Der grosse Kino-Test

Schweizer strömen in Scharen ins Kino. Doch schlechte Sicht auf die Leinwand oder unbequeme Sitze trüben vielerorts den Kinogenuss.

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Der grosse Kino-Test

9:35 min, aus Kassensturz vom 9.12.2003

So soll ein schöner Kinoabend sein: Der Blick auf die Leinwand ungetrübt, genügend Bein- und Ellbogenfreiheit, und auch das Steissbein fühlt sich wohl. Doch oft trüben harte, enge Sitze und schlechte Sicht auf die Leinwand das Filmvergnügen. Viele Kinofans empfinden überdies den Ton als zu laut.

Die meisten Kinos haben ihre Lautsprecheranlagen massiv aufgerüstet. Digitale Tonspuren und Surround-Systeme ermöglichen ohrenbetäubende Lautstärken. Kassensturz hat die Lautstärke des aktuellen Abenteuerfilms «Master and Commander» im Kino Metropol in Zürich gemessen und sie von Beat Hohmann von der SUVA auswerten lassen.

«Die gemessenen Werte mögen zwar subjektiv laut erscheinen, liegen aber weit unter der gefährlichen Schwelle von 93 Dezibel», so sein Fazit.

Kassensturz wollte wissen, in welchen Deutschschweizer Kinos Filmfans in Sachen Bild-, Ton- und Sitzqualität auf ihre Kosten kommen und hat zehn professionelle Filmkritiker und Kinofans zur Kinokritik gebeten.

Folgende Kinosäle in den Städten Basel, Bern, Luzern, St. Gallen und Zürich haben gemäss dem Urteil der Kritiker den besten Mix aus grossem Bild, Sitzkomfort, Beinfreiheit, Sesselbreite, Sicht auf Leinwand sowie guter Bild- und Tonqualität:

  • Cinedome 1 in Abtwil bei St. Gallen
  • Maxx 3 in Emmen bei Luzern
  • Scala 1 in St. Gallen
  • Corso 1 in Zürich
  • Capitol 1 in Basel
  • Alhambra in Bern
  • Abaton A (Cinemax) in Zürich
  • Atelier 3 in Basel (bestes Studiokino im Test)

Eine schlechte Kombination aus Bildgrösse und Qualität der Vorführung sowie mässig bequeme Sitze hatten nach dem Urteil der Kritiker die Kinos:

  • Capitol 2 in Luzern
  • Le Paris in Zürich
  • ABC Club in Luzern
  • Atelier in Luzern
  • Camera 2 in Basel
  • Picadilly in Zürich
  • Cinemax 7 in Zürich

Kellerkino Bern - grösstenteils Kinos, die keine Hollywood-Kassenschlager spielen, sondern sich dem Studiofilm verschrieben haben. Studiokinos müssen mit wenig Budget viel Kultur bieten: «Die Studiokinos machen 25 Prozent des Umsatzes in der Schweiz, müssen aber einen Grossteil der kulturellen Vielfalt leisten», sagt Suzanne Schweizer, Co-Geschäftsführerin der Basler Kult-Kino AG.

Was der Komfort der Sitze im Camera 2 betreffe, sei der Nachholbedarf erkannt. Die Klappsitze gegen bequeme Clubsessel einzutauschen kann sich Hanspeter Sperisen, Besitzer des Kellerkinos Bern, nicht leisten: «Wenn wir grössere Sitze reintäten, hätten wir nur noch 40 Plätze.

Und das ist schlecht wegen den Verleihern», sagt der Kinobegeisterte. David Streiff, Direktor des Bundesamtes für Kultur ist Stammgast im traditionsreichen Kellerkino. «Ich weiss, dass die Plätze hier unbequem sind, aber für die Kultur muss man halt manchmal leiden.» Der grosse Trost für Kinofans: Die Filme sind ab und zu so gut, dass sie einen unbequeme Sitze vergessen lassen.