Früchte aus der Flasche: Was die Drinks taugen

Für eilige Konsumenten hat die Industrie trendige Früchte-Drinks auf den Markt gebracht. Die Hersteller preisen sie als Wundermittel an: Ein Fläschchen soll den täglichen Bedarf nahezu abdecken. «Kassensturz» hat diese Trendprodukte analysiert und sagt, was von der Werbung zu halten ist.

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Früchte aus der Flasche: Was die Drinks taugen

8:16 min, aus Kassensturz vom 3.3.2009

Wer viel Früchte und Gemüse isst, lebt gesünder. Doch Schweizerinnen und Schweizer essen davon zuwenig. Ursula Zybach hat jahrelang die Kampagne «5 am Tag» geleitet. Insgesamt 600 Gramm Gemüse und Früchte sollten wir täglich verzehren. Am besten 3 Portionen Gemüse und 2 Portionen Früchte. Studien belegen: Wer sich daran hält, vermindert das Risiko an Krebs zu erkranken und nimmt nicht zu.

Wenig Nahrungsfasern

Sind die trendigen Säfte genauso gesund wie frische Früchte und frisches Gemüse? Die Westschweizer Sendung A bon entendeur hat mehrere Produkte im Labor analysiert. Dann haben die Tester die Resultate mit den Werbeversprechen verglichen: Mit der Menge an Früchten und Gemüse, welche die Säfte vorgeben zu ersetzen. Wieviel Vitamine und Nahrungsfasern stecken in den Früchten, wieviel im Saft?

Beispiel: Innoncent Smoothie mit Erdbeeren /Bananen enthält weniger als 2,5 Gramm Nahrungsfasern und nur 2,6 Milligramm Vitamin C. Der Hersteller verspricht: Das Fläschen entspreche mindestens 2 Portionen Früchten und decke 43 Prozent des tägliche, natürlichen Vitamin-C-Bedarfs. Zum Vergleich: Wer eine Banane und eine Portion Erdbeeren isst, nimmt 4,5 Gramm Nahrungsfasern zu sich und 63 Milligramm Vitamin C. Der Hersteller schreibt: Der natürliche Vitamingehalt der Früchte kann variieren. Ausserdem: Innocent Smoothie enthalte auch andere Früchte.

Josef Laimbacher, Chefarzt am Ostschweizer Kinderspital und Mitglied der Schweizerischen Gesellschaft für Ernährung erstaunen die Testergebnisse nicht. Für den Experten ist unbestritten: Fruchtsäfte sind in einer gesunden Ernährung lediglich eine Ergänzung. Früchte essen ist nicht dasselbe wie einen Saft trinken. Denn die wichtigen Nahrungsfasern kämen in diesen Säften oft zu kurz, das habe auch mit der Art der Verarbeitung zu tun, sagt Laimbacher.

Kein Ersatz für Echtes

Das gilt auch für das Produkt Fruit2day von Hero. «Erdbeer und Orange» steht auf der Packung. Im Kleingedruckten die allgemeine Aufschrift: «Für ihre tägliche Portion Frucht». Die Laboranalyse zeigt: Das Fläschchen beinhaltet weniger als 2 Gramm Nahrungsfasern und immerhin 24 Milligramm Vitamin C. Hersteller Hero schreibt: Die abgebildeten Früchte nehmen Bezug auf die Sorte und nicht auf die Anzahl enthaltener Portionen.

Als wahres Wundermittel preist Knorr sein Produkt an. Knorr Vie «deckt 50 Prozent des täglichen Bedarfs an Gemüse und Früchte», behauptet der Hersteller. Der 100-Milliliter-Shot entspreche einem Apfel, 2 Rüebli, 2 Erdbeeren und 1 Acerola. Die Analyse zeigt: Die 100 Milliliter enthalten weniger als 1 Gramm Nahrungsfasern und 30,6 Milligramm Vitamin C. Der Vergleich: Früchte und Gemüse würden 370 Gramm wiegen, über 10 Gramm Nahrungsfasern und 50 Milligramm Vitamin C enthalten.

Auch hier: Der Saft ist kein Ersatz für echte Früchte. Letztlich könne nur die Kombination von verschiedenen Früchten und Gemüsen die Wirkung entfalten, sagt Laimbacher. Es stelle sich auch die Frage, wie ein solches Produkt 50 Prozent des Tagesbedarfs abdecken könne. Laimbacher: «Da fehlen einfach die wissenschaftlichen Studien für solche Aussagen.» Das hindert Knorr nicht daran, in der Werbung vollmundige Versprechungen zu machen: 50 Prozent des täglichen Bedarfs.

Inoffizielle Empfehlung

Ursula Zybach von der Kampagnenleitung «5 am Tag» kritisiert, Knorr komme nur deshalb auf diesen Wert, weil die Firma sich auf die tiefen WHO-Empfehlungen beziehe: 400 Gramm Früchte und Gemüse. Doch wie die meisten Industrieländer rechnet die Schweiz mit einem wesentlich höheren Tagesbedarf – man hat sich auf 600 Gramm geeinigt. «Darum bedauere ich es sehr, dass so eine grosse Firma wie Knorr sich nicht auf die offizielle Empfehlung eines Landes stützt, und den Konsumenten etwas vorgaukelt, das hier gar nicht gilt», sagt Zybach.

Nur maximal eine Portion Frucht oder Gemüse sollte durch einen ungesüssten Saft ersetzt werden, sagen Ernährungsfachleute. Dabei gilt: Nur wer die ganze Frucht püriert und den Saft frisch trinkt, kommt auch in den Genuss der ganzen Frucht.