Leasing: Bei vorzeitiger Rückgabe schnappt die Schuldenfalle zu

Wegen einer Krankheit verlor «Espresso»-Hörerin Manuela Gehrig ihre Arbeitsstelle. Weil das Geld nirgendwo hin reichte, gab sie ihren geleasten Wagen vorzeitig in die Garage zurück. Dafür verlangt die Leasingbank nun horrende Strafgebühren. Manuela Gehrig schlitterte direkt ins Schuldenchaos.

Exakt 9766 Franken und 30 Rappen verlangt die Leasingbank Cashgate von Manuela Gehrig (Name geändert). Rund 3500 Franken, weil die junge Frau den Leasingvertrag schon nach etwas mehr als einem Jahr statt wie vereinbart nach vier Jahren auflöste. Und rund 5000 Franken für die 12'000 Mehrkilometer, die sie auf dem Tacho hatte.

Das Einkommen spiele keine Rolle, sagte der Garagist

Manuela Gehrig kann die horrende Rechnung nicht bezahlen. Die 26-jährige Frau verlor wegen psychischen Problemen ihre ursprüngliche Anstellung. Monate später findet sie eine neue Stelle. Für den Arbeitsweg und wegen der unregelmässigen Arbeitszeiten ist sie auf ein Auto angewiesen. Die Laborangestellte hat keine finanziellen Reserven. Deshalb bleibt ihr nur eine Lösung: Einen Wagen zu leasen.

Vor einer Kreditvergabe muss die Leasingbank prüfen, ob sich ein Antragssteller einen Kredit oder ein Leasing überhaupt leisten kann. Manuela Gehrig muss in der Autogarage einen Antrag ausfüllen und ihre finanzielle Situation offen legen. Gehrig weist den Garagisten ausdrücklich darauf hin, dass sie erst seit zwei Wochen an der neuen Stelle arbeitet und noch kein sicheres Einkommen hat. Doch der meint nur, das «spielt keine Rolle». Die Leasingbank Cashgate winkt den Antrag durch. Knapp zwei Wochen später kann Manuela Gehrig ihren Smart in der Garage abholen.

Nach der Rückgabe des Autos kommt die hohe Rechnung

Aber schon kurze Zeit später stellt sich heraus, dass sie der hohen Belastung am neuen Arbeitsort nicht gewachsen ist. Wieder wird die junge Frau krank geschrieben. Weil sie nicht vermittlungsfähig ist, kann Manuela Gehrig keine Arbeitslosentaggelder beziehen. Sie muss aufs Sozialamt.

Jetzt wird ihr klar, dass ein Auto finanziell nicht mehr drin liegt. Gehrig meldet sich bei der Garage und bringt den Wagen zurück. Zwei Monate später kommt die Schlussabrechnung. Ein Schock für Manuela Gehrig. «Ich hatte keine Ahnung, dass durch die vorzeitige Rückgabe solche Kosten auf mich zukommen werden.»

Dass ein vorzeitiger Ausstieg aus einem Leasingvertrag ein teures Unterfangen ist, wüssten viele Leute nicht, sagt Mario Roncoroni, Rechtsanwalt und Co-Leiter der Berner Schuldenberatung. Bei ihm melden sich Leute, bei denen wie bei Manuela Gehrig wegen eines Leasingvertrages die Schuldenfalle zugeschnappt ist.

Mario Roncoroni hat die Vertragsunterlagen der Cashgate geprüft. Die Kreditfähigkeitsprüfung sei alles andere als seriös durchgeführt worden, sagt er. «Bei einem so tiefen Einkommen ist man bewusst Risiken eingegangen, die man nicht hätte eingehen dürfen.»

20 Rappen pro Kilometer sind «überrissen»

Hätte der Garagist alle Kosten korrekt erfasst und gerechnet, hätte man unweigerlich zum Resultat kommen müssen, dass bei diesem Lohn ein Leasing nicht drin liege.

«Völlig überrissen» findet Roncoroni auch die Forderung für die gefahrenen Mehrkilometer. «Die Bank verlangt 20 Rappen pro Kilometer. Das ist ein Fantasiepreis, der nicht einmal bei einem Neuwagen gerechtfertigt wäre.» Angemessen sind laut Roncoroni maximal 8 Rappen.

Und nicht nur das: Laut Roncoroni hat die Bank im Vertrag den Jahreszins falsch angegeben. «Das ist ein Formfehler. Der Vertrag deshalb nichtig.» Manuela Gehrig müsse aus diesen Gründen höchstens einen Bruchteil der Forderung bezahlen.

Cashgate mag sich trotz mehrerer Nachfragen zu den Vorwürfen nicht äussern. Man sei aber bereit, mit Manuela Gehrig eine Lösung zu finden, lässt die Mediensprecherin der Aduno Gruppe, Nadine Geissbühler, per Mail ausrichten.

Hinter den Kulissen kommt aber Bewegung in die Sache: Kurz vor Ausstrahlung des Beitrages im Konsumentenmagazin «Espresso» auf Radio SRF 1 bekommt Manuela Gehrig einen Anruf von Cashgate. Man bietet ihr an, auf die Mehrkilometer zu verzichten. Ein Beitrag auf «Espresso» sei doch dazu nicht nötig.

Beim Leasing rechnen nicht alle mit den ganzen Kosten

Das Beispiel von Manuela Gehrig zeigt: Ein Leasingvertrag birgt finanzielle Risiken. Vielen Konsumentinnen und Konsumenten ist nicht bewusst, wie hoch die Nebenkosten für die Vollkaskoversicherung und den Unterhalt sind. Rechnet man mit allen Kosten, kostet ein geleastes Auto pro Monat das zwei- bis dreifache des Leasingzines.

Und wer den Leasingvertrag wie Manuela Gehrig vorzeitig auflösen muss, wird tüchtig zur Kasse gebeten. Laut Gesetz darf die Bank in diesem Fall rückwirkend höhere Raten verlangen. Das führt zu einer paradoxen Situation. Wer aussteigen will, weil er sich die Raten nicht mehr leisten kann, kann auch den Ausstieg nicht finanzieren.

Kauf oder Leasing: Tipps vom Experten

Mario Roncoroni rät vom Autoleasing ab. Vor allem bei einem knappen Budget sei ein Leasingvertrag eine «tickende Zeitbombe». In jedem Fall fährt besser, wer einen Privatkredit aufnimmt und sich davon einen Occasionswagen kauft. So fallen keine Vertragsstrafen an und das Auto lässt sich bei Bedarf verkaufen.

Wer dennoch einen Wagen leasen möchten, sollte auf die folgenden beiden Punkte achten:

  1. Einen Anbieter suchen, der auf die rückwirkende Erhöhung der Raten bei einem vorzeitigen Ausstieg verzichtet.
  2. Unbedingt darauf achten, dass die im Vertrag vorgegebene Kilometerzahl für die beabsichtigte Nutzung ausreicht und gegebenenfalls eine höhere Kilometerleistung verlangen. Das drückt zwar die Leasingrate etwas noch oben, erspart einen aber hohe Nachforderungen.