Plötzlich Stille: Wenn im Warenhaus die Hintergrundmusik fehlt

Berieselung in Warenhäusern ist normal. Dahinter stecken Verkaufsstrategien. Eine Gegenbewegung erreichte in Grossbritannien vor kurzem einen Musikstopp in allen Filialen von Marks and Spencer. Das SRF-Konsumentenmagazin «Espresso» wagte ein Experiment im Migros City in Zürich.

An einem ruhigen Dienstagnachmittag im Migros City hinter der Zürcher Bahnhofstrasse. Filialleiter Daniel Grüter fährt mit der Reporterin die Rolltreppen hoch in die Abteilung Lebensmittel: «Zwei Tage lang dauerte die sogenannte Intonation der Beschallung im Warenhaus. Profis stellten die Lautstärke der Musik ein. Lauter im Eingangsbereich, ganz dezent in den ruhigen Ecken.»

Auf der Rolltreppe ist die Musik praktisch nicht auszumachen. Und auch später beim Kundendienst ist nur eine Art Zirpen und ein leises Zischen zu hören, das wohl zu einer singenden Stimme gehört. Auch der Filialleiter selber ist etwas überrascht, wie dezent der Musikteppich zu hören, besser gesagt, zu erahnen ist. «Ich selber nehme die Musik sowieso nicht mehr wahr, muss ich ehrlich sagen.»

Internet-Radio mit soften Popsongs

Christoph Frei, Kommunikationsleiter bei der Migros Zürich, ist ebenfalls bei unserem Experiment dabei und erklärt, dass in allen Migros Filialen ein Internetradio installiert sei. «Ich habe noch auf dem Kundenforum nachgeschaut: Die meisten Leute stören sich nicht an der Musik, im Gegenteil, viele finden es angenehm.» Natürlich gebe es Ausnahmen, Menschen, welche speziell lärmempfindlich seien. Für diese habe er vollstes Verständnis.

Warum die Dauerberieselung?

Studien und Marktforschungen haben bereits vor Jahrzehnten ergeben, dass eine angenehme Atmosphäre im Geschäft Kundinnen und Kunden zum Kaufen animiert. Natürlich sei das der Hintergrund der ganzen Geschichte, gibt auch Christoph Frei von der Migros Zürich offen zu: «Es ist ganz klar, wenn es einem wohl ist in einem Laden, dann ist man auch kauffreudiger.»
Zurück im Parterre der Migros City: Kurz nach halb drei stellt Filialleiter Grüter die Musik im ganzen Kaufhaus ab. Die Reaktionen sind erstaunlich: Viele der Befragten haben gar nicht bewusst wahrgenommen, dass noch vor kurzem Musik im Hintergrund lief. Die Geräusche, welche sie dann beim bewussten Hinhören wahrgenommen haben, empfanden viele aber als noch viel störender: Das mechanische Geräusch der Rolltreppe, die Lüftung, einzelne Gesprächsfetzen von vorbeieilenden Personen. Und einige kamen zum Schluss: Dann doch lieber Musik, dezent im Hintergrund.

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