Deklaration soll Grüselbeizen verhindern

Dreck in der Küche, verschimmeltes Gemüse, vergammeltes Fleisch: Lebensmittelkontrolleure treffen bei ihrer Arbeit immer wieder auf unappetitliche Zustände. Doch das Gesetz schützt Hygiene-Sünder – zum grossen Nachteil von Konsumenten.

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Das sorgt für Bauchweh: Politiker schützen Grüselbeizen

9:55 min, aus Kassensturz vom 22.1.2013

Das Lebensmittelgesetz sorgt seit Jahren für Bauchweh. Immer wieder pochen Politiker, Konsumentenschützer sowie Kantonschemiker darauf, die Schweigepflicht für die Hygienekontrolleure abzuschaffen.

Sie plädieren stattdessen auf ein transparentes System, wie es etwa Dänemark oder der Berliner Stadtteil Pankow kennen: Am Eingang jedes Gastrobetriebes prangt die amtlich beglaubigte Sauberkeitsbewertung.

Anfang dieses Jahres hat sich die Gesundheitskommission des Nationalrates immerhin für etwas Transparenz ausgesprochen: Auf Verlangen sollen die Gäste die Bewertung der kantonalen Hygienekontrolle einsehen dürfen.

Wenige Wirte hängen Zertifikat freiwillig auf

Das sogenannte «passive Öffentlichkeitsprinzip» kennt der Kanton Zug bereits seit 2009. Zahlen zeigen, dass die sehr gut benoteten Betriebe um 3.9 Prozent wuchsen. Die ungenügenden hingegen minimierten sich um 1.6 Prozent.

Manche Wirte hängen das Zertifikat bereits frewillig öffentlich auf: «Für uns ist dies die beste Werbung», sagt ein Küchenchef einer grossen Zuger Kantine gegenüber «Kassensturz».

Im Kanton Basel-Stadt begrüsst man zwar das «Zuger Modell», möchte aber die totale Transparenz. «Das ist ein Schritt in die richtige Richtung. Aber wirklich wirkungsvoll wird es erst, wenn die Deklaration obligatorisch wird für alle. Wenn alle Betriebe klar signalisieren müssen, wie sauber sie sind», sagt Anne Lévy vom Gesundheitsdepartement von Basel-Stadt.

Voraussichtlich in der Frühjahrsession debattiert der Nationalrat über die Revision des Lebensmittelgesetztes und somit auch über die Passage der Hygienekontrollen. Danach geht das Geschäft in die Kommission des Ständerates und schliesslich in die kleine Kammer.

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Studiogespräch mit Lorenz Hess, Nationalrat BDP Bern

4:40 min, aus Kassensturz vom 22.1.2013