Lukrative Weinimporte: Das Geschäft mit Eigenmarken

Im Weingeschäft können Kunden zwischen Orginalabfüllungen des Weinguts und Eigenmarken der Händler wählen. Der Wein für die Eigenmarken kommt häufig in Tanks in die Schweiz und wird hier abgefüllt. «Kassensturz» zeigt: Mit solchen Weinen können Händler hohe Margen erzielen.

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Weinimporte: Das Geschäft mit Eigenmarken

5:49 min, aus Kassensturz vom 9.6.2015

Viele Weinhändler verkaufen Wein, für den sie die Markenrechte besitzen. Häufig importieren sie den Wein in Tanklastwagen und füllen ihn in ihren Kellereien in der Schweiz ab. Thomas Vaterlaus, Chefredaktor der Zeitschrift Vinum, erklärt: Die Einkaufspreise gerade von günstigen Weinen seien tief.

Es gebe weltweit ein Überangebot an Wein. «Das betrifft vor allem die klassischen Produzentenländer Spanien, Italien und Frankreich. Dort ist der Eigenkonsum an Wein massiv zurückgegangen.»

Händler können äussert günstig einkaufen

Diese Überkapazitäten werden im Export abgesetzt. «Für den Schweizer Händler bedeutet das, dass er so günstig Wein einkaufen kann wie selten zuvor», erklärt Vaterlaus. Billig ist gemäss dem Weinexperten Offenwein, der für Eigenmarken im niedrigen Preissegment verwendet wird. Einen Syrah aus dem Pays d’Oc verkauft Coop für 5 Franken 50.

Experte

Bildlegende: Thomas Vaterlaus. SRF

«Das Pay d'Oc, das da aufgeführt wird als Ursprungsbezeichnung, ist ein riesiges Gebiet mit einem Überangebot an Wein. Da kann man Offenwein für weniger als einen Franken pro Liter kaufen», sagt Vaterlaus. Das ermögliche Coop eine gute Marge.

In der Coop-Weinkellerei in Pratteln füllt Coop Offenwein für Eigenmarken ab. Tanklastwagen liefern den Wein an. In den Tanks in der Kellerei haben 6 Millionen Liter Wein Platz. Die Mitarbeiter verwenden für die Herstellung von Eigenmarken häufig eine Assemblage verschiedener Weine. Das heisst: Wein von unterschiedlichen Gütern eines Gebiets werden zusammengemischt.

«Einkaufspreis ist nur ein Teil»

Coop-Sprecherin Denise Stadler widerspricht: Coop erziele mit selbst abgefüllten Eigenmarken keine besonders hohe Margen. «Der Einkaufspreis für den Wein ist nur ein Teilۚ», sagt Stadler. «Unsere Spezialisten gehen vor Ort ins Weingut und degustieren die Weine.

Wir importieren dann die besten Weine. Wir haben Transportkosten. Wir müssen den Zoll bezahlen. Und wir müssen den Wein noch selber abfüllen.» Es würden sehr viele Kosten zusammenkommen, die dann den Preis bestimmen.

Weinhändler Philipp Schwander bestätigt hingegen: Eigenmarken sind für Händler finanziell interessant: «Sobald ein Händler eine Eigenmarke hat, ist er bei diesem nicht mehr vergleichbar und ist damit freier in der Margengestaltung.»

Winzer

Bildlegende: Toni Broch, Kellermeister der Schuler St. Jakobskellerei in Schwyz SRF

Auch die Weinkellerei und Weinhandelsfirma Schuler in Schwyz setzt auf Eigenmarken und lagert in ihrem Barrique-Keller Weine aus vielen Ländern. Nach der Lagerung füllt Schuler die Weine selbst ab. Pro Jahr rund 2,5 Millionen Flaschen.

Geschäftsführer Peter Delpechitra sagt, Schuler erziele bei Eigenmarken keine höheren Margen als bei Originalabfüllungen. Delpechitra erklärt: «Indem wir den Wein offen importieren, können wir ihn in den eigenen Barriques ausbauen. Wir haben ihn da unter Kontrolle in unserem eigenen Labor und können den ganzen Prozess überwachen.»

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Studiogespräch mit Thomas Vaterlaus

6:07 min, aus Kassensturz vom 9.6.2015

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