Romance-Scam Telefongespräch mit einem Liebesbetrüger

Eine SRF-Redaktorin nahm mit einem digitalen Heiratsschwindler telefonisch Kontakt auf und gab sich als Freundin seines Betrugsofpers aus. Hier das Gespräch. Interessant: Der Herr kann angeblich tatsächlich aus der Gefängniszelle in Abu Dhabi mit seinem eigenen Handy telefonieren.

Das Gespräch wurde in Englisch geführt. Thomas gab vor, Engländer zu sein, sein Akzent lässt aber etwas anderes vermuten.

Thomas: Hallo.

SRF: Hallo. Hier spricht Maria, spreche ich mit Thomas?

Thomas: Ja, Sie sprechen mit Thomas.

SRF: Ich bin eine Freundin von Theres.

Thomas: Ooooh!

SRF: Sie macht sich Sorgen und ich wollte fragen, ob wir irgendwie helfen können.

Thomas: Nein! Wir haben soeben per Computer gechattet und sie sagte mir, dass es ihr gesundheitlich nicht gut gehe. Ich mache mir so grosse Sorgen um sie und ihre Gesundheit. Das ist für mich alles, was zählt im Moment.

SRF: Aber Sie stecken auch in Schwierigkeiten, oder?

Thomas: Ja, aber das spielt im Moment keine Rolle. Mein Hauptanliegen ist jetzt ihre Gesundheit. Ich habe so viele Probleme hier drüben. Das ist vermutlich der Grund, warum … [Unverständlich] … Aber mein Hauptanliegen ist, dass sie wieder gesund ist, bevor ich zurückkomme.

SRF: OK. Sie erzählte mir, dass Sie im Moment bei der Polizei sind.

Thomas: Nun, eigentlich möchte ich das nicht an die grosse Glocke hängen. Aber ich habe da ein paar Probleme in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Im Moment bin ich in Abu Dhabi, ok? Es ist eine lange Geschichte. Im Moment bin ich in Haft und mein Anwalt ist bei mir. Er tätigt gerade einige Anrufe. Und wir werden hier bald raus sein.

SRF: Sie sind verhaftet?

Thomas: Ich bin in Haft.

SRF: Das tut mir leid zu hören.

Thomas: Es ist OK. Diese Araber sind sehr, sehr übel. Ich meine die Araber hier drüben. Es ist ein verheerendes Land. Weil ich Europäer bin und kein Moslem wie sie, behandeln sie mich wie Dreck. Ich weiss wirklich nicht, wie ich Ihnen das erklären kann, aber dieses Land ist nichts wert. Es ist ein sehr schlechtes Land. Von aussen gesehen ist es wunderschön, aber drinnen spielen sich schlimme Dinge ab. Und wir Europäer und Amerikaner haben letztlich nur Probleme hier drüben, wen wir für Geschäfte einreisen.

Ich bin jetzt gerade im Untersuchungsgefängnis. Und ich warte auf meinen Anwalt. Er soll mich hier treffen. Aber mein Hauptanliegen ist jetzt, dass sie Theres sagen, dass sie schnell gesund werden soll. Bitte! Ich brauche sie gesund.

SRF: Nun ja, erzählte sie Ihnen, dass sie einen Flug nach Abu Dhabi gebucht hat? Werden Sie da sein können, um sie am Flughafen abzuholen?

Thomas: Deshalb möchte ich so schnell wie möglich aus der Haft entlassen werden. Mein Anwalt hat ihre Nummer auch. Sobald sie gelandet ist, wird er sie am Flughafen abholen und zu mir bringen. Ich versuche wirklich, hier heraus zu kommen, aber falls das nicht klappen sollte – denn die Polizei verlangt von mir, dass ich einen gewissen Betrag für eine Lebensversicherung bezahle, für den Fall, dass ich sterbe. Eigentlich kam ich nur hier her, um technisches Equipment zu besorgen. Und ich habe keine Versicherung.

SRF: Ich verstehe. Theres sagte etwas davon, dass sie Geld mitnehmen wird. Wieviel müsste das sein?

Thomas: Nun … [Telefon unterbrochen] ….

SRF: Ich bins nochmal. Wir wurden unterbrochen, Entschuldigung.

Thomas: Ja, ich telefoniere mit meinem Handy und die Verbindung hier in der Untersuchungshaft ist sehr schlecht. Ganz ehrlich und aus tiefem Herzen: Ich möchte, dass Theres sich nicht noch mehr Sorgen macht, als sie das im Moment tut. OK? Falls Sie hier ankommt, wird mein Anwalt sie am Flughafen abholen und versuchen, sie hierher in die Polizeistation, wo ich in Haft bin, zu bringen. Sie verhafteten mich heute Morgen.

SRF: Wieviel Geld brauchen Sie?

Thomas: [Unverständlich] … etwa 19‘000. Meine Tochter schickte mir 10‘000 Euro, aber insgesamt brauche ich 19‘000 Euro. OK?

SRF: 19‘000??

Thomas: Ja. Ich sage wirklich nicht gerne, dass ich Hilfe brauche. Ich möchte Theres wirklich nicht stören. Ganz ehrlich.

SRF: Sie stören sie nicht. Sie möchte Ihnen helfen.

Thomas: Ja ich weiss, dass sie mich liebt. Schauen Sie, es handelt sich um ein Problem, dass ich bewältigen werde. Ich möchte nicht, dass sie ihre finanzielle Stabilität gefährdet, ich möchte nicht, dass sie sich wegen mir in Schwierigkeiten bringt. Ich bin ein Mann und habe meine Probleme immer geregelt. Ich werde ok sein.

SRF: Ich werde ihr das sagen.

Thomas: Ich möchte nicht, dass sie sich keine Sorgen macht deswegen. Bitte, ich bitte Sie, tragen Sie Sorge zu Theres. Sie hat ein gutes Herz.

SRF: Ich weiss, ich weiss.

Thomas: Sie brachte mich dazu, wieder zu lieben. Und ich bin daran interessiert mit ihr zusammen zu sein. [Unverständlich] … Bitte, tun Sie mir einen gefallen …. [Unverständlich]

SRF: Wie bitte? Ich habe Sie nicht verstanden. Was soll ich ihr sagen?

Thomas: Ich sagte, bitte tun Sie mir den Gefallen und passen Sie auf sie auf.

SRF: Klar werde ich das tun. Es ist nun mal schwierig, weil sie nicht gut Englisch kann. Deshalb bat sie mich, Sie anzurufen, um herauszufinden wo Sie sind und ob es Ihnen gut geht. … Kennt sie eigentlich den Namen Ihres Anwalts? Wird sie ihn finden, wenn sie in Abu Dhabi landet?

Thomas: Hallo? …. Hallo?

SRF: Können Sie mich hören? …. Hallo?

[Anruf abgebrochen.]

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