«Espresso Retro»: Viel Rauch um das Rauchen

Vor fast 40 Jahren waren Zigaretten in der Schweiz noch allgegenwärtig. Fast die Hälfte der Schweizer Männer rauchte und die heutigen restriktiven Rauchverbote waren noch weit entfernt. Die Konsumentensendung «Index 5 vor 12» befasste sich immer wieder mit dem blauen Dunst und seinen Folgen.

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Rauchen im TV war akzeptiert: Dürrenmatt verursacht Brand

0:35 min, aus DOK vom 2.4.2009

Dass Rauchen nicht nur dem Portemonnaie, sondern auch der Gesundheit schadet, ist schon lange bekannt. So gab das Schweizer Radio denn auch schon vor über 30 Jahren Tipps, um mit dem Rauchen aufzuhören. Und diese unterscheiden sich kaum von den Tipps, die heutigen Rauchern gegeben werden, die aufhören wollen.

«Gschäftlimacher» nutzen Wunsch zum Rauchstopp aus

Viel Wille – einen bestimmten Tag festlegen – Buch führen über die Rauchgewohnheiten – nicht versuchen, nur halb aufzuhören: Jedem, der schon versucht hat, von Zigaretten loszukommen, sind die Strategien bekannt.

Bereits Anfangs der Achtzigerjahre gab es jedoch auch schon Hilfsmittel wie Nikotinkaugummis, die, obwohl sie «scheusslich» schmeckten, durchaus zum Erfolg führen konnten. Kritisch zeigte sich die Konsumentensendung «Index» bezüglich «Gschäftlimachern», die den Wunsch zum Rauchstopp mit teuren aber unnützen Angeboten auszunutzen versuchten.

Wirteverband: «Da hat der Gesetzgeber nichts zu sagen!»

Trotz der Tipps zum Aufhören: Geraucht wurde in dieser Zeit nachweislich mehr als heute. Und geraucht wurde auch in Restaurants. Präventivmediziner unternahmen erste schüchterne Versuche, ein Obligatorium für Raucherecken in Restaurants zu fordern.

Der Wirteverband konterte, Raucherecken würden keinen Sinn machen und eine räumliche Trennung von Nichtrauchern und Rauchern sei nicht praktikabel. Man wehre sich darum gegen ein Obligatorium, der Staat habe hier nichts zu sagen. Rückblickend lässt sich sagen: Hatte er doch.

«Zigarettenrappen» und Leicht-Zigaretten gaben viel zu reden

Hitzige Diskussionen zog auch die Idee eines «Zigarettenrappens» nach sich. Gesundheitspolitiker Paul Günter wollte für jede verkaufte Zigarette einen Rappen den Krankenkassen zur Verfügung stellen. Dies wegen von Rauchern verursachten Mehrkosten.

Die «Index»-Hörer waren gespalten. «Wo bleibt der Solariumrappen», fragte eine Hörerin mit Verweis auf Fälle von Hautkrebs. Eine andere Hörerin schlug vor, einen Teil der Einnahmen in die Prävention zu stecken. Jahrzehnte später, im Jahr 2004, wurde diese Idee mit dem Tabakpräventionsfonds Realität, im Gegensatz zum «Zigarettenrappen».

Anfang der Achtzigerjahre des letzten Jahrhunderts waren zudem neue Leicht-Zigaretten ein grosses Thema bei «Index». Die Tabakbranche vermarktete diese als gesündere Alternative zu den herkömmlichen Zigaretten.

Präventivmediziner wiesen darauf hin, dass das so nicht stimmt, weil Raucher tiefer inhalieren und mehr Zigaretten rauchen würden. Gefordert wurde zudem eine bessere Deklaration der schädlichen Inhaltsstoffe der Zigaretten.

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«Dok» vom 02.04.09: Aufstieg und Fall des blauen Dunstes

49 min, aus DOK vom 2.4.2009