Zum Inhalt springen

Kaufrecht Gilt die Garantie nur für die ursprüngliche Käuferin?

Der Dampfsauger spuckt nur noch Wasser statt Dampf. Die Garantiefrist läuft noch, trotzdem winkt der Verkäufer ab. Grund: Der Kunde habe das Gerät auf einer Online-Plattform gekauft. Garantie gelte aber nur für so genannte Erstkunden. «Espresso» sagt, was von dieser Aussage zu halten ist.

Legende: Audio Rechtsfrage: Gilt die Garantie nur für den Erstkäufer? abspielen.
3:42 min, aus Espresso vom 19.11.2015.

Mit einem Dampfbesen lassen sich Böden leichter und besser reinigen, heisst es in der Werbung. «Warum nicht?», dachte sich Antoinette Dossenbach, als sie ein gebrauchtes Gerät auf einem Onlineportal ausgeschrieben sah.

Dossenbach kaufte das seinerzeit fast neue Gerät im März 2014. Ein gutes Jahr später spuckt der Besen nur noch Wasser statt Dampf. Die Garantiefrist läuft noch. Antoinette Dossenbach meldet sich bei der Verkaufsstelle, einem Versandhaus.

Doch dort bekommt sie nach einigem Hin und Her eine seltsame Auskunft: Nicht sie dürfe das Gerät zur Reparatur einschicken, sondern nur die ursprüngliche Käuferin. Auch eine allfällige Gutschrift werde nur dem Konto der «Erstkäuferin» gutgeschrieben.

Der Kundendienst ist überfordert, deshalb gibt's keine Garantie

«So ein Unsinn», findet Antoinette Dossenbach. Und sie möchte vom Konsumentenmagazin «Espresso» auf Radio SRF 1 wissen: «Stimmt diese Auskunft wirklich?».

Es ist Unsinn, was das Versandhaus schreibt. Wer den Mailverkehr zwischen der Kundin und dem Versandhaus genauer liest, sieht: Der Kundendienst will sich vor dem Aufwand drücken, für die Abwicklung des Garantiefalles die Adresse von Antoinette Dossenbach ins System aufzunehmen.

Dabei ist rechtlich völlig klar: Der Verkäufer haftet für die Garantie (oder Gewährleistung). Im Gesetz steht nirgends, dass er diese Leistung nur dem Erstkäufer schuldet.

Allerdings ist es vom Gesetz her möglich, die Garantie einzuschränken. Zulässig wäre es also, zum Beispiel für die Farbechtheit eines Stoffes keine Garantie zu übernehmen, die Haftung für Mangelfolgeschäden auszuschliessen oder eine Frist vorzuschreiben, innerhalb derer der Mangel gerügt werden muss. Eine solche Einschränkung ist aber nur gültig, wenn der Kunde beim Kauf ausdrücklich darauf hingewiesen wird. Eine im Kleingedruckten versteckte Formel reicht dafür meistens nicht aus.

Beschränkgungen sind unter bestimmten Voraussetzungen möglich

Wenn also der Versandhändler behauptet, die Garantie gelte nicht für jemanden, der ein Gerät vom ursprünglichen Verkäufer übernimmt, so müsste er beweisen können, dass diese Einschränkung in den Allgemeinen Geschäftsbestimmungen steht und dass man den ursprünglichen Käufer darauf hingewiesen hat.

Wären diese Voraussetzungen erfüllt, hätte Antoinette Dossenbach Pech gehabt: Denn die zweijährige Garantiefrist gilt nur bei so genannten Konsumentengeschäften, also wenn eine Privatperson bei einem kommerziellen Anbieter etwas kauft. Unter Privaten gilt weiterhin eine Garantiefrist vom einem Jahr. Und diese Frist wäre hier abgelaufen.

Alle Rechtsfragen

Alle Rechtsfragen

Die Rechtsexpertin Gabriela Baumgartner beantwortet jeden Donnerstag in «Espresso» eine Rechtsfrage. Hier geht es zu den bisherigen Antworten.
Falls auch Sie eine Frage haben, schreiben Sie uns.

1 Kommentar

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Teilen Sie Ihre Meinung... anwählen um einen Kommentar zu schreiben

Wir haben Ihren Kommentar erhalten und werden ihn nach Prüfung freischalten.

Einen Kommentar schreiben

Bitte beachten Sie unsere Netiquette verfügbar sind noch 500 Zeichen

Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.

  • Kommentar von Roberto Fornito, Thal
    Die Antwort des Versandhauses ist korrekt. Der Verkäufer haftet nur gegenüber dem Käufer und nicht gegenüber einem Dritten, der nicht Vertragspartei ist. Auch die Begründung, wonach im Gesetz nichts Gegenteiliges stehe, ist nicht richtig. Vielmehr ist es gerade umgekehrt. Gewährleistungsansprüche des Erstkäufers gehen bei einer Weiterveräusserung nicht automatisch auf den Zweitkaufer über. Diese müssten vielmehr (schriftlich) abgetreten werden. Die AGB schliessen dies häufig aus.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen Antworten anwählen um auf den Kommentar zu antworten