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Konsum Empörung über Vögele

Protestkundgebung vor Vögele-Geschäft in Zürich nach der «Kassensturz»-Sendung.

Legende: Video Empörung über Vögele abspielen. Laufzeit 5:19 Minuten.
Aus Kassensturz vom 31.10.2000.

Protestkundgebung vor Vögele-Geschäft in Zürich nach der «Kassensturz»-Sendung vom vergangenen Dienstag.

Die Clean clothes Kampagne forderte am Tag nach dem «Kassensturz» in einer Strassenaktion die Passantinnen und Passanten auf, den von Kinderarbeit betroffenen Modehäusern Vögele und Jumbo Protestkarten zu schreiben. Viele Passantinnen reagierten erstaunt darüber, dass auch Produktionstätten, die für Schweizer Modehäuser arbeiten, ausbeuterische Kinderarbeit gefunden wurde: «Nein, das wusste ich nicht. Ich finde das tragisch und schlimm.»

Ein Passant, der die Sendung vom letzten Dienstag gesehen hat, war empört: «Ich bin schockiert über diese Ausbeutung von Kindern. Kinder, die sogar noch Nachtarbeit machen müssen.» Auf die Frage, ob sie bereit wären, mehr zu bezahlen für ein sozial fair produziertes T-Shirt, waren sich die befragten Personen einig: «Auf jeden Fall, wenn ich die Garantie habe, dass das T-Shirt auch wirklich gut produziert wurde.»

Mehrere hundert Anfragen gingen auch auf dem Büro der Clean clothes Kampagne ein. Darunter nicht nur Konsumentinnen und Konsumenten, sondern auch Modeboutiquen und Kleiderverkäufer, die Informationen über Bezugsquellen von sauber produzierten Kleidern erfahren wollten.

Der Grossverteiler Jumbo, dessen Lieferanten «Kassensturz» vor einer Woche Kinderarbeit nachweisen konnte, geht in die Offensive und will in den nächsten Wochen, zusammen mit Clean Clothes Campaign, für die indischen Produzenten einen Verhaltenskodex ausarbeiten.

Vögele hingegen, der zweitgrösste Kleiderverkäufer der Schweiz, lässt sich nicht bewegen. In einer Pressemitteilung von vergangener Woche wehrte sich das Modehaus gegen den Vorwurf der Kinderarbeit. Die Produktionsstätten, die im TV-Beitrag gezeigt worden seien, hätten mit Vögele nichts zu tun. Die mit Vögele-Etiketten bezeichneten Kleider seien in Lagerhallen einer Unterfirma gewesen, weshalb das Modehaus keine Verantwortung trage.

Diese Diestanzierung erstaunt, steht doch in den firmeneigenen Richtlinien, in denen Kinderarbeit verboten wird, und die Vögele seinen Lieferanten zur Unterzeichnung vorlegt: «Diese Vorschriften gelten für sämtliche Fertigungsbetriebe, die Waren für Vögele produzieren.»