Fussbälle aus Kinderarbeit an Schweizer Schulen

Hunderte von Schweizer Schulen beziehen ihre Fussbälle von Produzenten, die Kinderarbeit in Kauf nehmen. Das decken Recherchen der Sendung «Kassensturz» auf. Die Reporter sind nach Pakistan gereist, wo mehr als die Hälfte aller Fussbälle produziert werden – und haben dort Erschreckendes entdeckt.

Video «Fussbälle aus Kinderarbeit: Schulen blauäugig» abspielen

Fussbälle aus Kinderarbeit: Schulen blauäugig

12 min, aus Kassensturz vom 12.5.2009

Alle Fussballanbieter in der Schweiz garantieren heute, ohne Kinderarbeit produzieren zu lassen. So versichern Alder+Eisenhut sowie WKW Sport, zwei namhafte Firmen von Schulsportmaterial in der Schweiz, den Schulen, dass ihre Bälle ohne Kinderarbeit gefertigt werden. Laut den beiden Firmen können ihre Lieferanten dies mit Zertifikaten belegen. Doch diese Zertifikate sind nichts wert – das zeigen die Recherchen von «Kassensturz».

Bei IMAC, der unabhängigen Kontrollstelle in Pakistan, hat man von den Firmen, die für Alder+Eisenhut und WKW produzieren, noch nie etwas gehört. IMAC-Inspektoren kontrollieren Fabriken und Nähcenter um der pakistanischen Stadt Sialkot, in der die Reporter von «Kassensturz» ihre Recherchen geführt haben.

Gefälschte Zertifikate mit Folgen

Nur wer regelmässig alle Tests besteht, kommt auf die sogenannte A-Liste der vertrauenswürdigen Fussballproduzenten. Die Produzenten, die Schweizer Schulen beliefern, sind nicht darunter. Die Sendung «Kassensturz» deckte aber noch mehr auf: Das Zertifikat, das die Fussbälle ohne Kinderarbeit garantieren sollte, ist gefälscht. Die Firmen Alder+Eisenhut sowie WKW Sport beteuern, von der Zweifelhaftigkeit der vorgelegten Zertifikate nichts geahnt zu haben. «Im Geschäftsleben handeln wir nach Treu und Glauben, das ist auch mit Pakistan so», bekräftigt Robin Alder, Inhaber von Alder und Eisenhut.

Die Firma hat daraufhin reagiert: Sie hat ihrem Produzenten in Pakistan für einen Beitritt zur unabhängigen Monitoring Organisation IMAC eine Frist gesetzt. Auch WKW hat radikal durchgegriffen und die Produktion von Eigenmarkenbällen gestoppt, bis der Produzent zu 100 Prozent beweisen könne, ohne Kinderarbeit herzustellen.

Problem Heimarbeit

Seit zwölf Jahren ist Kinderarbeit in Pakistan offiziell verboten. Vieles hat sich in den letzten Jahren verbessert: Grosse Fabriken lassen sich seither kontrollieren. Kinderarbeit ging bei Fussbällen markant zurück. Das Problem besteht weiterhin bei der Heimarbeit. Das Schweizerische Arbeiterhilfswerk fordert deshalb, dass die Schulen mit den öffentlichen Geldern Artikel aus fairem Handel kaufen. «Konsumenten und Händler in der Schweiz können Pakistans Fussballindustrie zu fairer Produktion zwingen», beteuert SAH-Präsident Hans-Jürg Fehr. «Wenn ein Produzent mit schlechten Arbeitsbedingungen keine Bälle mehr verkauft, dann wird er umstellen.»