Kosmetik-Firma zockt Kleinunternehmerinnen ab

Die Formatic Medical GmbH in Neuhausen am Rheinfall lässt ihre Kundinnen ins Messer laufen: Für ein vermeintlich gemietetes Gerät sollen die Kosmetikerinnen plötzlich zehntausende von Franken bezahlen.

Bis vor kurzem hatte Kosmetikerin E. M. aus Luzern ein eigenes Studio. Schon lange war klar, dass sie das Geschäft im Jahr 2015 aufgeben würde. Auch schon als vor rund anderthalb Jahren ein Vertreter der Firma Formatic Medical GmbH bei ihr vorbei kam, um ein Gerät für den Muskelaufbau vorzustellen. Der Mann überzeugte die Kleinunternehmerin vom Gerät – allerdings kam ein Kauf für sie nicht in Frage. «Ich wusste ja, dass ich ein gutes Jahr später mein Geschäft schliessen werde», sagt sie. Für den Formatic-Vertreter kein Problem: «Ich könne das Gerät auch einfach mieten, sagte er zu mir», erinnert sich M.

Die Kosmetikerin lässt sich einen Mietvertrag vorlegen und fragt nochmals nach: «Stimmt das wirklich? Ich kann das Gerät jederzeit innerhalb von drei Monaten zurückgeben?» Der Vertreter bejaht. «Es bestehe kein Risiko, meinte er.»

Jetzt will Formatic 40‘000 Franken

Nach Abschluss des Mietvertrags bezahlt E. M. Monat für Monat die Miete für das Gerät, notabene jeweils mehr als 1000 Franken. Anfang 2015 schreibt sie dann wie geplant fristgerecht die Kündigung. Nur um dann knapp zwei Wochen später aus allen Wolken zu fallen: «Ich erhielt eine Rechnung über mehr als 40‘000 Franken – zum Kauf des Geräts.» M. traut ihren Augen nicht und denkt zunächst an ein Missverständnis. Doch Formatic hält an der Forderung fest: «Sie haben einen Vertrag mit der Formatic Medical GmbH über den Kauf des Divinia Ultra Komplettsystems Plus abgeschlossen», schreibt die Firma.

Über Wochen versucht E. M. zu ihrem Recht zu kommen. Schickt immer wieder eingeschriebene Briefe, in denen sie Formatic mitteilt, dass sie bloss einen Mietvertrag abgeschlossen habe. Das Unternehmen will davon nichts wissen und schickt E. M. im Juli die Betreibung. «Das war dann wirklich der grösste Schock für mich», sagt M. «Ich habe dann nochmals versucht, Formatic zu erreichen – aber ich bekomme die nicht mehr ans Telefon.»

Mehrere Betroffene

Das SRF-Konsumentenmagazin «Espresso» schaut sich die Unterlagen von E. M. an. Und tatsächlich: Weder im Vertrag noch in der ebenfalls unterzeichneten Auftragsbestätigung steht etwas von Kauf. Die einzigen Worte, die man immer wieder liest: «Mieter», «Vermieter», «gemietet». Kosmetikerin M. vermutet, dass Absicht dahinter steckt. «Ich fühle mich hintergangen und getäuscht.»

Was M. erlebt hat, erfahren im Moment auch diverse andere Kleinunternehmerinnen. «Espresso» hatte direkten Kontakt mit vier weiteren Betroffenen. Sie schildern alle das Gleiche: Ihnen sei ein Mietvertrag «ohne Risko» angedreht worden – und nun sollen sie mehrere zehntausend Franken für das Gerät bezahlen.

Firma bestreitet Absicht

Auf die Fälle angesprochen, sagt Uwe Falkenburger, Vertriebsleiter der Formatic Medical GmbH: «Unsere Absicht war, mit den Kundinnen einen Mietkauf abzuschliessen.» Dass in den Verträgen davon kein Wort steht, gibt er zu: «Und das kann schon missverständlich sein. Aber böse Absicht steckt nicht dahinter.»

Warum denn der Aussendienstmitarbeiter den Kundinnen bei den Gesprächen nicht klar kommuniziert habe, dass es sich um einen Mietkauf handle, will «Espresso» von Uwe Falkenburger wissen: «Dieser sagt den Kundinnen in den Gesprächen, sie könnten den Vertrag kündigen. Und natürlich kann man jetzt sagen das ist Arglist, weil er ‹Vertrag› sagt und nicht ‹Gerät›.» Immerhin: In Zukunft wolle die Formatic Medical GmbH gar keine solchen Mietverträge mehr ausstellen. «Und wir überlegen uns, die Kundinnen in Zukunft eine Erklärung unterschreiben zu lassen, dass sie wissen, was auf sie zukommt.»

Und was passiert nun mit den betroffenen Kosmetikerinnen, die zehntausende von Franken bezahlen sollen? Uwe Falkenburger bleibt vage: Man müsse zuerst noch die Stellungnahme jener Firma abwarten, die den Vertrag aufgesetzt habe. «Wenn wir dann feststellen, dass die Verträge tatsächlich unklar formuliert sind, nehmen wir alles zurück – also in der Form, dass es für beide Seiten wirklich fair ist.» Das tönt nicht so, als hätten die Betroffenen schon bald Ruhe. Einige von ihnen haben sich daher auch bereits gewappnet und einen Anwalt genommen.

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