Callcenter: Miese Bedingungen sind verbreitet

«Kassensturz» berichtete über die schlimmen Arbeitsbedingungen in von der Swisscom beauftragen Callcentern. «Espresso» zeigt nun: Das ist kein Einzelfall. Auch andere Telefonmarketing-Betreiber schikanieren ihre Mitarbeiter.

Miese Bedingungen in Callcentern

Bildlegende: Miese Bedingungen in Callcentern SRF

Wir nerven uns, wenn wir bei einem Callcenter anrufen und nicht durchkommen. Oder wenn uns jemand abends telefoniert. Viel schlimmer ist die Situation jedoch für die in den Callcenter angestellten Personen. Mit dem Arbeitsrecht nimmt man es dort nämlich nicht allzu genau.

WC-Pause gestrichen

Oft sind die Arbeitsbedingungen in Schweizer Callcentern miserabel. Ehemalige und noch immer aktive Mitarbeiter erzählen zum Beispiel von schikanösen Pausenregelungen: «In Hauptzeiten kann man nicht einmal eine Toilettenpause einziehen!»

Diese Regelung hält der Arbeitsrechtexperte Roger Rudolph für übertrieben. «In der Flugsicherung geht so etwas ja noch, oder bei einem Rettungsdienst. Da muss die Pausenregelung strikt organisiert sein.» Ein Callcenter falle aber nicht in diese Kategorie, so der Jurist gegenüber «Espresso».

Nach Hause geschickt

Das Konsummagazin «Espresso» hat mit verschiedenen Callcenter-Mitarbeitern gesprochen. Ihre Vorwürfe sind massiv: «Wenn wir innert 1,5 Stunden keinen Abschluss tätigen konnten, wurden wir nach Hause geschickt», erzählt zum Beispiel eine Person, die bis Ende des vergangenen Jahres für die Krankenkasse Swica Beratungstermine abschliessen musste.

«So etwas entspricht nicht den Swica-Richtlinien, wir beurteilen unsere Angestellten nicht aufgrund von 1,5 Stunden», heisst es bei der Krankenkasse. Deshalb habe man sich unterdessen von der Leiterin des betreffenden Callcenters getrennt.