Schnabeltier-Erlebnisse

Einige Annahmen der «Kassensturz»-Redaktion enpuppten sich als Schnabeltiere. Zwei Beispiele.

Wolfgang Wettstein

Bildlegende: Wolfgang Wettstein SRF

Als Seefahrer 1798 in Australien erstmals ein Schnabeltier erblickten, dachten sie verblüfft: So was gibt's doch gar nicht. Denn das seltsame Tier mit plattem Schwanz und Entenschnabel legt Eier und säugt hernach seine Jungen. Ein Schnabeltier ist also beides – Reptil und Säugetier. Ein biologisches Kuriosum, sagten die Wissenschaftler. Diese Entdeckung stellte ihre Vorstellung, wie ein Tier zu sein hat, auf den Kopf. Kurios war indes nicht das Schnabeltier, kurios war die wissenschaftliche Brille der Entdecker, mit der sie die Welt betrachteten.
 
 Mir gefallen solche Schnabeltier-Erlebnisse. Im Kleinen gibt es sie auch im «Kassensturz»:

  •  So wollten wir wissen, wie die Ökobilanz von Importprodukten aussieht. Wir dachten, es sei ein ökologischer Unsinn, Mineralwasser aus Italien zu trinken anstelle von Wasser aus der Schweiz. Falsch gedacht. San Pellegrino oder Rochetta von Denner haben eine ähnliche Ökobilanz wie Henniez, denn das Wasser aus Italien wird mit dem Güterzug transportiert, Henniez hingegen karrt das Wasser mit Lastwagen herum. Auch Lammfleisch aus Neuseeland, Zucker aus Paraguay oder Schnittlauch aus Israel schaden der Umwelt nicht mehr als die gleichen Produkte aus der Schweiz.
  •  Ein weiteres Schnabeltier-Erlebnis hatten wir erst kürzlich: Wir wollten testen, wie stark Warenhäuser ihre Räume heizen. Oftmals herrscht darin eine Bullenhitze, insbesondere im Winter, wenn Kunden eh warme Kleider tragen. Reine Energieverschwendung, dachten wir. Falsch gedacht. Die Kaufhäuser werden nicht geheizt, klärte uns ein Energie-Experte auf. Im Gegenteil. Kunden und Lampen erzeugen so viel Hitze, dass die Räume gekühlt werden müssen. Auch im Winter. Ergo: Heisse Warenhäuser brauchen weniger Energie als heruntergekühlte. Es grüsst das Schnabeltier.