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Konsum Coop-Fleisch: Weitere Metzger packen aus

In Coop-Filialen wurde regelmässig abgelaufenes Fleisch verkauft. Das zeigen Kassensturz-Recherchen. Mehrere Coop-Angestellte erzählten, wie sie ihre Kunden täuschen mussten. Coop gesteht Fehler ein und kündigt Sofort-Massnahmen an.

Legende: Video «Weitere Coop-Metzger packen aus» abspielen. Laufzeit 15:00 Minuten.
Aus Kassensturz vom 08.11.2011.

In einer Coop-Filiale sei regelmässig abgelaufenes Fleisch aus der Selbstbedienung in die Theke gelegt worden und den Kunden als Frischfleisch verkauft worden.

Darüber berichtete «Kassensturz» vor einem Monat. Alles nicht wahr, behauptete damals Coop. Alles viel schlimmer, zeigen neue Enthüllungen von Kassensturz.

Denn nach der Ausstrahlung des Kassensturz-Beitrags haben sich weitere Coop-Mitarbeitende gemeldet. «Es wird in den meisten Coop-Filialen so gehandhabt, dass abgelaufene Ware wieder verwertet wird», sagt ein Metzger.

«Ablaufdatum bei ausgepacktem Fleisch oft unklar»

Acht Jahre lang stand er in verschiedenen Filialen hinter der Coop-Frischfleischtheke. «Ist das Fleisch einmal ausgepackt und die Verpackung mit dem Ablaufdatum weg, weiss niemand mehr, wie alt das Fleisch ist.»

Auch bei der Herkunft des Fleisches musste er hinter dem Buffet Kunden täuschen, zum Beispiel Import-Poulet mit Schweizer Poulet vermischen und als Schweizer Poulet verkaufen.

Fleisch im Coop-Regal
Legende: Wer sich gegen Weisungen gewehrt hat, wurde intern schikaniert. SRF

Ein weiterer Metzger aus dem Kanton Zürich erzählt «Kassensturz», dass das abgelaufene Fleisch aus der Selbstbedienung jeweils in einer Kiste gesammelt worden sei.

«Meistens Donnerstags haben wir dieses Fleisch weiter verarbeitet. Schweinefilet haben wir mit Speck umwickelt, und wenn das Fleisch angelaufen ist, haben wir es mariniert.» Rote Marinade sei am Besten gewesen, das sehe immer frisch aus.

Die Weisungen seien jeweils vom Chefmetzger gekommen. Wer sich gewehrt hat, wurde intern schikaniert. «Kassensturz» sprach mit sieben ehemaligen oder aktuellen Coop-Mitarbeitenden. Ihre Geschichten sind alle ähnlich: Sie mussten alle im Frischfleischbuffet abgelaufenes Fleisch verkaufen.

24 Filialen in 7 Kantonen

«Kassensturz» weiss von Kundentäuschungen in 24 Coop-Filialen in den Kantonen Aargau, Bern, Glarus, Schwyz, St. Gallen, Uri und Zürich.

Fleisch in der Offentheke
Legende: Niemand weiss mehr wie alt das Fleisch ist SRF

Coop bestritt nach der ersten Sendung, dass in ihren Metzgereien ein Problem bestehe. Dennoch reagierte Coop und verschärfte die internen Vorschriften: Ab sofort darf kein Selbstbedienungsfleisch mehr ausgepackt werden. Jetzt gibt Coop Fehler zu.

Der Verkauf von abgelaufenem Fleisch habe System gehabt, sagt ein weiterer Insider. Er war Filialleiter bei Coop. Es gäbe finanzielle Anreize dafür. Und der Verkaufsdruck von oben werde immer stärker.

 «Wenn man zu viele Abschreiber braucht und die Vorgaben von Coop überzieht, gibt es Ende Jahr keinen Bonus», sagt er.

Bonus für wenig Fleisch-Abfall

Tatsächlich erhalten Chefmetzger und Filialleiter 15 Prozent des Jahresbruttolohns als Erfolgsbeteiligung. Ein Teil davon ist abhängig davon, wie viel Fleisch sie abschreiben oder wegwerfen. Das zeigt ein internes Dokument, das Kassensturz vorliegt.

«Im Kader ist es ein offenes Geheimnis, dass man über die Grauzone hinaus geht. Es kam nie die Weisung von oben, dass man das nicht machen darf. Um den Bonus zu kassieren, versuchte man das Maximale herauszuholen, möglichst wenig wegzuwerfen», sagt der ehemalige Filialleiter.

Die Massnahmen von Coop

In den letzten 12 Monaten seien 53 Metzgerei-Angestellte entlassen worden, wie Philipp Wyss, zukünftiger Vicechef von Coop Schweiz, in der Sendung «Kassensturz» sagt.  

«Neu gilt eine Nulltoleranz.» Wyss zeigte sich sehr betroffen, dass die Mitarbeiter die Verstösse nicht coopintern gemeldet hätten. Deshalb richtet Coop ab dieser Woche eine Ombudsstelle ein, an die sich Coop-.Mitarbeitende wenden können.

«Ich versichere, dass jeder Fall ernst genommen wird und niemand hat mit Konsequenzen zu rechnen», sagt Wyss.

Philipp Wyss bestreitet diese Zusammenhang mit den Boni für viel verkauftes Fleisch und wenig Fleisch-Abfall: «Es kann nicht sein, dass Metzger wegen 1000 Franken ihren Job aufs Spiel setzen.» Coop werde aber an der Erfolgsbeteiligung festhalten.

4 Kommentare

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  • Kommentar von Patrick Breitenmoser, Rombach AG
    Meine Mutter war in den 1960ern Charcutrière bei namhaften Geschäften wie Bell Arosa, Moser-Metzg in SH, Niedermann, ZH. In der Schweiz gab es noch nie einen Skandal, da nie Gammelfleisch zum Verkauf gekommen war! Auf der anderen Seite wird heute wieder Fleisch extra spät zubereitet und unbedenklich angeboten. Übrigens, abgehangenes Fleisch vom vom Vieh ist heutzutage eine Delikatesse! Jedoch Pfui Schweinefleisch (wirkt aufgedunsen!) und Poulet. Und wenn, dann doch besser direkt von Bio-Hof!
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  • Kommentar von Silvia Forrer, 9113 Degersheim
    S.g.Damen und Herrn, ich habe im vergangenen Herbst im Coop Degersheim 2 abgepackte Hirschschnitzel gekauft, Ablaufdatum 2 Tage später. Zuhause musste ich feststellen, dass das Fleisch richtig stinkt. Habe es zurück gebracht. Ich finde die Bedienung an der Metzgerei hätte sich wenigstens entschuldigen können. Es war nicht das erste Mal, dass ich Fleisch zurück gebracht habe. Ich kaufe dieses nun anderswo. Mit freundlichen Grüssen S. Forrer
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  • Kommentar von D.F., Amriswil
    Thema Fleisch Nach wie vor wird im Coop Fleisch ausgepackt , neu etikettiert und wieder verkauft. Abgelaufenes Fleisch landet im Hackbraten. Filialleiter und höhere Etage wissen bescheid. Den Zahlen zuliebe wird nichts unternommen . Das spricht für Qualität. Fleischskandal à la Coop
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    1. Antwort von Urs Egger, Bern
      Ich nehme mal an, dass Sie eine Metzgerei besitzen oder bei der Konkurrenz arbeiten. Ich finde man sollte Sie für diese unwahren Behauptungen zur Rechenschaft ziehen!
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