Ecotariff: Abzocke mit Mitgliederbeitrag

Die Firma Ecotariff versucht kostenpflichtige Mitgliedschaften bei einem Krankenkassen-Vergleichsportal anzudrehen. Nach Anruf verschickt sie ein «Willkommensschreiben». Die Mitgliedschaft für 69.- müsse in 14 Tagen widerrufen werden. «Espresso» rät, dies per E-Mail zu erledigen.

Auf der Redaktion der SRF-Konsumentenmagazine «Espresso» und «Kassensturz» sind in den letzten Tagen dutzende Meldungen betreffend Ecotariff eingegangen. Die Firma hat sich jeweils telefonisch unter dem Vorwand bei den Betroffenen gemeldet, eine Umfrage zum Thema Krankenkasse zu machen.

Widerruf wider Willen

Auch wenn vom Angerufenen keinerlei weiteres Interesse signalisiert wurde, flatterte wenige Tage später ein Brief in den Briefkasten. «Wir freuen uns, dass wir Sie als neues Mitglied bei Ecotariff begrüssen dürfen», heisst es darin.

Mit den persönlichen Nutzerdaten könne man sich sofort anmelden und die «obligatorische Krankenversicherung unabhängig und neutral vergleichen.» Möchte man dies nicht, müsse man innerhalb von 14 Tagen die Mitgliedschaft widerrufen. Sonst werde eine Jahresgebühr von 69 Franken fällig.

Falls man eine Mitgliedschaft nicht tatsächlich explizit gewünscht hat, besteht keinerlei rechtliche Verpflichtung für einen Widerruf. Die Erfahrung zeigt jedoch, dass in diesem Fall weiterer Ärger in Form von weiteren Briefen, Rechnungen oder sogar Betreibungsandrohungen folgen könnte. Perfid: Ecotariff bietet als Kontaktmöglichkeiten lediglich eine Postadresse und eine teure 0900er-Nummer an.

E-Mail an Ecotariff genügt

«Espresso» rät davon ab, auf die teure Nummer anzurufen. Auch ein eingeschriebener Brief ist nicht nötig. Eine E-Mail mit folgendem Text an die Adresse info@ecotariff.ch reicht

«Sehr geehrte Damen und Herren,
Ich nehme Bezug auf Ihre Zuschrift vom xx.xx.2016 (Datum) und teile Ihnen mit, dass ich Ihre Abonnements-Rechnung bestreite. Ich habe zu keinem Zeitpunkt in einen Vertrag eingewilligt. Sollten Sie dennoch davon ausgehen, dass ein Vertrag zustande gekommen ist, widerrufe ich diesen hiermit gestützt auf das Haustürgesetz.
Weitere Zuschriften werde ich nicht mehr beantworten. Sollten Sie mich betreiben, werde ich Rechtsvorschlag erheben.
Freundliche Grüsse»

Wenig überzeugende Stellungnahme einer dubiosen Firma

Ecotariff schreibt in einer schriftlichen Stellungnahme gegenüber dem Konsumentenmagazin «Espresso» von Radio SRF 1 von bedauerlichen Einzelfällen. Schuld an den offenbar zahlreichen Einzelfällen seien demnach «externe Callcenter» die eigentlich den Auftrag hätten, «nichtinteressierte Teilnehmer» aus dem Verteiler zu löschen. Man habe die Callcenter nun angewiesen, «strengere Qualitätsprüfungen» anzuwenden.

Die Firma Ecotariff ist laut Handelsregister erst am 20. Januar 2016 gegründet worden. Wer dahinter steckt ist unklar. Im Handelsregister ist ein gewisser Sami Gashi eingetragen, welches jedoch nicht auffindbar ist. Eine weitere involvierte Person ist Pascal Wüest, der auf die Anfrage von «Espresso» per E-Mail geantwortet hat. Welche Funktion er hat, wollte er allerdings nicht offenlegen. Auch wollte er nicht am Telefon mit der Redaktion sprechen.

Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft des Kantons Zug

Auch bei der Stiftung für Konsumentenschutz SKS haben sich viele Betroffene gemeldet. Die SKS hat Strafanzeige bei der Zuger Staatsanwaltschaft wegen unlauterem Wettbewerb und Betrug eingereicht. Bei unlauterem Wettbewerb ist beim Bund das Staatssekretariat für Wirtschaft Seco zuständig. Auf Anfrage von «Espresso» erklärte das Seco, es seien schon Meldungen eingegangen, allerdings noch nicht genügend viele, um eine Untersuchung zu starten.

Versicherungen vergleichen geht auch gratis

Die Höhe der Prämie hängt vom Wohnort, Geschlecht und Alter ab. Das macht das Vergleichen von Versicherungen kompliziert. Ein praktisches Mittel dazu bilden die gratis Online-Krankenkassen-Rechner:

Die letztgenannten privaten Vergleichsdienste verdienen ihr Geld damit, dass Interessierte direkt über einen Link auf die Webseiten der Versicherungen gelangen und dort Offerten oder sogar den Vertrag bestellen. Die Versicherungen zahlen dann eine Provision.