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Konsum Das fragwürdige Geschäft mit Sternen

Ein Stern mit dem eigenen Namen. Ein romantisches Geschenk, das auf vielen Internetseiten angeboten wird. Dahinter versteckt sich aber ein lusches Geschäft. Weder wird der Name international anerkannt, noch findet man den Stern am Himmel an der Position, die auf dem Geschenkzertifikat angegeben ist.

Legende: Audio «Fragwürdiges Geschäft mit Sternen» abspielen. Laufzeit 4:54 Minuten.
4:54 min, aus Espresso vom 09.05.2014.

Eine «Espresso»-Hörerin wollte für den Göttibub ihres Mannes einen Stern taufen lassen. Sie bestellte auf der Internetseite sterntaufe-schweiz.ch ein Sternzertifikat. Als es nach mehreren Wochen nicht kam, versuchte sie, mit den Betreibern der Seite Kontakt aufzunehmen. Ohne Erfolg. Unter der Telefonnummer erreichte sie niemanden und auf ihre E-Mails bekam sie keine Antwort.

Beschenkte wollen Stern am Himmel anschauen

«Das ist unethisch und gemein», meint Markus Griesser zum Geschäft mit den Sternen. Er ist Leiter der Sternwarte Eschenberg in Winterthur. Er erzählt, immer wieder würden Leute vorbeikommen, die in der Sternwarte «ihren» Stern anschauen wollten. Diesen Wunsch kann er Ihnen aber nicht erfüllen.

Die Sterne, die die «Sterntäufer» anbieten, stammen in der Regel aus veralteten Katalogen. Viele sind zum Beispiel aus dem Hubble-Guide-Star-Catalog herausgepickt. Dieser Katalog wurde Anfang der 90er-Jahre zusammengestellt für die Steuerung des Hubble Weltraum-Teleskops. Die Koordinaten, die in diesem Katalog angegeben sind, sind laut Markus Griesser nicht mehr gültig. Er erklärt, die Sterne hätten sich seither verschoben und ihre Positionen verändert. Für einen Laien sei es daher nicht möglich, den Stern am Himmel zu finden. Besonders tragisch sei für ihn, wenn der Stern für eine verstorbene Person getauft worden sei. Der Hobby-Astronom möchte deshalb dieses Geschäft nicht fördern.

Sterne bekommen nur Nummern

Dazu kommt, dass Sterne normalerweise keine Namen haben. Ausser es sind Sterne, die sehr hell sind oder zu einem Sternbild gehören. In diesem Fall wurden sie höchstwahrscheinlich bereits in der Antike getauft. Heute werden alle Sterne und andere Himmelskörper von der International Astronomical Union (IAU) registriert. Namen bekommen sie aber keine, nur Nummern. Bei weniger hellen Sternen werden nur die Himmelskoordinaten notiert.

Gekaufte Namen sind ungültig

Die IAU kritisiert das Geschäft mit Sternnamen. Auf der Homepage erklärt die Organisation, Sternnamen, die man sich bei einem Anbieter kaufen könne, hätten keine Gültigkeit. Und es gebe auf der ganzen Welt keinen Anbieter, der eine offizielle Lizenz habe, um Sterne zu taufen. Der Sternname ist höchstens beim entsprechenden Anbieter registriert. Konkret heisst das, dass ein Stern zig Namen haben kann - die Anbieter sprechen sich nämlich nicht untereinander ab.

«Espresso» hat den Anbieter von sterntaufe-schweiz.ch mehrmals versucht zu kontaktieren. Er war für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

Kreditkartenfirma blockiert Sternen-Händler

Auch die Kreditkartenfirma Swisscard scheint schlechte Erfahrungen gemacht zu haben. Das Geld der Kundin wurde gar nicht an sterntaufe-schweiz weitergeleitet. Auf Anfrage von «Espresso» bestätigt Swisscard-Mediensprecher Urs Knapp, Swisscard hätte die Möglichkeit, bestimmte Händler aus Risikoüberlegungen zu blockieren. Und weiter: «Diese Möglichkeit nehmen wir in Einzelfällen wahr, um unsere Kunden und auch uns selber zu schützen.»

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