Kein Zutritt trotz gültigem Ticket auf Piazza in Locarno

Bei einigen Besuchern lagen am Premiereabend am Filmfestival in Locarno die Nerven blank: Trotz gültiger Tickets wurden sie nicht auf die Piazza gelassen. Angeblich, weil es keine Plätz mehr hatte. Die Festivalleitung bestreitet, dass man zu viele Tickets verkauft habe.

Michael Ruh fühlte sich wie im falschen Film. Der Berufsschullehrer ist letzte Woche extra von Zürich ins Tessin gefahren, um am Abend dabei zu sein, wenn auf der Piazza Grande in Locarno das 68. Filmfestival eröffnet wird. Die Tickets dafür hatte sich Ruh schon Wochen im Voraus via Ticket Corner gesichert.

Doch Ruh und seine Partnerin wurden am Abend der Premiere nicht auf die Piazza gelassen. Trotz gültiger Tickets. «Man erklärte uns, die Tickets seien nur gültig, solange es freie Plätze gäbe». Für den 54-jährigen eine merkwürdige Begründung. Und nicht nur für ihn.

Wenigstens ihr Geld bekommen die enttäuschten Besucher zurück

Vergebens gefreut hatte sich auch Vito Roberto, Professor für Privat- und Wirtschaftsrecht an der Universität St. Gallen. Wie viele andere in der Schlange vor dem Eingang hatte auch er hatte ein gültiges Billet, doch auch ihm wurde der Zutritt kurz nach halb zehn Uhr verweigert.

Zwar bot man den enttäuschten Festivalbesuchern an, den Film im nahegelegenen Kino FEVI zu schauen oder das Geld zurück zu zahlen. Roberto bestand auf der Rückerstattung der Ticketkosten. «Wer will sich schon an einem Abend bei fast dreissig Grad auf einem Klappstuhl in einer Turnhalle einen Film anschauen?»

Roberto kann nicht verstehen, dass ein so grosses Filmfestival nicht fertig bringe, was jeder kleine Quartierverein problemlos schaffen würde: «Halt nur so viele Tickets wie verfügbare Sitzplätze zu verkaufen.» Ganz offenbar habe man für die Veranstaltung zu viele Tickets in Umlauf gesetzt, vermutet er.

Hinweis fehlte auf einigen Tickets

Gegen diesen Vorwurf wehrt sich Mario Timbal, operativer Direktor des Filmfestivals Locarno. Viele Besucher hätten Festivalpässe, deshalb müsse man sich beim Verkauf der Billette auf die Erfahrungen der letzten Jahre stützen.

Ein Ticket für einen Film am Festival in Locarno.

Bildlegende: Auf diesen Tickets fehlt der Hinweis, man müsse früh da sein. SRF

An der Eröffnung herrsche aber immer ein grosser Andrang, erklärt Timbal. Das sei auch am letzten Mittwoch so gewesen. Zudem weise man das Publikum auf den Tickets ausdrücklich darauf hin, dass es auf der Piazza Grande keine Sitzplatzgarantie gebe. «Man muss, insbesondere am Eröffnungsabend, früh genug da sein.»

Auf den Tickets von Michael Ruh und Vito Roberto findet sich allerdings kein solcher Hinweis. «Es gab einen Fehler», räumt Mario Timbal ein. Tatsächlich fehle der Hinweis bei den über Ticket Corner gekauften Tickets.

Den betroffenen Festivalbesuchern bietet Timbal ein Ersatzticket für einen anderen Abend an. Betroffene sollen sich beim Festivalsekretariat melden. Für Michael Ruh kommt dieses Angebot allerdings zu spät. Er ist bereits wieder daheim in Zürich.

Schadenersatz

In der Schweiz ist es nicht möglich, Spesen und Auslagen als Schadenersatz geltend zu machen, wenn ein Versanstalter seine Leistung nicht erbringt. Dieser so genannte Frustrationsschaden ist hierzulande nicht anerkannt. Anders bei Pauschalreisen: Dort muss der Veranstalter bei Pannen die zusätzlichen Kosten der Kunden bezahlen.