Weihnachtsrummel und Spielzeugdebatte anno dazumal

Weihnachtsstress ist kein neues Phänomen. Das zeigen auch Archivaufnahmen aus den 1970-er und 1980-er Jahren. Heiss diskutiert wurde auch Sinn und Unsinn von Spielzeug. Besonders «pfui»: Schlümpfe und Barbie.

In den Tagen vor Weihnachten mussten bereits 1976 viele prominente Schweizer noch den letzten Geschenken hinterherrennen, keine Spur von Besinnlichkeit.

So erzählt zum Beispiel der Schriftsteller Franz Hohler in der damaligen Konsumentensendung «Index 5 vor 12»: «Ich gehöre auch zu denen, die denken, dieses Jahr mache ich es einmal rechtzeitig. Nicht, dass ich in diesen Weihnachtsrummel hineinkomme. Aber es ist trotzdem so, dass ich die Hälfte noch diese Woche machen muss.»

Oder der damalige Fussballer beim FCZ, und spätere Nationaltrainer Köbi Kuhn: «Das meiste macht natürlich meine Frau. Ich hatte bisher keine Zeit.» Und auf die Frage, ob es ihm etwas ausmachen würde, wenn es keine Geschenke geben würde? «Nein, absolut nicht! Im Prinzip machen wir Weihnachten ja für unser Kind. Aber ich lege keinen Wert darauf, dass ich ausgerechnet an Weihnachten etwas geschenkt bekomme.»

Und die Schauspielerin Liselotte Pulver machte ihre Weihnachtseinkäufe möglichst effizient: «Zum Beispiel für meinen Mann weiss ich ja sowieso genau, was ich kaufen will. Dann gehe ich in ein Geschäft, bei dem ich weiss, dass ich das Geschenk auch finde, denn ich gehe ungern von Laden zu Laden.»

Immer mehr Kriegsspielzeug. Wirklich?

1978 diskutierten in «Index 5 vor 12» ein Journalist, ein Lehrer, ein Schulpsychologe und ein Spielwarenhändler über das Thema «Kriegsspielzeug». Die Herren waren sich einig, dass die Kinder mit Pistolen, Gewehren, Steinschleudern und Pfeil und Bogen wohl das Leben der Erwachsenen nachspielten. Und der Trend zu immer mehr «Peng-Peng» stuften sie als bedenklich ein.

Allerdings bestätigte sich dieser angebliche Trend ausgerechnet beim Spielwarenhändler so gar nicht. Der damalige Geschäftsführer von Franz Carl Weber Bern, Wilhelm Stöckli: «Wenn Kinder bei uns in den Laden kommen, ist es nicht so wie vorhin besprochen, dass sie als erstes nach «Peng-Peng» suchen. Sondern sie sehen Bären, Bäbies, sie sehen Eisenbahnen. Das sind nach wie vor die Dinge, die noch viel mehr das Leuchten in den Kinderaugen hervorrufen.»

Barbie und Schlümpfe: Kinderzimmerschreck!

Welche Spielzeuge pädagogisch wertvoll sind, beschäftigte «Index 5 vor 12» auch 1984 wieder, als in der Ludothek Bern eine Anti-Spielzeug-Ausstellung zu Reden gab. Ganz oben auf der Liste der fragwürdigen Spielzeuge: Barbie-Puppen und die Schlümpfe.

Eine Mitarbeiterin der Ludothek Bern kam in Fahrt, als sie das Barbie-Wohnzimmer kritisch beurteilte: «Über Ästhetik kann man noch diskutieren. Mich dünkt viel fragwürdiger, was hier dargestellt wird an Interieur, welches unsere Lebensweise beeinflusst. Ich meine das «Grosskotzige»- man kann’s nicht anders sagen- welches damit zum Ausdruck kommt. Wie wenn jeder das Geld hätte, sich ein solches Wohnzimmer zu leisten.»

Und auch die kleinen Zwerge mit den blauen Mützen lassen die Fachfrau die Nase rümpfen. Schlümpfe seien völlig unkreativ für die Kinder: «Diese Figuren sind ja fixfertig. Einer fährt einfach Ski, der andere Schlumpf ist eine Krankenschwester mit Spritze in der Hand. Da lässt sich nichts mehr verändern.»

«Espresso retro»

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