Werbebrief an einen Verstorbenen

Seit 34 Jahren ist der Vater von «Espresso»-Hörerin Elisabeth Dänzer tot. Umso überraschter war ihre Mutter, als sie vor kurzem einen Werbebrief in der Post hatte, adressiert an ihren Mann.

Werbebriefe sind ein Millionengeschäft

Bildlegende: Werbebriefe sind ein Millionengeschäft SRF

Die Werbung kam vom Ringier-Konzern, der dem Verstorbenen ein «Blick»-Abonnement verkaufen wollte. «Wir entschuldigen uns in aller Form bei der Witwe. Es ist uns unangenehm und wir werden uns bei der Firma beschweren, die für uns Adressdaten verwaltet», erklärt Ringier-Sprecher Edi Estermann.

Millionengeschäft mit Adressdaten

In der Schweiz teilen sich drei grosse Firmen das Geschäft mit den Adressdaten. Umsatzzahlen sind nicht zu erfahren, es ist aber ein Millionengeschäft, aktuelle Adressen sind ein wervolles Gut.

«Espresso» konfrontiert die betroffene Firma Schober Group mit Sitz in Bachenbülach im Kanton Zürich: Wie kann es passieren, dass die Adresse eines Verstorbenen in eine aktuelle Adressliste rutscht? Wir erhalten keine Antwort, auch auf mehrmaliges Nachfragen nicht. Lediglich die Bestätigung, dass unsere Fragen per Mail eingegangen sind.

Einen Einblick in den Adresshandel gibt Claudio Piazza von der Konkurrenzfirma AZ Direct. Er ist in der Geschäftsleitung:«Leider gibt es keine zentrale Stelle für die Registrierung vonTodesfällen. Unsere Mitarbeiter durchforsten die amtlichen Anzeigen oder Todesanzeigen in Zeitungen nach Informationen. Dazu kommen teilweise noch Rücksendungen mit dem entsprechenden Vermerk durch die Post.» Häufig aber sei nicht bekannt, ob der Adressat gestorben ist.

Im «Espresso»-Fall kann sich Piazza die Geschichte nur so erklären: Möglicherweise habe sich diese Adresse in einer Adresskartei befunden, die sich der Adresshändler Schober dazugekauft hatte, um seinen Adressbestand weiter zu vergrössern. Darunter könnten sich natürlich auch unbemerkt solche ungültigen Adressen befinden.