Wirt wehrt sich gegen gefährliche Bänke

Drei von 16 neuen Gartensitzbänken sind unter dem Gewicht der Gästen zusammengebrochen. Darum will der Wirt keine Risiko eingehen und alle Bänke zurückgeben. Doch Coop «Bau&Hobby» sagt: «Wir ersetzen nur die Kaputten.»

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Ein Wirt wehrt sich

4:46 min, aus Kassensturz vom 30.8.2011

«Ich wollte meinen Gästen eine Freude bereiten und habe in der für die Gartenwirtschaft acht neue Garnituren mit Tischen und Bänken aufgestellt», sagt Bruno Muggli, Wirt des Restaurant Brauerei in Stadel, ZH.

 «Vierzehn Tage später war die erst Sitzbank schon kaputt.» Muggli sagte sich «OK, das kann ja einmal passieren». Zwei Tage später ging die zweite Bank kaputt, kurz darauf die Dritte. Jeweils waren Holzlatten unter dem Gewicht der Gäste eingebrochen.

«Bei Verletzungen hafte ich»

Dann meldete sich Muggli bei Coop Bau + Hobby, wo er die Bänke gekauft hatte. Insgesamt waren es 16 Bänke für fast 4000 Franken. Muggli wollte nicht nur die drei defekten sondern alle 16 Bänke zurückgeben: «Wenn sich jemand verletzt bin ich verantwortlich. Dieses Risiko kann ich nicht auf mich nehmen.»

Regelrecht in der Sitzfläche durchgebrochen ist Stammgast René Siegrist: «Ich habe mich ein wenig zurückgelehnt und plötzlich sacke wie ein Sackmesser in die Sitzbank rein. Ich habe noch Glück gehabt.

An den abgebrochenen Holzlatten und den ausgerissenen Holzschrauben hätte ich mich verletzen können.» Die Bänke brachen alle an der gleichen Stelle ein. Sie sind aus Eukalyptus-Holz aus Uruguay und wurden in Vietnam produziert.

Coop wird doch noch kulant

Coop traut der Sache zuerst nicht und wollte nur die drei defekten Bänke ersetzen. Urs Meier, Mediensprecher Coop: «Dieses Produkt wurde vor dem Verkauf getestet. Es erfüllt die Euro-Norm sonst wäre es gar nicht in den Verkaufsstellen.» Über 600 dieser Sitzbänke habe Coop bisher verkauft.

«Wir haben bis zum heutigen Tag mit Ausnahme dieser Beanstandung nicht eine Reklamation gehabt», sagt Urs Meier. Dass dann ausgerechnet drei Bänke am gleichen Ort defekt sein sollen, können die Verantwortlichen bei Coop nicht verstehen.

Ein schwieriger Fall

«Kassensturz» schaltet sich ein. Zusammen mit einem Qualitätsmanager schaut man sich die defekten Bänke an. Der Experte untersucht auch die anderen Bänke, die Muggli in einem Abstellraum versorgt hat. Trotzdem, schlauer wird man auch dann nicht.

Muggli vermutet, dass die drei Bänke vielleicht aus einer Serie mit schlechtem Holz stammen. Coop beharrt auf der guten Qualität der Sitzbank. Inzwischen sind Verkaufsleiter und Qualitätsmanager auf diversen Test-Bänken herumgeturnt. Keine sei gebrochen.

Die kaputten Bänke bleiben ein Mysterium. Trotzdem zeigt sich Coop kulant und vergütet dem Wirt alle 16 Sitzbänke. Im Gegenzug hat Bruno Muggli bei Coop nun 50 Gartenstühle für sein Restaurant bestellt.