«URL Squatter» spekulieren auf Tippfehler

Bei der Eingabe einer Internetadresse vertippt man sich schnell. Das machen sich Seitenbetreiber zunutze. Sie erstellen sogenannte Tippfehler-Domains. Damit möchten sie Internet-User anlocken. Und sie spekulieren darauf, dass betroffene Firmen die falsche Seite abkaufen.

Eine Internetseite mit beabsichtigtem Tippfehler

Bildlegende: Eine Internetseite mit beabsichtigtem Tippfehler SRF

Sie heissen «amdin.ch», «mobilar.ch» oder raiffeisne.ch»: Internet-Adressen, die auf Tippfehler der Internet-Nutzer abzielen. Die User werden auf kommerzielle Angebote gelockt. Gleichzeitig spekulieren die Betreiber darauf, die falsche Adresse an die eigentlich gemeinte Firma verkaufen zu können.

Die verfälschten Adressen nennt man «Tippfehler-Domains», das System dahinter «Typosquatting». Die Inhaber der falsch geschriebenen Internet-Adressen haben in vielen Fällen sowohl die Internet-Nutzer wie auch die Firmen im Visier.
 
 Beispiel «raiffeisne.ch»: Der Betreiber dieser Seite ist in China registriert. Auf der Website hat er ein Formular platziert, mit dem die Raiffeisen-Bankengruppe melden könnte, für wieviel Geld sie diese Tippfehler-Adresse abkaufen würde. Die Besucher werden derweil auf bezahlte Links rund um Hypotheken und Kredite gelockt.

Raiffeisen hat 120 Fehler-Adressen gekauft

Dass «raiffeisne.ch» nicht der Raiffeisen gehört, überrascht. Die Bankengruppe erklärt auf Anfrage des SRF-Konsumentenmagazins «Espresso» nämlich, sie habe rund 120 Domains mit den am häufigsten vorkommenden Fehlern gekauft. Und: «Wir werden uns auf diese beschränken.» Der chinesische Besitzer von «raiffeisne.ch» geht also leer aus. Wie alle anderen Firmen hätte Raiffeisen auch die Möglichkeit, ein Verfahren gegen ihn zu eröffnen.

 Verfahren gegen Betreiber

Kommt es zum Streit um Internet-Adressen, steht einerseits der zivilrechtliche Weg offen. Andererseits gibt es für solche Fälle ein spezielles Schlichtungsverfahren. Am Anfang dieses Verfahrens steht ein Telefongespräch zwischen den beiden Parteien und einem Schlichter. Hat man nach einer Stunde noch keine Lösung, kann der Kläger einen Expertenentscheid verlangen. Die Schweizer Internet-Registrierungs-Stelle Switch vollzieht dann diesen Entscheid. Im Übrigen weist Switch darauf hin, wer eine .ch-Adresse registrieren wolle, müsse selbst sicherstellen, dass er keine Markenrechte verletze.

«mobilar.ch» mit Sitz in Georgien

Neben «raiffeisne.ch» hat «Espresso» noch weitere Tippfehler-Domains gefunden: «mobilar.ch» zielt auf die Mobiliar ab. Diese erfährt erst durch «Espresso» von dieser Seite und kündigt an, der Sache nachzugehen. «Dies dürfte allerdings nicht einfach sein», sagt Mediensprecher Jürg Thalmann, «der Betreiber sitzt in Tiflis, Georgien.» Man glaube auch, dass sich der Schaden in Grenzen halte – falls denn überhaupt ein Schaden entstehe. Ähnlich äussert man sich beim Bund über die Seite «amdin.ch», welche auf Besucher der Bundesseite «admin.ch» ausgerichtet ist.

Auf «amdin.ch» findet man neben einem Text voller Fehler immerhin einen Link zur Website der Eidgenössischen Steuerverwaltung. Die Bezeichnung «Steuerverwaltung» werde immer wieder missbräuchlich verwendet, heisst es dort auf Anfrage von «Espresso». «Bei Betrugsgefahr handeln wir sofort, im Falle der Seite amdin.ch sehen wir jedoch keine Gefahr.»