck folgt nach dem Eingriff: Ruth Faigaux spürt in der linken Mundhälfte nichts mehr. Diese Taubheit sei nur vorübergehend, beruhigt die Zahnärztin der Aarauer Zahnklinik AAZ und schickt die Patientin mit Schmerzmedikamenten nach Hause. Die Sensibilität im Mund bleibt aus.

«Am Abend spürte ich immer noch nichts. Ich war aber überzeugt, das Gefühl käme dann am nächsten Tag schon wieder zurück», erinnert sich Ruth Faigaux. Aber das Gefühl kam nie mehr zurück.

So schützt man sich

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Damit der Zahnarztbesuch nicht zum Albtraum wird, er- klärt eine Kantons-Zahnärztin worauf Sie achten müssen.

Massive Einschränkungen im Alltag

Ruth Faigaux ist seit dem Eingriff in der Aarauer Zahnklinik AAZ mit massiven Einschränkungen konfrontiert. Auf der linken Seite im Mund spürt die Geschädigte nichts mehr, vor allem beim Essen bereitet ihr das erhebliche Probleme. Oft läuft Speichel unkontrolliert aus dem Mund.«Der Vorfall nahm mir sehr viel Freude und Lebensqualität», bilanziert Ruth Faigaux ihre Leidensgeschichte.

Die dreifache Mutter wehrt sich und kontaktiert die Aarauer Zahnklinik. Die AAZ schiebt die Verantwortung zuerst auf die Zahnärztin ab. Diese arbeitet aber von einem Tag auf den anderen nicht mehr in der Klinik.

Anrecht auf Schmerzensgeld und Kostenersatz

Monate nach der fatalen Operation entfernt AAZ-Zahnarzt Daniel Marschall das Implantat in der zweiten AAZ Klinik am Aeschenplatz mitten in Basel. Aber das Gefühl kommt nicht zurück. Der Schaden im Mund bleibt, der Nerv wird sich nie mehr erholen.

UBI-Beschwerde teilweise gutgeheissen

Der Beschwerdeführer beanstandete im UBI-Verfahren, dass im «Kassensturz»-Beitrag zahlreiche wesentliche Fakten unterschlagen bzw. falsch dargestellt worden sind. Er begründete seine Auffassung mit vier Punkten. Bis auf einen Punkt erachtete die UBI die Beschwerde als unbegründet.

Als begründet erachtete die UBI die Beschwerde insoweit, als im Beitrag nicht erwähnt wurde, dass die Patientin gegen die behandelnde Zahnärztin, die nun in Bern praktiziert, einen Zivilprozess eingeleitet hat, um Schadenersatzansprüche geltend zu machen. Die UBI hielt fest, der Beitrag fokussiere fast ausnahmslos auf das Verhalten der AAZ. Dadurch sei der Eindruck vermittelt worden, die behandelnde Zahnärztin sei nicht mehr auffindbar, weswegen faktisch nur die AAZ als mögliche Gegnerin einer Schadenersatz-Klage in Frage komme. Mit 6:3 Stimmen hat die UBI die Beschwerde in diesem Punkt gutgeheissen.

Die SRG wollte die Frage, ob der Beitrag durch das Weglassen dieser Information das Sachgerechtigkeitsgebot verletzt hat, vom Bundesgericht beurteilt haben. Die Redaktion «Kassensturz» vertrat die Auffassung, die beiden möglichen Gegner einer Schadenersatz-Klage der Patientin, nämlich die AAZ und die dort tätige Zahnärztin, seien im Betrag und im nachfolgenden Studiogespräch genügend transparent für das Publikum in Erscheinung getreten.

Das Bundesgericht bestätigte den UBI-Entscheid und sah die Sachgerechtigkeit in diesem Punkt verletzt.
UBI-Entscheid b 696
, Link öffnet in einem neuen Fenster

Das muss auch Daniel Marschall von der AAZ realisiert haben, als er Wochen später der Patientin sein letztes Angebot unterbreitet und ihr ein Schreiben in die Hand drückt. «Mit der Vereinbarung wollte er die Angelegenheit per saldo aller Ansprüche erledigen.» Ruth Faigaux lief schockiert aus der Aarauer Zahnklinik AAZ.

Nach Einschätzung der Patientenstelle Aargau/Solothurn hat Ruth Faigaux Anrecht auf Schmerzensgeld und Kostenersatz in der Höhe von über 10‘000 Franken. Yvonne Blöchliger, Co-Leiterin der Patientenstelle, stützt sich auf eine Einschätzung des Vertrauensarztes. Der Experte schreibt von gravierenden Folgen einer Fehlbehandlung und bleibenden Schäden.

Viele Beschwerden beim Kanton und Patientenstelle

Ruth Faigaux ist kein Einzelfall. Bei der Patientenstelle Aargau/Solothurn stapeln sich die Beschwerden über die Aarauer Zahnklinik AAZ. «Anfragen im Zusammenhang mit der Aarauer Zahnklinik haben wir im zweistelligen Bereich, Tendenz zunehmend», sagt Yvonne Blöchliger.

Auch die Aargauer Gesundheitsbehörden wissen von Problemen rund um die Aarauer Zahnklinik. «Es geht um unterschiedliche Rückmeldungen wie Rechnungsstellung, Honorierung und Umfang der Eingriffe», erklärt Balz Bruder vom Departement für Gesundheit und Soziales des Kantons Aargau.

Obwohl sich die Fälle häufen, schreitet die zuständige Aufsichtsbehörde nicht ein sondern weist die Betroffenen an die Patientenstelle weiter oder empfiehlt wie im Fall «Faigaux» den Gang vor Gericht.

Kein Kommentar von Aarauer Zahnklinik AAZ

«Kassensturz» bittet Daniel Marschall und sein AAZ Team mehrfach um eine Stellungnahme: Per Mail, Telefon und persönlicher Zustellung der Fragen direkt in der Aarauer Zahnklinik. Keine Reaktion, weder zum Vorwurf der grossen Anzahl Reklamationen noch zum tragischen Fall von Ruth Faigaux.

Die Geschädigte muss, Jahre nach der missglückten Operation, immer noch für ihr Recht kämpfen. Sie fordert von den Verantwortlichen Schmerzensgeld und Kostenersatz. Der grösste Wunsch von Ruth Faigaux: «Dass endlich jemand hin steht und sich entschuldigt, das wäre für mich wichtig.»

Was können Patienten in einem tun, wenn sie unzufrieden sind? Wer haftet, wenn in einer ein Zahnarzt pfuscht und warum sorgen Zahnarzt-Klinik häufig für Ärger? Im «Kassensturz»-Studio gibt Patientenanwalt Thomas Grieder Auskunft.

Legende: Video Studiogespräch mit Thomas Grieder, Patientenanwalt abspielen. Laufzeit 6:07 Minuten.
Aus Kassensturz vom 20.05.2014.

34 Kommentare

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  • Kommentar von L.D., Basel
    In der AAZ Zahnklinik am Aeschenplatz in Basel wurde ich ebenfalls ziemlich inkompetenz, flapsig bis unfreundlich bedient. Obwohl ich mich explizit für das Flicken zweier Löcher angemeldet hatte, musste ich den Zahnarzt nochmals extra darum bitten, nachdem er festgestellt hat, dass diese Löcher tatsächlich vorhanden sind. Dann musste er zuerst noch abklären, ob er überhaupt Zeit hat dafür. Dann wartete ich sehr sehr lange. Und Lust schien er überhaupt nicht zu haben. Nie wieder!
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  • Kommentar von Frank Rauber, Basel
    Mir passiert dies in der Volkszahnklinik Basel. Mein Unterkiefer ist seit dem in Mitleidenschaft gezogen, Taubheit und auslaufen der Flüssigkeit beim Trinken. Als ich bei der Zahnärztin intervenierte, bekam ich zur Antwort nichts, damit müssen Sie leben. Was mich gerade so ärgerte ist dass meine Rechtsschutzversicherung CAP nach kurzem Schriftverkehr erklärte ich hätte keine Change und sollte ich dies weiterziehen auf eigene Kosten. Dies sollte Kassensturz vielleicht auch mal thematisieren.
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  • Kommentar von ar, z
    Bei Operationen besteht immer ein Risiko! Fehler sind menschlich!
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    1. Antwort von CB, St. Gallen
      Natürlich kann immer mal was passieren. Aber manchmal ist es schon auffällig, wie oft etwas schief geht! Hatten Sie überhaupt schon mal eine OP??
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    2. Antwort von R.S, Suhr
      Ja aber nicht so viele wie bei AAZ!! Das sind keine Einzelfälle!!
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