Zum Inhalt springen
Inhalt

Konsum Das Geschäft mit der Pille: Pharmaindustrie schröpft Frauen

Für Antibabypillen verlangen Pharmafirmen überrissene Preise. Obwohl die Forschungskosten längst amortisiert sind, müssen Frauen für die Pille immer mehr bezahlen. Der Verdacht: Preisabsprachen.

Für Frauen ist sie ein sicheres Verhütungsmittel, für die Pharmafirmen ein sicheres Geschäft: Mit der Pille erwirtschaften Hersteller alleine in der kleinen Schweiz jährlich Millionen um. Kassensturz liegen exklusiv die Umsatzzahlen der fünf meistverkauften Pillen vor:

  • Cerazette: 2,6 Millionen Franken
  • Gynera: 4,5 Millionen Franken
  • Mercilon: 5,9 Millionen Franken
  • Meloden: 6,8 Millionen Franken
  • Yasmin: 16 Millionen Franken

Die Pharmaindustie verkauft ihre Pille in der Schweiz viel teurer als im Ausland. :

  • Gynera heisst in Deutschland Femovan und kostet dort Fr.46.60. In der Schweiz 21 Prozent mehr, nämlich Fr. 56.60
  • Mercilon kostet in Deutschland Fr. 40.05, in der Schweiz Fr. 57.30
  • Yasmin kostet in Deutschland Fr. 45.30, in der Schweiz Fr. 67.90. Das sind 50 Prozent mehr.

Die Pillenhersteller verlangen in der Schweiz bis zu 50 Prozent mehr. Preisüberwacher Rudolf Strahm meint dazu: „Es gibt keine Rechtfertigung, dass die internationalen Firmen für die Antibabypille in der Schweiz mehr verlangen. Sie reizen die Kaufkraft der Schweizerinnen aus und versuchen, das Maximum aus der Schweiz herauszuholen“, sagt Strahm.

60 Prozent aller Pillen in der Schweiz verkauft der deutsche Pharmamulti Schering. Zu ihrer Preispolitik schreibt die Firma: “Preisunterschiede zwischen den einzelnen Ländern sind auf unterschiedliche Kaufkraft zurückzuführen. Antibabypillen sind in der Schweiz nicht kassenpflichtig, sodass der Markt die Preisgestaltung definiert.“ Pillen-Hersteller Organon, die Nummer zwei auf dem Markt, argumentiert ähnlich. Das heisst: Pharmamultis verlangen in jedem Land so viel wie sie kriegen können.

Die Preise sind nicht nur höher als in Deutschland, sie steigen auch stetig. Die Pille ist einfach und günstig in der Herstellung. In den letzten Jahren reduzierten die Hersteller hauptsächlich die Hormonkonzentration. Trotzdem steigen die Preise, oft sogar im Gleichschritt. Der Preisüberwacher vermutet deshalb eine diskrete Form der Absprache, ein sogenanntes Frühstückskartell. „Ein Frühstückkartell ist, wenn die drei Grossen sich zum Frühstücktreffen und über Gott und die Welt reden", sagt Strahm. Wenn sie auseinander gingen, wisse jedoch jeder den Preis und das Preisverhalten fürs nächste Jahr. "Man kann nichts beweisen, aber die Marktabschottung und der kleine Markt erlauben das“, sagt Strahm.

Am auffälligsten ist die Preisentwicklung bei zwei Pillen: 1996 kostete Gynera von Schering Fr. 46.10, Minulet von Wyeth genau gleich viel.

  • 1997: Gynera Fr.47.25, Minulet Fr. 47.25
  • 1999: Gynera: Fr. 47.35, Minulet Fr. 47.35
  • 2000: Gynera Fr. 49.85, Minuelt Fr. 49.85
  • 2002: Gynera Fr. 51.45, Minulet Fr. 51.40

Seither steigen die Preise weiter – mit kleinen Unterschieden. Der Verdacht: illegale Preisabsprachen. Beide Pillenproduzenten bestreiten dies. Christian Manzoni von Wyeth sagt: „Preisabsprachen sind verboten. Wyeth hält sich hundertprozentig an die gesetzlichen Regelungen.“ Und Schering schreibt: "Es werden keine Preisabsprachen zwischen Schwering und Wyeth getroffen."

Es könnte schon lange mehr Preiswettbewerb herrschen. Denn seit 4,5 Jahren ist der Parallelimport für Medikamente mit abgelaufenem Patentschutz erlaubt. Der kleine Parallelimporteur Kurt Arnet wagt es und importiert Ende Oktober die Antibabypille Diane 35 aus Griechenland. Dort sei die Pille rund 50 Prozent günstiger. "Und in der Schweiz können wir unter Einrechnung der Aufwände wie Umpacken oder Portokosten mit 20 Prozent Rabatt rechnen", sagt Kurt Arnet von der Firma APS. Dass die Frauen ab Ende Okotber die günstigere Antibabypille kaufen können, ist ein erster Schritt aus dem abgeschotteten Schweizer Markt.