«Gastronomie soll auf Hormonfleisch verzichten»

In der Schweiz ist es verboten, Hormone in der Tiermast einzusetzen. Nicht verboten ist aber die Einfuhr von gedoptem Fleisch. Trotzdem haben Detailhändler angekündigt, künftig auf den Verkauf zu verzichten. Der Tierschutz fordert, dass auch die Gastronomen und Hoteliers diesem Beispiel folgen.

Der Schweizer Tierschutz STS hat schon manchen erfolglosen Anlauf genommen, auf politischem Weg ein Einfuhrverbot für Hormonfleisch zu erkämpfen. Der Bund verbietet zwar seit über dreissig Jahren die Hormonbehandlung in der Rindermast aus «tierschutzrechtlichen und ethischen Gründen». Anders als für die EU, ist es für den Bundesrat aber nicht als erwiesen, dass hormonbehandeltes Fleisch gesundheitsschädigend ist. Durch seinen Verzicht auf ein Einfuhrverbot entgeht die Schweiz Strafzöllen, die die EU der Welthandelsorganisation WTO bezahlen muss, nachdem sie vor einigen Jahren einen Rechtsstreit verloren hatte.

Detailhandel prüft Ausstieg…

Mit einer Umfrage bei den Schweizer Detailhändlern wollte der Schweizer Tierschutz Migros, Coop & Co. dazu sensibilisieren, freiwillig auf den Verkauf von Hormonfleisch zu verzichten. Die Resultate, welche der «Tages-Anzeiger» am Montag teilweise publizierte, stimmen die Tierschützer zuversichtlich, erklärte STS-Geschäftsführer Hansueli Huber gegenüber dem Konsumentenmagazin «Espresso» von Radio SRF 1. Demnach überlegen sich Coop, Lidl und Volg teilweise oder ganz auf den Verkauf von solchem Fleisch zu verzichten. Migros gibt sich etwas länger Zeit und prüft, bis 2020 auf den Import von Doping-Rindfleisch zu verzichten.

… und die Gastronomen?

Ein Grossteil der jährlich über 1000 Tonnen hormonbehandeltem Rindfleisch aus USA, Australien und Kanada landet in der Gastronomie und Hotellerie, ist STS-Geschäftsführer Huber überzeugt. Leider sei die Bereitschaft dort klein, auf Anliegen des Tierschutzes einzugehen. Er fordert deshalb: «In Schweizer Restaurants und Hotels soll auf Import-Hormonfleisch verzichtet werden. Die Konsumenten wollen lieber Schweizer Rindfleisch. Und wenn schon importiert, dann aus einer Produktion, die der Tierhaltung bei Schweizer Bauern entspricht.»

Laut Hotelleriesuisse-Präsident Andreas Züllig empfehle man seinen Mitgliedern schon lange, auf Schweizer Qualität zu setzen und mit regionalen Produkten zu arbeiten. Er verweist darauf, dass 80 Prozent des in der Schweiz verbrauchten Rindfleisches aus dem Inland komme und damit hormonfrei sei: «In der normalen Gastronomie kommt dieses Fleisch nicht auf den Teller. Ausnahmen sind Steakhäuser, die entsprechendes Fleisch (vor allem aus den USA) verarbeiten.»

Hormonfleisch: Schlimm oder nicht?

  • Hormonfleisch: Schlimm oder nicht?

    Stimmen Sie ab!

  • Optionen

Aus der Rubrik «Espresso retro»: