Woher kommt das Haar in der Perücke?

Für die meisten ist die Perücke ein reines Fasnachts-Accessoire. In Film und Fernsehen sowie für Menschen, die wegen einer Krankheit ihre Haare verloren haben, ist das künstliche Haarteil aber Alltag. Von wo und wem stammt eigentlich das Haar in der Perücke? «Espresso AHA!» auf Spurensuche.

Obwohl heute eine Vielzahl der günstigen Perücken aus Kunsthaar gefertigt sind, werden die teureren, qualitativ hochwertigeren Stücke noch immer aus echtem Menschenhaar geknüpft. Das meiste davon stammt aus Asien, genauer aus Indien.

Der Grund: Millionen von Inderinnen lassen sich in einem religiösen Ritual jedes Jahr ihre lange, schwarze Mähne abrasieren. Sie opfern einen Teil ihrer Schönheit, damit ihnen Fortuna auch weiterhin hold ist. So fallen in indischen Tempeln jährlich Tonnen von Haarmaterial an, das anschliessend in die ganze Welt weiterverkauft wird.

Der Rohstoff ist mittlerweile so wertvoll, dass einige asiatische Frauen jedes ausgefallene Haar sammeln, und dem Haarhändler für eine kleine Summe verkaufen.

Haarknappheit in Europa

Nicht nur aus Indien kommt das Haar für die Perücke: Auch China, Indonesien, Osteuropa und Zentralasien sind wichtige Lieferanten. Aus Zentraleuropa oder gar aus der Schweiz stammt nur noch ein sehr kleiner Teil der Haare, obwohl diese wegen der guten Qualität heiss begehrt wären.

«Viele europäische Frauen lassen sich das Haar nicht mehr lange wachsen», begründet Perückenexperte Orlando Bassi die Haarknappheit in Europa. Dazu komme, dass europäische Frauen ihre Haare häufig tönen oder färben: «Danach ist das Haar für den Perückenknüpfer nicht mehr brauchbar».

«Gold wert»

Rund 500 Franken kostet ein Kilogramm Asiaten-Haar, für europäische Haare kann es bis zu 5000 Franken pro Kilo sein. Und die Preise steigen weiter. Obwohl sich als Privatperson damit wohl kaum sehr viel Geld verdienen lasse, könne man seinen alten Zopf durchaus spenden oder vielleicht sogar verkaufen, meint Orlando Bassi, der für nationale und internationale Film- und Fernsehproduktionen selber Perücken herstellt.

«Kürzlich hat uns eine ältere Frau einen Brief geschrieben, und gefragt, ob sie uns ihren alten Zopf spenden kann», erinnert sich Orlando Bassi. Die Haare der Spenderin wurden schlussendlich tatsächlich zu einer Perücke verarbeitet. Am heissesten begehrt sei derzeit aber unbehandeltes, weisses Haar – dieses sei in Europa fast nicht mehr erhältlich.

«Espresso Aha!»

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