Ballon im Bauch

Ärzte preisen den umstrittenen Magenballon als neue Methode zum Abnehmen. Doch der Ballon war in der Schweiz bereits vor 20 Jahren ein Flop: langfristig konnte fast niemand das Gewicht halten.

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Ballon im Bauch

7:24 min, aus Kassensturz vom 7.5.2002

Viele übergewichtige Menschen wollen abnehmen. Sie versuchen eine Abspeckungskur nach der anderen. Und von jeder neuen Abnehm-Methode erhoffen sie sich den Durchbruch. Susanne Huber kämpft schon seit Jahren gegen Übergewicht und hat deshalb eine Sendung "Gesundheit Sprechstunde" mit Fernsehdoktor Samuel Stutz besonders interessiert verfolgt. Am 6. Januar pries die Sendung den Magenballon als neue Methode zum Abnehmen: Ein mit einem halben Liter Kochsalzlösung gefüllter Ballon wird via Speiseröhre im Magen des Patienten plaziert. Er soll ein Sättigungsgefühl erzeugen und so beim Abhnemen helfen. Das thurgauische Kantonsspital Münsterlingen führe den Eingriff für 2000 Franken durc, hiess es in der TV-Sendung. Susanne Huber sah im Magenballon die Lösung ihrer langjährigen Gewichtsprobleme. 2000 Franken sind für die Hausfrau und Mutter zwar eine grosse Summe, doch sie hatte etwas Geld gespart.

Bei einer Vorbesprechung erfuhr Susanne Huber aber, dass die Behandlung nicht wie in den Medien berichtet 2000 Franken, sondern 3500 Franken kosten sollte. Mediziner Rainer Hürlimann, der in der Fernsehsendung von Samuel Stutz zu Gast war und auch den Eingriff vornehmen sollte, wollte nicht vor die Kamera des Kassensturz. Sein Arbeitgeber, das Thurgauer Kantonsspital, schreibt: "Beim Preis von Fr. 2000.- handelt es sich um die Kosten, welche die Einlage des Ballons mittels Magenspiegelung und die Materialkosten einschliessen, nicht aber die Vorabklärungen, die Nachsorgen und die Ballonentfernung."

Susanne Huber entschied sich trotz der happigen Preiserhöhung zum Eingriff. Doch am 25. Februar, dem Tag der Operation, eröffnete ihr der Arzt, dass sie statt der 3500 Franken neu 5000 Franken bezahlen müsse. Die Infusion war bereits gesteckt, als die Patientin mit dieser neuen Tatsache konfrontiert wurde. "Für mich ist eine Welt zusammen gebrochen", erzählt sie. Die dürre Begründung des Spitals Münsterlingen:"Bei der Behandlung mit dem Magenballon sind Komplikationen nicht auszuschliessen. Aus diesen Gründen haben wir uns entschlossen, eine umfassende Vollpauschale von Fr. 5000.- anzuwenden."

Nach Ansicht von Patientenanwalt Atilay Ileri ist das "eine krasse Vertragsverletzung, weil man mit der Patientin ein Honorar von 2000, allenfalls 3500 Franken abgemacht hat." Professor Ulrich Keller, eine Kapazität beim Thema Übergewicht, warnt vor Magenballonen. Bereits in den 80-er Jahren hatten Schweizer Ärzte diese Methode angewandt, dann aber wieder fallen gelassen: Die meisten Patienten konnten ihr Gewicht langfristig nicht reduzieren. Darüber hinaus gebe es, so Professor Keller, auch Studien, die den Magenballonen Nebenwirkungen nachweisen. Trotzdem macht das Spital Münsterlingen mit dieser Diätmethode Kasse. Rainer Hürlimann vom Spital Münsterlingen war dreimal zu Gast in der Fernsehsendung von Samuel Stutz. Erst in der dritten Sendung am 14. März korrigierten die Ärzte den Preis auf 5000 Franken. Für den 5000-fränkigen Ballon haben sich im Laufe der Sendungen 200 Leute angemeldet.