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«Espresso Aha!» Die Mär von der Herkunft von Taurin

Aus Stierhoden soll ein Stoff in Energy Drinks gewonnen werden. Dies ist ein Mythos, der sich hartnäckig hält. «Espresso Aha!» räumt damit auf.

Legende: Audio Die Mär von der Herkunft von Taurin abspielen. Laufzeit 4:54 Minuten.
4:54 min, aus Espresso vom 11.01.2016.

Energy Drinks geben immer wieder Anlass zu Diskussionen: Insbesondere der hohe Zucker- und Koffein-Gehalt sind umstritten. Weit unproblematischer scheint ein weiterer Stoff zu sein, der ebenfalls in vielen Energy Drinks enthalten ist: Taurin, ein Stoff, der erstmals im 19. Jahrhundert entdeckt worden ist und von dem auch heute noch viele glauben, er werde aus Stierhoden gewonnen.

Den Stier im Namen

Dieser Mythos hält sich derart hartnäckig, dass der bekannteste Hersteller von Energy Drinks, Red Bull, dazu einen Eintrag auf seiner Internetseite hat: «Viele Menschen sind sich sicher, dass es von dem empfindlichsten Teil des stärksten und potentesten Bullen der Welt stammt. Das Taurin in Red Bull Energy Drink ist jedoch eine rein synthetische Substanz.»

Tatsächlich wird Taurin heute künstlich hergestellt. Als grösster Produzent bezeichnet sich die chinesische Firma Changshu Yudong Chemical.

Erstmals wurde Taurin aus Stiergalle gewonnen. Daher auch der Name des Stoffs, der an das lateinische Wort Taurus (Stier) erinnert. Mit den Fortpflanzungsorganen des Stiers hat Taurin aber herzlich wenig zu tun. Vielmehr ist es ein Stoff, der natürlicherweise auch im menschlichen Körper vorkommt. Und zwar in ausreichender Menge, denn unser Körper produziert Taurin selbst.

Funktion ist unklar

Und wie wirkt Taurin in unserem Körper? François Verrey, Physiologie-Professor an der Universität Zürich, sagt: «Der Stoff hat keine klare Funktion.» Man wisse zwar, dass Taurin für den Menschen wichtig sei – es gebe auch wissenschaftliche Studien, die auf eine positive Wirkung von Taurin auf Gehirn und Herz hinweisen würden. Eine leistungssteigernde Wirkung habe bisher aber nicht bewiesen werden können.

Was genau Taurin in unserem Körper mache, sei schwierig zu sagen. Eine Funktion sei beispielsweise, dass Taurin beim Abbau gewisser Stoffe im Körper helfe. Zum Beispiel von Gallsäuren.

Taurin – weil‘s so gut tönt

Wir haben es also mit einem Stoff zu tun, der unser Körper in ausreichender Menge selbst produziert und dessen Funktion selbst für die Wissenschaft nicht völlig klar ist. Dennoch ist Taurin fester Bestandteil vieler Energy-Getränke. Warum das so ist, kann Professor Verrey nur vermuten: «Ein Grund könnte sein, dass Taurin günstig und ungefährlich ist.»

Die Vermutung liegt nahe, dass Taurin vor allem zu Marketingzwecken eingesetzt wird: Ein Stoff, der seinen Namen vom Bullen hat, muss ja stark machen. Die Hersteller mögen dies zwar nicht so klar bestätigen.

Bei Migros und Coop beispielsweise heisst es aber auf Anfrage, die Beigabe von Taurin zu ihren Energy Drinks sei auf das Image von Taurin zurückzuführen – dieses besage, dass Taurin die körperliche Leistungsfähigkeit und die Konzentrationsfähigkeit positiv beeinflusse. Red Bull hat auf die Anfrage nicht reagiert.

«Espresso Aha!»

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8 Kommentare

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  • Kommentar von Ga Ne, Zürich
    Taurin ist - das weiss ich aus der Epileptologie - ein inhibitorischer Neurotransmitter, den der menschliche Körper auch selber herstellt. Bei einem epileptischen Anfall wird der gesamte Vorrat von Taurin im Gehirn verbraucht, weswegen Epileptiker an Taurin-Mangel leiden. Mit der Supplementierung des natürlichen (!) Taurins kann der Anfallsfrequenz und -intensität entgegengewirkt werden. Natürlich hergestelltes Taurin ist nur im Ktn. Appenzell in Apotheken erhältlich, Hersteller Fa. Burgerstein.
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  • Kommentar von U. Krasser, Kt. Zug
    Als Lebensmittel-Ingenieur weiss ich nur zu gut: Viele sog. Energy-Drinks verkaufen sich nur dank gigantischem Marketing und bringen einzig den Herstellern Millionen-Gewinne - und den Konsumenten rein gar nichts ausser Risiken (z.B. für Karies und Diabetes wegen des vielen Zuckers). Viele Aromen darin wären - blind degustiert - sogar abstossend! Die behauptete "Energie" darin gehört ins Märchenland. Trinken Sie Wasser, Tee, verdünnte Fruchtsäfte. Das ist gesünder und viel günstiger!
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  • Kommentar von Heinz Lauener, 8004 zürich
    So oder so: reines Gift!
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    1. Antwort von Ga Ne, Zürich
      Taurin ist ein wahrer Segen für Epileptiker, allerdings nicht in Kombination mit Koffein. Kaum ein Epileptiker weiss das, denn die Schulmedizin verschweigt das wohlweislich. Zudem muss es im Gespann mit Zink supplementiert werden, damit es "arbeiten" kann. Selbstverständlich muss es das teurere, natürlich hergestellte Taurin sein, dieser synthetische Schrott schadet mehr als er nützt. Ich habe meine Epilepsie mit orthomolekularmedizinischer Therapie im Griff und brauche keine Medikamente.
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    2. Antwort von Peter Meier, Zürich
      Es "muss das natürliche Taurin sein"? Die Stoffe sind identisch! Ob vom Stier oder aus der Fabrik, es ist einerlei ein chemischer Prozess. Unglaublich...
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    3. Antwort von Ga Ne, Zürich
      Ja, Peter Meier. Ich habe beides probiert, das künstlich hergestellte schadet mehr als es nützt. Das natürliche enthält offensichtlich noch nötige Sekundärstoffe, die die Bioverfügbarkeit optimieren. Jedenfalls braucht ein Epileptiker ca. 2500 mg davon/Tag und wenn der Taurinspeicher wieder voll ist, bei Bedarf. Es ist wie beim Vit. C: Das künstliche nützt kaum. Gott hat uns eine perfekte Apotheke in der Natur gegeben .Ohne Nebenwirkungen! Gerade bei Epilepsie ist es entscheidend, was man nimmt.
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    4. Antwort von Peter Meier, Zürich
      Aha. Plötzlich braucht es noch weitere Inhaltsstoffe. Dann hat die Wirksamkeit aber nichts mit "synthetisch" oder "natürlich" zu tun, sondern schlicht damit, dass es sich um ein anderes Präparat handelt. Btw. essen Sie Brot? Kochen Sie? Das ist nämlich rein chemische Bearbeitung, ganz wie in der Fabrik. Oder gibt Ihr Gott Ihnen die Gipfeli "natürlich" auf einem Baum wachsend? "Natürlich" ist nicht mehr als ein inhaltsleeres Label, das missbraucht wird um gutgläubige Leute zu verarschen.
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    5. Antwort von Ga Ne, Zürich
      @Peter Meier, Sekundärstoffe sind in allen natürlichen Stoffen drin. Es ist erwiesen, dass es gesünder ist, eine Orange zu essen als künstliche Vitamintabletten zu schlucken, weil diesen eben diese Sekundärstoffe fehlen, die die Bioverfügbarkeit optimieren. Zum Glück esse ich tatsächlich kein Brot und auch sonst keine Fertigprodukte. Mein hauptsächliches Essen ist roh, bio und regional. Taurin nehme ich in natürlicher Form zu mir. Die Ernährung sei deine erste Medizin, sagte schon Paracelsus.
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