Neues Handy-Abo der Post hält nicht, was es verspricht

«Alles drin!» So wirbt die Post auf Flyern und im Internet für ihr neues Handy-Abo. Und bis vor kurzem auch noch mit dem Zusatz «Unlimitiert in die EU telefonieren». Das klingt vielversprechend – ist jedoch falsch. Denn bei der Post hört die EU scheinbar nach Westeuropa auf.

Die Post bietet seit Mitte September in rund 1700 Poststellen ein neues Handy-Abo an. Wer sich im Internet darüber informiert, erfährt im Kleingedruckten erstaunliches. Nämlich, dass Europa für die Schweizer Post nur aus 16 Ländern besteht. Vor allem aus Westeuropäischen Staaten wie Deutschland, Österreich, Italien oder Schweden. Die EU hat jedoch 28 Staaten. Im Abo inklusive sind also nur gerade etwas mehr als die Hälfte aller EU-Staaten. «Alles drin?!»

Ein offensichtlich falsches Versprechen. Hatten die Mitarbeiter der Post, die sich in Geografie bestens auskennen sollten, in der Schule einen Fensterplatz? Oder ist man intern auf dem Stand von 2004, vor der EU-Osterweiterung, stehengeblieben?

«Tatsächlich ein Fehler»

«Espresso», die Konsumentensendung auf Radio SRF 1, konfrontiert die Schweizer Post mit diesen Fragen. Dort verweist man lapidar auf Orange, den Telekomanbieter, der hinter ihrem neuen Handy-Angebot steht. Bei Orange heisst es, das sei tatsächlich ein Fehler.

12 EU-Staaten wie Kroatien, Slowenien, Bulgarien, Tschechien, Ungarn, Zypern oder Slowenien sind im Angebot von «das ABO» nicht inbegriffen. Anrufe in diese Länder kosten 40 Rappen pro Minute. Von unlimitiert in die EU telefonieren also keine Spur.

«So schnell wie möglich korrigieren»

Therese Wenger, Sprecherin von Orange, gibt gegenüber «Espresso» zu: «Es ist ganz klar unser Fehler, das werden wir selbstverständlich so schnell wie möglich korrigieren.» Wer nun aber glaubt, mit dem Handy-Abo der Post könne man künftig tatsächlich unlimitiert in die ganze EU telefonieren, hat die Rechnung ohne Orange gemacht.

Angepasst wird nur die Werbung

Korrigiert wird nämlich nicht das Angebot, sondern nur die Werbung. Ab sofort spricht Orange nicht mehr von der EU, sondern schreibt: «Unlimitiert nach Europa/USA telefonieren». Die Begründung: Früher habe man von Westeuropa gesprochen, seit einigen Jahren brauche man trotz verschiedenen Tarifzonen einfach den Begriff «Europa».

Für den Konsumenten ist die neue Werbung nach wie vor falsch und noch verwirrlicher. Denn Europa hat noch mehr Länder als die EU. Trotzdem bleibt «das ABO» bei 16 Ländern.

Keine Beanstandung durch das Seco

Ein Beispiel für unlauteren Wettbewerb? Die zuständige Stelle, das Staatssekretariat für Wirtschaft Seco, sagt auf Anfrage von «Espresso», man werde die Post-Werbung nicht beanstanden. Ob die Werbebotschaft so zulässig sei, müsste schlussendlich ein Richter entscheiden, schreibt das Seco.

Das Fazit eines Kunden zum neuen Handy-Abo der Post: «Für mich eine Enttäuschung!» Ob enttäuschte Kunden ihr Abo zurückgeben können, will Orange auf Anfrage nicht sagen. Man werde solche Begehren «von Fall zu Fall beurteilen».