Clementinen im Test: Nur eine überzeugt

Saftig, süss, ohne Kerne und einfach zu schälen: Das sind die Merkmale einer perfekten Clementine. In der Degustation bekommt bei diesen Merkmalen nur eine Frucht durchwegs gute Noten. Die meisten Clementinen sind von mittelmässiger Qualität.

Video «Clementinen in der Degustation: Vielen fehlt die Süsse» abspielen

Clementinen in der Degustation: Vielen fehlt die Süsse

8:57 min, aus Kassensturz vom 13.1.2015

Alle sind sie anders, die Clementinen. Geschmack, Grösse und Farbe sind die offensichtlichen Unterschiede. Den Geschmack interessiert die Fach-Jury der «Kassensturz»-Clementinen-Degustation besonders.

Denn eine Clementine ohne Geschmack ist kein Genuss. Daneben soll die Frucht aber auch saftig sein und die einzelnen Schnitze müssen eine angenehme Konsistenz aufweisen.

Viele sind mittelmässig

Von zwölf getesteten Clementinen beurteilt die Jury einzig die Clementinen «Bouquet» von Volg als gut (siehe Resultate-Tabelle). Sie überzeugen besonders bei Geschmack und Aroma mit durchwegs guten Noten.

Im oberen Mittelfeld sind die Clementinen ohne Label von Coop und Migros. Der Geschmack variiert von knapp genügend bis gut. Auch die Migros-Bio Clementinen schaffen es ins obere Mittelfeld. Überraschend das Abschneiden der Clementine aus der Primogusto-Linie von Coop. Es erhält etwas schlechtere Noten als die günstigere Clementine bei Coop.

Coop hat nach eigenen Angaben den Anspruch mit den Primogusto-Früchten bei Geschmack und Aussehen besser zu sein als die Standardware. Bei einem Naturprodukt seien aber Schwankungen nicht auszuschliessen, schreibt Coop.

Korsische Clementinen waren ungenügend

Am Schluss der Rangliste landeten in der Degustation das M-Budget-Produkt von Migros, die günstigste Mandarine von Aldi und - was die Jury überrascht hat - die teuren Clementinen aus Korsika, gekauft bei Manor.

Diese Clementinen gelten bei Kennern als Spezialität. In der Degustation haben sie aber nicht überzeugt. Zu wenig süss und nicht topfrisch - so lautete das Fazit. Manor schreibt, diese Sorte habe von Natur aus einen geringeren Säureanteil.

Ausserdem werden die Früchte - im Gegensatz zu anderen Produkten - nach der Ernte nicht mehr chemisch behandelt. Die Behandlung oder Wachsen mit Fungiziden dient vielen Produzenten vor allem dazu, das Aussehen zu schützen und länger haltbar zu machen.

Fazit der Degustation: Das Niveau reicht von ungenügend bis gut. «Wir mussten überhaupt nicht Leiden bei degustieren, aber kein Produkt hat uns zu Freudentränen getrieben», umschreibt Jurymitglied Marinello die Gefühlslage am Schluss.

Satte Farbe mit Ethylen

Viele Clementine werden grün geerntet, doch sie sind bereits reif. Kalte Nächte sorgen für den Farbumschlag. Ein Teil der Ernte wird nachträglich «entgrünt». Dazu kommen die Früchte einige Tage in feuchte Kammern.

Der Luft wird Ethylene beigemischt, das Gas beschleunigt den Farbumschlag von grün zu orange. In Spanien wird diese Methode angewendet.

Die Testjury

  • Peter Frey, zuständig für den Bereich Zitrusfrüchte bei der Importfirma PPO Services AG.
  • Tiziano Marinello, Geschäftsführer bei Marinello+Co. AG. Seine Firma beliefert Hotels und Restaurants mit Früchten und Gemüsen.
  • Marco Haegeli ist im eigenen Familienbetrieb, der Zürcher Traditionsfirma Haegeli, zuständig für den Engros-Bereich.
  • Therese Friedli, sie führt gemeinsam mit ihrem Ehemann in Luzern die Friedli's Markthalle.
  • Daniel Hirt ist Geschäftleitungsmitglied beim Fruchtsafthersteller Zamba und verantwortlich für die Qualitätssicherung.

Clementine ist keine Mandarine

Clementine ist eine eigene Sorte. Sie ist eine natürliche Kreuzung zwischen einer Orange und einer Mandarine. Der Mönch Clement soll diese Frucht 1904 in seinem Klostergarten entdeckt haben. Zu seinen Ehren wird die Frucht Clementine genannt. Clementine haben keine oder weniger Kerne, sind im Geschmack süsser und in der Regel satter orange.

Forum