Geschäft am Schalter erledigen? Zehn Franken, bitte!

Wer im Strassenverkehrsamt des Kantons Aargau ein Geschäft erledigen will, das er eigentlich per Post regeln könnte, zahlt seit diesem Jahr eine Gebühr von zehn Franken. Ein Mofa-Sammler aus dem Kanton Aargau will diese Kröte nicht schlucken.

Leer geschluckt hat ein Töffli-Fan, als er im Januar wieder einmal einen Ausweis für ein Mofa holen wollte, welches er selber «zwäg» gemacht hatte. Wie immer kam er mit den nötigen Papieren aufs Amt. Am Schalter hiess es, wenn er den Ausweis sofort mitnehmen wolle, dann koste es zu den 15 Franken für den Ausweis noch einmal 10 Franken Schaltergebühr. «Ich verstehe nicht, weshalb die das tun. Andere Strassenverkehrsämter kennen auch keine Schaltergebühr!»

Das sind Folgen des Spardrucks

Es sei ein Versuch, die Kundinnen und Kunden ins Internet und zur Post zu bringen, erklärt Johannes Michael Baer, Chef des Aargauer Strassenverkehrsamts. Es gebe so viele Geschäfte, die ohne Probleme über diese Kanäle erledigt werden könnten. Man stosse bei bis zu 1000 Kunden pro Tag schlicht an die Kapazitätsgrenze des Personals: «Wir müssen sparen, können nicht mehr Personal anstellen.» Das Sparpaket des Kantons Aargau hatte einen Personalstopp zur Folge. «Mit dieser Schaltergebühr versuchen wir jetzt zu erreichen, dass nur jene Kunden tatsächlich an den Schalter kommen, die auch wirklich physisch anwesend sein müssen für ihr Anliegen.»

Die Möglichkeit einer solchen Schaltergebühr wurde bereits im Jahr 2002 eingeführt. Erst jetzt, im Jahr 2015 mache man aber davon Gebrauch, schrieb das Strassenverkehrsamt des Kantons Aargau seinen Kundinnen und Kunden in einem Brief. Nicht verstehen kann das der aargauer Mofa-Sammler. Er schätze es, wenn er in der Warteschlange noch Töfflikollegen treffe oder mit Mechanikern über Mofas fachsimpeln könne.

Auch der Kanton Bern versucht seine Kunden ins Netz zu bringen

Seit rund zehn Jahren kennt man im Kanton Bern ein Belohnungssystem für Kunden, die ihre Geschäfte online abwickeln, erzählt Beat Keller, Stabchef im Strassenverkehrsamt des Kantons Bern: «Wer seine Geschäfte per Post oder Internet einreicht, erhält auf den Preis des Ausweises eine Reduktion von zehn Franken». Noch immer würden aber rund 60 Prozent der Geschäfte am Schalter erledigt. Und Beat Keller fragt sich, ob die Leute vielleicht zu wenig Vertrauen in die Post hätten und befürchten, dass die Ausweise zu spät kämen oder gar verloren gingen. «Und auch wir beobachten, dass sich beispielsweise Garagisten gerne treffen in der Schalterhalle, oder dass diese gerne den Kontakt mit unserem Personal pflegen.»

Und so ist es weiter ein ungelöstes Problem, dass viele Kunden noch immer nicht gerne auf dem elektronischen Weg ihre Geschäfte erledigen. Auch in den Kantonen Thurgau, Zürich, Luzern oder Graubünden besteht das Problem. Dort verzichtet man aber zurzeit auf Gebühren.