Joghurt im Glas: Wie lange noch?

Vor 30 Jahren löffelte die Schweiz begeistert Toni-Joghurt im Glas. Danach spülte man es aus und brachte es in den Laden zurück. Das Mehrwegglas war ein Symbol für das neue Umweltbewusstsein der Schweizer. Heute ist das Joghurt im Glas nur noch ein Nischenprodukt. Und die Zukunft ungewiss.

Die Konsumentensendung «Index 5 vor 12» von Radio DRS berichtete 1984 vom phänomenalen Markterfolg der Toni-Molkerei. Diese verarbeitete am Standort Zürich täglich eine Million Liter Milch zu Butter, Rahm, Käse und Joghurt.

Die weltweite Ölkrise brachte das Thema Energiesparen in die Büros der Toni-Direktion. Sie liess eine Glaswaschanlage bauen und beauftragte den Starwerber Jean Etienne Aebi, das Volk mit einer Werbekampagne auf das Mehrwegglas zu bringen.

Vom Kult…

Joghurt und Kampagne ( «…Das im Glas») waren bald sehr populär und haben heute Kultstatus. Zu den besten Zeiten kauften drei von vier Konsumenten Toni-Joghurts.

56 Prozent der Gläschen wurden in die Läden zurückgebracht. Von dort transportierten sie Lastwagen nach Zürich, wo sie nochmals gewaschen und neu abgefüllt wurden.

Die Konkurrenz rieb sich die Augen. Die Mehrwegglas-Idee sei nur ein billiger Marketingtrick, behauptete sie. Denn das Zirkulationsglas weise keine bessere Ökobilanz auf als die herkömmlichen Plastikbecher. Trotzdem kam kein Milchverarbeiter mehr darum herum, auch ein Joghurt im Glas anzubieten.

…zum Auslaufmodell

Die Zweifler behielten recht. Die Schweizer brachten letztlich zuwenig Gläser zurück, damit sich die Mehrwegidee gelohnt hätte. Ausserdem waren Sammlung und Waschvorgang äusserst aufwändig.

Gegen die heute übliche Joghurtverpackung haben die Mehrweggläser keine Chance mehr. Deshalb wird das Toni-Joghurt auch schon lange in Einweggläser abgefüllt. Und apropos Umweltbilanz: Die Gläser werden unterdessen aus Ungarn importiert!

Neuer Anlauf

In den 90er Jahren schlossen sich die regionalen Milchverbände zu neuen Molkerei-Unternehmen zusammen. Aus Toni und Säntis wurde die Swiss Dairy Food, welche nach wenigen Jahren wuchtig scheiterte und liquidiert werden musste.

Toni kam zu Emmi. Das Joghurt im Glas wird unterdessen am Emmi-Standort Ostermundigen BE produziert. Und auf dem ehemaligen Toni-Areal in Zürich steht seit 2014 die Zürcher Hochschule der Künste.

Besucher

Bildlegende: Kunststudenten besichtigen zur Inspiration die Joghurt-Produktion. SRF

Trotz mehreren Versuchen, dem Toni-Joghurt zu neuem Schwung zu verhelfen: Der Absatz stagniert bei einer Produktion von vier Millionen Gläschen pro Jahr. Zum Vergleich: In Spitzenzeiten waren es 45 Millionen.

Trotzdem ist den Emmi-Managern klar, dass das kultige Toni-Joghurt Kultstatus nicht einfach so vom Markt genommen werden kann. Nun sollen es die richten, die dort studieren, wo früher Toni zuhause war: die Zürcher Kunststudenten. In den nächsten Wochen sollen sie einen neuen Marktauftritt für das Joghurt kreieren und so «dem im Glas» zu mehr Glanz verhelfen.

«Espresso retro»

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