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Geld Nach Kreditkarten-Missbrauch: Kein Support von Viseca

Eine Aussendienstmitarbeiterin gibt pflichtgemäss am letzten Arbeitstag ihre Firmenkreditkarte zurück. Ein Jahr später soll die junge Frau für Einkäufe geradestehen, die sie unmöglich gemacht haben kann. Doch die Kartenfirma interessiert das keinen Deut.

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Aus Kassensturz vom 19.12.2017.

Der Schock sitzt tief, als Rahel Fellmann Anfang September den Brief der Viseca öffnet: Über 1400 Franken soll die junge Frau der Kreditkartenherausgeberin schulden. Doch wofür?

Legende: Video Wie gebe ich eine Kreditkarte zurück? abspielen. Laufzeit 0:13 Minuten.
Aus Kassensturz vom 19.12.2017.

Sie denkt an ein Missverständnis. Erst als sie die Rechnung aufmerksam durchliest, dämmert es ihr: Mit ihrer alten Firmen-Kreditkarte wurde auch nach ihrer Kündigung weiter eingekauft.

Für Rahel Fellmann beginnt ein Spiessrutenlaufen: Sie teilt Viseca mit, dass sie vor einem Jahr ihre Stelle bei einer Reitsport-Bekleidungsfirma gekündigt und damals auch ihre Firmen-Kreditkarte zurückgegeben habe. Sie könne die Kreditkarte also nicht eingesetzt haben.

Trotz Abgabe-Protokoll: Viseca lenkt nicht ein

Viseca interessiert das nicht: Die Kreditkartenherausgeberin macht die junge Frau für den ausstehenden Betrag solidarisch haftend. Rahel Fellmann schickt Viseca das Rückgabe-Protokoll. Dieses zeigt, dass sie die Karte am letzten Arbeitstag retourniert hat. Doch auch jetzt lenkt Viseca nicht ein.

«Meist habe ich lange gar nichts gehört. Und wenn ich bei Viseca nachgefragt habe, wurde ich vertröstet», sagt Rahel Fellmann. Am Ende fordert Viseca von ihr gar eine Anzeige wegen Kartenmissbrauch bei der Polizei.

Privat- und Firmenkarten

Privatkarten
Privatkarten richten sich an Personen, welche die Karte zur Bezahlung ihrer privaten Ausgaben einsetzen. Für die einzelnen Kundenbedürfnisse werden verschiedene Kreditkarten angeboten, die unterschiedliche Dienstleistungspakete beinhalten.
Firmenkarten
Firmenkarten sind spezielle Produkte für Unternehmen, die ihre Geschäftsreisenden damit ausrüsten. Sie haben spezifische Zusatzfunktionen, insbesondere im Bereich Management Information und für die Spesen-Kontrolle. Firmenkarten lassen sich unterteilen in Business und Corporate Cards. Während Business Cards eher für Klein- und Mittelunternehmen (KMU) konzipiert sind, sind Corporate Cards auf international und grössere national tätige Unternehmen ausgerichtet und als Spesenmanagement-Systeme ausgestaltet.

Rahel Fellmann fühlt sich ungerecht behandelt. «Ich habe Viseca so oft bestätigt, dass ich nichts für den Missbrauch der Kreditkarte kann. Und trotzdem bin ich diejenige, welche die Situation glätten muss, damit ich keine Betreibung von Viseca am Hals habe», sagt die junge Zugerin.

Viseca reagiert nicht auf Konkurs

Die Ex-Firma von Rahel Fellmann ging nach ihrer Kündigung in Konkurs. In solchen Fällen müssen Kreditkarten gesperrt werden. Doch Viseca hat die offizielle Publikation im Schweizerischen Handelsamtsblatt SHAB offenbar übersehen und verpasst es deshalb, die Firmen-Kreditkarte zu sperren.

Legende: Video Wer ist haftbar? abspielen. Laufzeit 0:19 Minuten.
Aus Kassensturz vom 19.12.2017.

Viseca wollte zum Fall nur schriftlich Stellung nehmen: «Leider verhinderte in diesem Fall eine interne technische Störung den Abgleich der Konkursmeldungen, was wiederum dazu führte, dass unsere Inkasso-Abteilung nicht rasch genug auf den Fall aufmerksam wurde.»

Ende gut, alles gut

Rahel Fellmann hat alles richtig gemacht: Sie hat die Kreditkarte am Ende ihrer Anstellung abgegeben und sich das auch quittieren lassen. Das gibt am Ende – nach der Intervention von «Kassensturz» – auch Viseca zu. Die Kreditkartenherausgeberin lässt alle Forderungen gegenüber der jungen Frau fallen und zahlt ihr eine Entschädigung für ihren Aufwand.

Viseca mahnt aber auch die Arbeitgeber, Firmen-Kreditkarten nach dem Ausscheiden von Mitarbeitern unbrauchbar zu machen oder an sie zu retournieren. Bei hunderttausenden von Firmenkreditkarten in der Schweiz sicherlich ein guter Rat.

Definition Debit- und Kreditkarte

Debitkarte
Debitkarten sind an ein Bankkonto geknüpft und ermöglichen dem Karteninhaber, Zahlungen und Bargeldbezüge direkt seinem Bankkonto zu belasten. Debitkarten umfassen neben den Karten internationaler Zahlungskartenorganisationen (z.B. Maestro, V-Pay) auch Karten von nationalen Kartenorganisationen (z.B. PostFinance Card, M-Card). (Quelle: SNB)
Kreditkarte
Mit Kreditkarten werden Waren und Dienstleistungen ohne Bargeldzahlung bezogen und zu einem späteren Zeitpunkt, eventuell in Raten, über eine Sammelrechnung bezahlt. Voraussetzung ist, dass der Verkäufer einem Kreditkartensystem angeschlossen ist (z.B. American Express, MasterCard oder Visa). Die Karte dient dazu, den Karteninhaber zu identifizieren (per Name und Unterschrift oder per PIN-Code) und ihm die entsprechenden Forderungen innerhalb der Kartenorganisation zuzuordnen (durch eine Kreditkartennummer).

Anzahl Karten Schweiz

September 2017 (laut SNB)

Debitkarten 10'473'058

Kreditkarten 6'525'453