Räder selbst wechseln: Ein paar Tipps

Räder selbst zu wechseln kann Vorteile haben: Man spart Geld, trainiert das Knowow im Notfall das Ersatzrad zu montieren und hat noch die tägliche Portion körperliche Ertüchtigung. Das Wechseln von vier Rädern nach untenstehender Anleitung sollte in weniger als einer Stunde gemacht sein.

Für Menschen mit wenig Zeit ist es unter Umständen sogar schneller, wenn sie die Räder selbst wechseln, als wenn sie das Auto in die Garage bringen, warten und dann wieder holen müssen.

Das braucht es:

  • Einen Wagenheber
  • Einen Drehmomentschlüssel
  • Beschriftungsmaterial (weisser Fettstift oder Klebeband & Schreiber)
  • Evt. einen Tropfen Öl

Der Wagenheber

Mitgelieferte Bord-Wagenheber sind gemäss TCS genug stabil, um jährlich 2 Mal vier Räder zu wechseln. Wer schnell und bequem arbeiten will, ist jedoch gut beraten, einen professionellen Heber anzuschaffen (siehe «Kassensturz»/TCS- Wagenheber-Test).

Auf keinen Fall darf der Heber an einem beliebigen Punkt unter dem Auto angesetzt werden. Es gibt spezielle Hebepunkte, welche in der Bedienungsanleitung beschrieben werden. Dort sollte dann auch die Rostschutzschicht des Chassis nicht beschädigt werden.

Räder

  • Mind. 3mm Profil: Gesetzlich müssen Reifen nur ein Profil von mindestens 1,6 mm haben. Dennoch ist es zu empfehlen, Sommerpneus mit mindestens 3 mm und Winterpneus mit mindestens 4 mm tiefem Profil zu montieren. Sonst wird die Fahrt gerade bei Regen oder Schnee sehr gefährlich.
  • Vorne/ hinten tauschbar: Generell sind die Bremskräfte und somit auch die Abnutzung an den Vorderrädern grösser. Noch grösser ist der Verschleiss, wenn das Auto auch Vorderradantrieb hat. Der grössere Abrieb vorne kann aber ausgeglichen werden: Denn Vorder- und Hinterreifen dürfen bedenkenlos gewechselt werden, im Gegensatz zu linken und rechten Räder. Vielfahrer verlängern die Reifenlebensdauer, indem sie die Räder während der Saison einmal von vorne nach hinten tauschen.
  • Hinten besser: Die Reifen mit dem besseren Profil sollten hinten montiert werden. Verlieren der Vorderräder zum Beispiel wegen Aquaplanings die Haftung, wird das Fahrzeug zwar kurzzeitig lenkunfähig, behält aber die Fahrtrichtung. Tritt der Haftungsverlust hinten auf, kann das zum Ausbrechen des Fahrzeughecks führen. Das ist weitaus schwieriger zu korrigieren als eine kurzzeitige Lenkunfähigkeit, warnt der TCS.

Radmuttern

Die Muttern eines Rades dürfen nicht zu schwach und nicht zu stark angezogen werden. Die Autohersteller empfehlen darum, die Schrauben mit einer bestimmten Drehkraft («Drehmoment») anzuziehen. Dies kann auch von Laien mit einem sogenannten Drehmomentschlüssel gemacht werden (ca. 20 – 100 CHF im Fachhandel). Das für den Autotyp richtige Drehmoment ist der Bedienungsanleitung zu entnehmen (in der Regel zwischen 90 und 140 Nm). Lassen sich die Muttern nur mühsam einschrauben, darf man auch einen Tropfen Öl aufs Gewinde tropfen. Von regelmässigem Einfetten der Gewinde wird aber abgeraten.

Auswuchten

Der TCS empfiehlt, nur ausgewuchtete Räder zu montieren. Eiert ein Rad nach dem frischen Aufziehen eines Reifens, weil es nicht perfekt symmetrisch auf der Felge sitzt, führt dies zu Vibrationen. Diese Unwucht kann sogar am Lenkrad spürbar sein und wird – wenn nötig – mit der Montage eines kleinen Bleigewichts am Felgenrand neutralisiert. Andauernde Erschütterungen können auch die Radaufhängungen beanspruchen.

Es empfiehlt sich darum, das Vorhandensein und das Gewicht der Auswucht-Bleis nach dem frischen Aufziehen der Pneus beim Händler zu notieren. Sind sie dann noch vorhanden, können die Räder selbst wieder montiert werden. Ansonsten wird gelegentliches Auswuchten im Pneuhaus/ in der Garage empfohlen.

Reifendruck-Kontrollsystem RDKS

Alle Neuwagen müssen seit dem 1. November 2014 mit einem Kontollsystem für den Reifendruck ausgerüstet sein. Davon gibt es zwei Arten: Direkte und indirekte RDKS (siehe «Espresso»-Beitrag vom 31.10.14). Weil zu diesem Zeitpunkt 90 Prozent der Autos mit einem indirekt messendem RDKS ausgerüstet waren, können die meisten Halter getrost ohne neues Zutun Räder montieren. Bei einem indirekten RDKS muss das Auto nicht mit einem neuen Rad «bekannt gemacht» werden.
Nur 10 Prozent der Neuwagen waren mit einem direkten RDKS versehen, welches nach einem Radwechsel ein neues «anlernen» über Funk mit dem Bordcomputer des Autos nötig macht. Doch auch bei vielen dieser teureren und genaueren Messsysteme erkennen die Bordcomputer die neuen Räder selbst. Nur selten muss eine Garage aufgesucht werden.

Anleitung zum Rad-Wechsel

Rad abnehmnen

  1. Radmuttern beim belastenden Rad lösen, aber noch nicht ganz abnehmen (Das Lösen mit dem Schlüssel geht einfacher, wenn das Rad fest fixiert ist, als wenn es schon in der Luft frei drehen kann.)
  2. Wagenheber ansetzen und Wagen anheben bis das Rad ca. 5 cm in der Luft schwebt
  3. Radmuttern ganz abnehmen. Rad abnehmen und anschreiben (Vorn/hinten, links/rechts).

Rad montieren

  1. Richtiges Rad auf das angehobene Auto draufsetzen (siehe Tipps oben: «Darf ich die Räder vorn/hinten wechseln?»)
  2. Muttern übers Kreuz handfest anziehen (nicht im Uhrzeigersinn/ Gegenuhrzeigersinn).
  3. Wagenheber nach unten fahren/ entlasten bis das Rad knapp den Boden berührt und nicht mehr drehen kann
  4. Radmuttern übers Kreuz mit einem Drehmomentschlüssel bis zum vorgeschriebenen Drehmoment anziehen.
  5. Auto mit dem Wagenheber ganz nach unten fahren bis das Rad voll belastet ist. Wagenheber abnehmen.
  6. Reifendruck kontrollieren und gegebenenfalls nachpumpen (auch Ersatzrad). Angaben zum optimalen Reifendruck finden sich in der Betriebsanleitung, an der Tankklappe oder auf dem Türrahmen der Fahrertüre.

Quelle: TCS