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Aktivisten kämpfen im Pyjama europaweit für Nachtzüge
Aus Espresso vom 22.04.2015.
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Umwelt und Verkehr Aktivisten kämpfen im Pyjama europaweit für Nachtzüge

Schweizer Bahnkunden wünschen sich die Nachtzüge nach Rom, Barcelona und Kopenhagen zurück. Das zeigt eine Umfrage der Umweltorganisation «Umverkehr». Im Kampf gegen die Streichung von Nachtzügen spannt sie mit Partnern im Ausland zusammen. Im Juni soll europaweit demonstriert werden.

Am Abend in der Schweiz ins Bett, am Morgen mitten in einer europäischen Stadt aufstehen: Der Schlafwagen macht es möglich.Doch die Bahnen streichen immer mehr Nachtzüge aus dem Fahrplan.

Am meisten vermissen Schweizerinnen und Schweizer die Nachtzüge nach Rom, Barcelona und Kopenhagen. Das zeigt eine Online-Umfrage der Umweltorganisation «Umverkehr».

Flugzeug als Nachtzug-Ersatz

Ein weiteres Ergebnis: Wo der Nachtzug fehlt, wählen die meisten Umfrage-Teilnehmer (63 Prozent) das Flugzeug als Ersatz.

Klimapolitisch sei das bedenklich, sagt «Umverkehr»-Geschäftsleiter Philippe Koch gegenüber dem Konsumentenmagazin «Espresso» auf Radio SRF 1: «Es ist offensichtlich: Die Streichung der Nachtzug-Linien führt eins zu eins zur Förderung des Flugverkehrs.»

Schlafwagen-Weckruf an die SBB

Mit der Umfrage will «Umverkehr» eine Unterschriftensammlung zum Erhalt der Nachtzüge unterstützen – und ausserdem die SBB dazu animieren «selbst genau herauszufinden, was sie in Sachen Nachtverbindungen tun könnte». Im Moment tut sie wenig: 2009 hat die SBB ihre Schlaf- und Liegewagen aus wirtschaftlichen Gründen verkauft.

Die verbliebenen Nachtzüge werden durch ausländische Bahnen betrieben. Diese Bahnen entscheiden selbst darüber, welche Verbindungen sie anbieten, sagt SBB-Sprecher Christian Ginsig. «Die SBB hat hier leider nur beschränkt Einfluss.»

Nachtzüge mit Schlaf- und Liegewagen sind nicht nur aus Sicht der Bahnen eine internationale Angelegenheit: Auch Organisationen und Einzelpersonen, die sich für Nachtzüge einsetzen, vernetzen sich nun international. Nachtzug-Förderer von Schweden bis Spanien, von Frankreich bis Österreich tauschen sich aus, haben vor kurzem die Online-Seite «Back On Track» lanciert und arbeiten nun an einer gemeinsamen Aktion.

Am Samstag, 20. Juni, soll auf möglichst vielen europäischen Bahnhöfen für den Erhalt von Nachtzügen demonstriert werden, sagt Joachim Holstein, Personalvertreter im Betriebsrat der DB European Railservice.

Auf Perrons im Pyjama und mit Bettzeug demonstrieren – «Umverkehr» hat in der Schweiz bereits vorgemacht, wie das geht. Die grosse Erfolgsmeldung für die Nachtzug-Fans kommt indes aus Deutschland.

Deutschland sucht den Nachtzug der Zukunft

Dort haben Nachtzug-Förderer die DB auf politischem Weg dazu gebracht, mit Verkehrs- und Umweltorganisationen und Angestellten über die Zukunft der Nachtzüge zu sprechen. Arbeitsgruppen machen sich nun Gedanken darüber, was Nachtzüge zum Erfolg brauchen.

«Da gibt es Kundenwünsche nach WLAN, mehr Steckdosen, Bordgastronomie», sagt Joachim Holstein. Und: «Diese Arbeitsgruppen sind auf jeden Fall schon mal ein Erfolg der Proteste.» Der grosse Erfolg wäre – auch für Bahnreisende aus der Schweiz – wenn die Ideen dann auch tatsächlich umgesetzt werden.

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17 Kommentare

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  • Kommentar von Josef Mercx , Baden
    Mehrmals per Jahr mit der City-Night-Line nach Amsterdam oder Berlin. Froh dass es diese Nachtzüge noch gibt. Weil aber der Güterverkehr während der Nacht Vortritt hat, gibt es oft grössere Verspätungen bei der Ankunft. Und für Nachtzüge gibt es die Entschädigung erst ab zwei (!) Stunden Verspätung!
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  • Kommentar von Andreas Flatt , Männedorf
    Wir fahren oft mit dem Schlafwagen in eine ausländische Stadt. Früher enthielt das schweizerische Kursbuch auch die Fahrpläne ins Ausland und eine Tabelle mit den Schlaf- und Liegewagenverbindungen. Später gab es separate gedruckte Auslandfahrpläne und die Broschüre mit den CityNightLine-Zügen. Heute gibt es leider nichts mehr von alledem in gedruckter Form. Man wird aufs Internet verwiesen. Und die Bahnen klagen über nachlassende Nachfrage. Ja wenn man das Angebot nicht kennt, dann...
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  • Kommentar von Michael Palomino , Köln
    Schon komisch, dass der Nacht-Partywagen nicht eingeführt wird. Dann sind alle dort, wo sie hingehören - die einen schlafen, die anderen machen Party.
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