Pelze falsch deklariert: Vorsicht bei Modehäusern

Pelztiere aus Zuchten leiden. Um die Konsumenten zu sensibilisieren, ist die Deklaration von Pelzen seit einiger Zeit deshalb Pflicht. «Kassensturz» begleitete Tierschutzorganisationen zu PKZ, Jelmoli und Globus und stellte fest: Die Pelzdeklaration ist nach wie vor mangelhaft.

Video «Pelze falsch deklariert: Vorsicht bei PKZ, Jelmoli und Globus» abspielen

Pelze falsch deklariert: Vorsicht bei PKZ, Jelmoli und Globus

13 min, aus Kassensturz vom 18.11.2014

Für uns ist es Luxus. Für die Tiere eine Qual. Echter Pelz aus Zucht. Kein Pelztier konnte während seines kurzen Lebens auch nur annähernd seinen natürlichen Bedürfnissen nachgehen. In kleinen Gitterkäfigen fristen sie ein trauriges Dasein. Vielen Konsumentinnen und Konsumenten ist dies nicht bewusst. Und bisher war es kaum möglich, den Kunstpelz von echtem zu unterscheiden.

Seit März 2014 ist dies anders. Wer echten Pelz verkauft, muss dies deklarieren. «Damit soll die Tierquälerei hinter echtem Pelz deutlich werden», sagt Nadja Brodmann vom Zürcher Tierschutz. Sie hat mit ihrem Team die Deklaration in den Modehäusern PKZ, Globus und Jelmoli verdeckt überprüft. Die Resultate sind ernüchternd.

Deklaration ungenügend

Auf einer Etikette muss das Herkunftsland, der Tiername und die Gewinnungsart deklariert sein; Stammt das Tier aus einer Zucht oder wurde es in freier Wildbahn gefangen?

Der Zürcher Tierschutz fand in allen drei Modehäusern Fehler. Teilweise habe die Etikette komplett gefehlt, sagt Brodmann. Schlimm sei aber auch, wenn die Gewinnungsart nicht vermerkt ist. «Denn daran sehen die Leute, ob das Tier aus einer Zucht stammt, oder in der Wildnis gefangen wurde», erklärt die Tierschützerin.

Grafik mit Globus, Jelmoli, PKZ.

Bildlegende: Die Anzahl der falsch deklarierten Pelze ist auch nach einem Jahr noch hoch. SRF

Zuständig für die Umsetzung der Deklarationspflicht ist das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen. Auch das BLV hat die Deklaration während sechs Monaten überprüft und kommt zu einem ähnlichen Schluss wie der Zürcher Tierschutz. Bei 41 von 48 besuchten Läden stellte das Bundesamt Mängel fest.

Eine ungenügende Deklaration kann für die Modehäuser in Zukunft teuer werden. Bis zu 10'000 Franken Busse kann das BLV bei Verstössen gegen die Deklaration aussprechen. Gegenüber «Kassensturz» schreiben die Modehäuser, sie nähmen die Deklaration ernst und würden die Mängel korrigieren.

Liniendiagramm Pelzimporte.

Bildlegende: Seit 2003 stieg der Pelzimport markant an. SRF

Ein Blick auf die Importzahlen zeigt: Pelz ist wieder gefragt. Während in den 80er- und 90er-Jahren der Import stark abgenommen hat, steigt er seit 2003 wieder massiv an. Und in diesen Zahlen ist nur die Einfuhr ganzer Pelzkleider und Pelzfelle enthalten.

Die Bordüren und Bommeln an Jacken und Mützen, die in grossen Mengen in fast allen Modehäusern zu finden sind, zeigen sich in dieser Statistik nicht. Der gesamte Import dürfte also noch höher sein.

Pelzzucht ist immer qualvoll

Pelztiere aus einer Zucht leben nie auch nur annähernd artgerecht. Ob nun Nerze, Füchse oder Marderhunde. Die Tiere haben ein grosses Verlangen nach Bewegung. Dieses Bedürfnis können sie in den kleinen Käfigen nicht ausleben.

Deshalb hätten Käfigtiere oft Verhaltensstörungen, sagt Kaspar Jörger. Er leitet die Abteilung Tierschutz beim Bundesamt für Veterinär-Wesen. «Die Tiere drehen sich oft im Kreise, weil sie nur so Distanzen zurücklegen können. Zudem müssten die Tiere graben und nach Nahrung suchen können, sonst ist die Haltung nicht artgerecht.» Deshalb ist die Käfighaltung in der Schweiz verboten.

Forum: