Grüsel-Beizer sollen sich zeigen

Hygienekontrollen von Restaurants sollen öffentlich gemacht werden, fordern die Basler Lebensmittelkontrolleure. Dänemark kennt eine solche Transparenz seit langem. In der Schweiz wehrt sich Gastrosuisse gegen einen «Pranger».

Verschimmeltes Brot

Bildlegende: In einigen Beizen wurde verschimmelte Lebensmittel gefunden. Colourbox

Das kantonale Lebensmittelinspektorat Basel-Stadt hat im letzten Jahr zwei Betriebe im Stadt-Kanton wegen krass mangelnder Hygiene schliessen müssen. Zehn Prozent der Verpflegungsbetriebe waren zu wenig sauber. Für Kantonschemiker Philipp Hübner zeigt sich jedes Jahr das selbe Bild, wie er erklärt:

« Wir treffen immer wieder Lebensmittel an, die verdorben, verschimmelt oder verfault sind. »

Zwang zur Deklaration

Die Leiterin des Bereichs Gesundheitsschutz im Basler Gesundheitsdepartement Anne Lévy will die landesweite Einführung des «aktiven Öffentlichkeitsprinzips».

Die Verpflegungsbetriebe sollen verpflichtet werden, die Resultate von Kontrollen der Lebensmittelinspektorate offenzulegen. Dazu Lévy:

« Ich wünsche mir an jeder Türe eines Gastrobetriebs einen Hinweis, ob es sich dabei um einen sauberen Betrieb handelt. »

Für den Branchen-Verband Gastrosuisse geht diese Forderung zu weit. Direktor Bernhard Kuster findet:

« Das ist ein Pranger wie im Mittelalter. Man stellt die Leute bloss. Das Ende des Betriebs! »

Für Kuster bringt ein «Sauberkeits-Plakat» nichts. Dadurch würden die Beizen nicht sauberer werden. Es brauche vielmehr eine Investition in die Schulung des Personals.

Lévy betont, diese Massnahme habe in anderen Ländern zu deutlich besserer Hygiene geführt. Nicht nur die Gastrobetriebe seien sauberer geworden. Die Menschen hätten auch zu Hause mehr Acht gegeben, sauber zu arbeiten.

Nationale Regelung ausstehend

In der Schweiz unterliegen die Lebensmittel-Behörden nach wie vor der Schweigepflicht. Über eine Praxisänderung wird zur Zeit auf nationaler Ebene beraten. Der Bundesrat schwenkte dabei von einem aktiven zum passiven Öffentlichkeitsprinzip um. Die Betriebe müssten die Bewertungen so nur auf Nachfrage herausgeben.

Aktuell beschäftigt sich die Kommission für Gesundheit und soziale Sicherheit mit dem Gesetz. Falls das passive Öffentlichkeitsprinzip sich durchsetzt, überlegt Basel-Stadt die freiwillige Deklaration, wie sie etwa Zug kennt, einzuführen.

Die Forderung ist nicht neu: «Kassensturz» vom 16.09.2008.

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Grüsel-Beizen: Konsumenten wollen die Namen

16 min, aus Kassensturz vom 16.9.2008