Racletteöfen: Die teuren sind mässig

Der teuerste schneidet am schlechtesten ab, der billigste ist Testsieger. Der Test von Racletteöfen birgt Überraschungen. Er zeigt Mängel beim Grillieren, Reinigen und bei der Hitzeverteilung auf.

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Die besten Raclettegeräte

7:05 min, aus Kassensturz vom 14.12.2010

Eigentlich kann mit einem Racletteofen nichts schief gehen – könnte man meinen. Doch gibt es einige Dinge, die nicht immer ganz so perfekt funktionieren. Zum Beispiel, dass die Grillplatte eine lange Vorlaufzeit benötig, bis sie heiss ist. Oder dass der Käse in den einen Pfännchen rasch heiss wird, in den anderen langsam vor sich hinschmilzt. Dass bei einigen Pfännchen der Käse nur so auf den Teller flutscht, bei Pfännchen anderer Anbieter der Käse förmlich kleben bleibt. Noch ärgerlicher: Wenn Pfännchen und Gerät nach der gemütlichen Tafel nur mit Mühe zu reinigen sind.

Solche und viele andere Schwächen hat das Labor TÜV Rheinland LGA beim Testen von Racletteöfen entdeckt. Hier liess Kassensturz 10 der meistverkauften Racletteöfen prüfen. Im Test waren Geräte mit Grillfunktion für 6 oder 8 Personen. Preisspanne: 60 bis 229 Franken.

Erfreuliches Resultat: Das günstigste Modell im Test wurde klar am besten bewertet. Der 6-plätzige Primotecq RAC 6 für Fr. 59.90, Eigenmarke von Fust, hat in den wichtigsten Prüfpunkten die besten Noten erreicht. Der Raclettekäse wird schön und gleichmässig geschmolzen, die Platte hat eine gute Temperaturverteilung, und bei der Handhabung gehört das Gerät zu den besten.

Der beste 8-plätzige Raclettegrill ist teurer, ist aber zusätzlich für die Zubereitung von Crêpes ausgelegt. Der Maddison «3 in 1 Partygrill» (Fr. 129.–). Das Gerät hat aber keine grösseren Schwächen. Das gilt auch für den drittplatzierten Trisa Supreme (79.–). Hier hat das Labor bloss die Bedienungsanleitung kritisiert, ausserdem ist die Wärmeverteilung der Grillplatte nicht optimal.

Teuerstes Gerät ist Schlusslicht

Damit ist auch gesagt, dass keines der teuersten Geräte Bestnoten erhalten hat. Das Cheeseboard V8 von Stöckli landet auf dem 4. Platz, der Raclette-Grill von Koenig auf dem 6. und Tefal Ovation auf dem 8. Platz. Sie alle kosten 149 Franken.

Noch schlechter ist das Preis-Leistungsverhältnis des Kenwood RC3 plus Chrom. Für das teuerste Gerät im Test muss man 229 Franken hinblättern, dennoch landet es auf dem letzten Platz. Es wird mit zwei Grillplatten geliefert, mit einer Steinplatte und einer emailierten Gusseisenplatte. Das Labor hat das Grillieren mit beiden Ausführungen getestet.

Hersteller sind nicht einverstanden

«Beim Testverlierer sind die Würstchen vor Grill gefallen», so Rainer Weiskirchen vom TÜV Rheinland. Auch sei es unmöglich gewesen, das Gerät nach dem Grillieren sauber zu reinigen. In der Handhabung störte die Prüfer, dass «die Pfännchen keine richtige Position gefunden haben».

Kenwood ist «verwundert» über das Ergebnis. RC3 plus Chrom sei in einem Test in Deutschland mit «sehr gut» in den Prüfpunkten Grillfunktion, Sicherheit und Materialbeschaffenheit bewertet worden.

Grillfunktion ist ein Schwachpunkt

Auch Coop, dessen Satrap-Partygrill silver 8 mit schwachen Noten abgeschnitten hat, ist mit dem Testresultat beim Grillieren von Fleisch und Reinigung nicht einverstanden. «Das Raclettegerät ist für kleine Fleischstücke wie Cippolata bestens geeignet, nicht aber für grössere Fleischstücke», so Coop. Die Reinigung von Grillplatte und Pfännchen sei entgegen dem Testresultat «schnell und einfach möglich».

Das Grillieren von Fleisch war aber in keinem Fall überzeugend. «Die Geräte sind nicht wirklich fürs Grillieren gedacht», sagt Rainer Weiskirchen. Die Temperaturen der Grillplatten waren zu hoch, die Temperaturverteilung zum Teil unregelmässig. «So ist das Grillieren überhaupt nicht lustig.»

So wurde getestet

Das Prüflabor LGA TÜV Rheinland hat die 10 Racletteöfen nach folgenden Kriterien getestet:

  • Funktion: Wie gleichmässig werden die Raclettescheiben erhitzt? Hat der Käse eine gute Konsistenz und lässt er sich einfach aus dem Pfännchen schieben? Werden Würstchen und Fleischstücke auf der Grillplatte schön gar?
  • Technische Prüfung: Wird die Grillplatte gleichmässig heiss? Ist die Beschichtung von Grillplatte und Pfännchen kratzfest?
  • Sicherheit: Werden berührbare Oberflächen brandheiss? Sind die Geräte hochwertig verarbeitet?
  • Handhabung: Sind die Schalter und Knöpfe gut bedienbar? Lassen sich Pfännchen und Grillplatte gut beladen? Wie einfach ist das Reinigen der Geräteteile? Ist die Bedienungsanleitung verständlich und nützlich?