Streit um viel Geld wegen vermeintlichem Ricardo-Schnäppli

Eine Ricardo-Kundin hat bei einem Verkäufer 40 Schals ersteigert – zum Gesamtwert von knapp 10 Franken. Als sie merkte, dass die Versandgebühren dafür fast 300 Franken betrugen, fiel sie aus allen Wolken. Sie weigerte sich zu zahlen. Nun verlangt ein Inkassobüro mittlerweile 1400 Franken.

Die Angebote waren verlocken: Eine Künstlerin aus der Region Basel suchte Schals für eine Kunstaktion, der Anbieter «CrazySuperSale» bot auf der Internetplattform Ricardo dutzende Schals zum Preis zwischen 5 Rappen und einem Franken an. Die Ricardo-Kundin schlug zu, insgesamt 40 Mal. Der Gesamtpreis für die ersteigerten Schals: 9.30 Franken.

Versand mehrfach teurer als der Preis

Als sie die Gesamtrechnung sah, fiel sie jedoch aus allen Wolken. Sie hatte nicht realisiert, dass der Verkäufer für jeden einzelnen Schal zum Teil happige Versandgebühren verlangte. So lagen die Gesamtkosten für die Schals mit über 300 Franken deutlich über dem Budget der Käuferin.

Sie bot dem Verkäufer daraufhin an, 150 Franken für die Schals zu zahlen. Der Verkäufer lehnte ab und verwies auf die Artikelbeschreibung, wo die Gebühren aufgeführt waren.

Inkassobüro verlangt 1400 Franken

Die Frau weigerte sich weiterhin zu bezahlen. Die Konsequenz: Der Verkäufer verlangte nun für jeden Schal Mahngebühren und hat inzwischen eine Inkasso-Firma eingeschaltet. Gesamtforderung: Knapp 1400 Franken. Eine angedrohte Betreibung ist bislang ausgeblieben. Die Käuferin rechnet jedoch jeden Moment damit und wird dann auf alle Fälle Rechtsvorschlag erheben, wie sie gegenüber dem SRF-Konsumentenmagazin «Espresso» erklärt.

Kommt es tatsächlich zum Gerichtsfall, hätte die Künstlerin gute Chancen zu gewinnen. «Espresso»-Rechtsexpertin Gabriela Baumgartner erklärt, dass die jetzige Forderung wahrscheinlich als unverhältnismässig taxiert würde. Ausserdem ist dem Verkäufer kein wirklicher Schaden entstanden, da er die Schals gar nie ausgeliefert hat und deshalb auch wieder verkaufen könnte.

Das Geschäftsmodell des Verkäufers

Tiefer Warenwert – hohe Versandgebühren: Das ist das Geschäftsmodell des Verkäufers, wie er gegenüber «Espresso» unumwunden zugibt. Der Grund: Viele Schnäppchenjäger sortieren bei Auktionsplattformen Produkte nach dem tiefsten Preis. So erscheinen die vermeintlich günstigen Schals in der Angebotsliste zuoberst, weil die Versandgebühren zwar angegeben, aber nicht zum Warenwert dazugerechnet werden.

Die Gebühren seien hoch, aber nicht überrissen, sagt Ricardo zum Fall. Ausserdem seien sie in diesem Fall korrekt deklariert gewesen. Man habe jedoch den Verkäufer in der Vergangenheit auch schon abgemahnt, sagt ein Sprecher auf Anfrage von «Espresso».

So sind Angebote nicht mehr möglich, bei denen Schals lediglich 5 Rappen kosten. Hier entspreche der Preis offensichtlich nicht dem Wert eines Schals. Und auch mehrere Schals in einem Paket zu verschicken, und dafür mehrfach die Versandgebühren zu kassieren, wurde dem Verkäufer untersagt.