Schon wieder: Datacom zockt mit neuer Masche ab

Datacom verspricht, etwas gegen lästige Werbeanrufe zu unternehmen. Um Kunden für ihre Werbesperrliste zu ködern, macht die Firma selber Werbeanrufe. Wer schon einmal auf Datacom hereingefallen ist, soll jetzt nochmals 17.50 Franken zahlen.

Datacom trat früher als Swisscall auf, das Geschäftsmodell ist dasselbe: Per Telefon wird den Kunden ein überflüssiger Eintrag in eine Werbesperrliste verkauft – für 99 Franken, zehn Jahre gültig. Bei der Redaktion von «Kassensturz» und «Espresso» melden sich derzeit viele Datacom-Kunden, die sich hereingelegt fühlen. Werbeanrufe erhalten sie nach wie vor. Auffällig viele alte und gebrechliche Frauen und Männer liessen sich am Telefon überrumpeln, wie uns ihre Kinder schrieben.

Nun nimmt der Albtraum seinen Lauf. Datacom-Kunden finden in diesen Tagen erneut eine Rechnung in ihrem Briefkasten. Nach den 99 Franken für die Werbesperrliste sollen sie nun nochmals 17.50 zahlen, und zwar für «die antragsgemässe Erstellung formeller Datenlöschungsbegehren». Seltsam nur, dass die Kunden diese Dienstleistung gar nie bestellt haben.

Der Aargauer Hans Thommen sagt erbost: «Das zahle ich nicht, die wollen mich doch wieder verarschen.» Thommen fiel auch auf, dass eine Reklamation am Telefon nicht möglich ist. Auf der Gratis-Hotline nimmt niemand ab. Also schrieb Thommen der Datacom: «Ich habe nichts bestellt und sie schicken mir aus heiterem Himmel schon wieder eine Rechnung. So nicht!»

«Wir kommunizieren unser Angebot stets transparent»

Datacom-Chef Patrick Dütschler erklärt, die Zusatzrechnung von 17.50 Franken sei für eine zusätzliche Dienstleistung, nämlich dass seine Leute die Telefonnummern der Kunden aktiv bei den Callcentern löschen lassen. Allerdings: Das kann jeder Schweizer Bürger selbst erledigen, und zwar kostenlos.

Dütschler sagte gegenüber «Espresso» am Telefon, dass diese Rechnungen per Massenversand an alle Kunden verschickt worden seien. Wer diese Dienstleistung nicht bestellt habe, müsse die Rechnung nicht bezahlen und auch keine rechtlichen Folgen befürchten. In seiner schriftlichen Antwort und auf seiner Internetseite zu Fragen von erbosten Kunden, steht etwas ganz anderes. Die Rechtmässigkeit der Rechnung könne man in den Geschäftsbedingungen überprüfen. Wer nicht bezahle, erhalte zwei Mahnungen, dann werde ein Inkassobüro aktiv und schlussendlich folge der Zivilprozess, droht Dütschler.

Melden Sie Ihren Fall dem Seco!

Das Staatssekretariat für Wirtschaft Seco kann gegen Firmen Anzeige erstatten, wenn eine gewisse Anzahl Beschwerden vorliegt. Idealerweise sind diese Beschwerden mit entsprechenden Nachweisen belegt. Haben auch Sie Ärger mit der Firma Datacom, dann schreiben Sie dem Seco. Ein spezielles Formular dazu finden Sie hier.

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