Immer mehr Vierbeiner landen im Tierheim

Haustiere sind in der Schweiz ein Milliardengeschäft. Viele Tierhalter scheuen keine Kosten. Doch kritisieren Tierschützer bedenkliche Entwicklungen: Immer häufiger werden Verbeiner in Heimen abgestossen. Und der Handel mit dubiosen Zuchttieren aus Osteuropa blüht.

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Das grosse Geschäft mit den Haustieren

15 min, aus Kassensturz vom 10.1.2012

Geliebt und ausgesetzt. Der Umgang der Schweizer mit den Haustieren ist widersprüchlich. Auf der einen Seite werden Tiere vermenschlicht, sie tragen Strasshalsbänder, Ledermäntelchen und schlafen auf eigenem Sofa. Allein für Futter, Einstreu und Spielsachen setzt der Handel jährlich 800 Millionen Franken um. Selbst Ausgaben für  Hightech-Operationen sind für  viele Tierhalter selbstverständlich. Auf der anderen Seite landen jedes Jahr über 80‘000 ungewollte Katzen, Hunde und Nager in Heimen. Die Schweizer Tierheime verzeichnen in der neusten Statistik des Schweizer Tierschutzes einen Zuwachs von 13 Prozent.

Überforderung der Tierhalter

Die häufigsten Abgabegründe bei Hunden sind Zeitmangel, Umzug und Scheidung. Katzen kommen ins Heim, weil ihre Haare Allergien auslösen, wegen Verhaltensproblemen wie Markieren oder dem Umzug ihrer Halter. «Verhätscheln oder Verstossen, diese Extreme sind eine Zivilisationserscheinung», kommentiert Tierschützerin Susy Utzinger diese Entwicklung. Allein ihr Tierheim Pfötli hat letztes Jahr 1600 Tiere aufgenommen.

Dubioser Hundehandel

Im Tierheim landen auch Hunde, die von ihrem Halter zu einem Schnäppchenpreis erstanden werden. Sobald es Probleme gibt,  werden sie dann aber abgestossen. Eine bedenkliche Entwicklung: Täglich kommen Hunde aus dubiosen Zuchten in die Schweiz. Der Schwarzhandel auf  Parkplätzen und  bei zweifelhaften Züchtern blüht.

«Kassensturz» zeigt Bilder von Chihuahuas, die in Ungarn in einer Hühnerlegebatterie gezüchtet worden sind. Ein Geschäftsmodell tierischen Leids. «Ich habe selber im Osten – in Ungarn und Rumänien – solche Vermehrungsanstalten gesehen», berichtet Utzinger. «Schweizer wünschen billige, reinrassige Schosshündchen wie Chihuahuas, Shih Tzus oder Pekinesen, und die werden unter widrigsten Bedingungen gezüchtet.» 

Billige Hunde aus Osteuropa

Ein Chihuahua aus einer osteuropäischen Puppy-Farm kostet dann statt 1800 Franken «nur» 600 Franken und wird auf Autobahnraststätten oder übers Internet verkauft. «Mittlerweile haben die Hundezüchter aus dem Osten aber auch neue Vertriebskanäle gefunden», sagt Utzinger. «Sie lassen die Tiere als angebliche Schweizer Rassehunde über Mittelsmänner verkaufen». Den Käufern würde versprochen, sie bekämen die Rassepapiere nachgeschickt.

Tiere häufig krank verkauft

Solch vermeintliche Schnäppchen können Hundehalter teuer zu stehen kommen. Denn die Tiere aus Massenzuchten werden meist zu früh von den Muttertieren getrennt, sterben häufig auf dem Transport oder werden nach dem Verkauf krank. Susy Utzinger: «Solche Hunde verursachen dann hohe Tierarztkosten.»