Lebensgefährliche Lastwagen

Crash-Tests und Statistiken zeigen es deutlich: Der Unterfahrschutz bei Lastwagen ist ungenügend. Autofahrer, die auf ein LKW-Heck prallen, werden schwer verletzt oder sterben. Eine leichte Anpassung für wenig Geld würde die Sicherheit stark erhöhen. Doch das Bundesamt für Strassen ASTRA wartet ab.

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Lebensgefährliche Lastwagen: Ungenügender Auffahrschutz

4:34 min, aus Kassensturz vom 19.2.2013

Rund 50‘000 Lastwagen sind in der Schweiz zugelassen, dazu kommen die vielen tausend ausländischen Lastwagen, die durch die Schweiz fahren. Gut die Hälfte dieser Lastwagen ist mit einem Unterfahrschutz ausgerüstet. Für den Fall, dass Autofahrer nicht mehr rechtzeitig bremsen können und ins Lastwagenheck prallen.

Dieser Unterfahrschutz ist auf den europäischen Strassen seit 2007 obligatorisch und sollte, wie es der Name sagt, die Autofahrer schützen. Stimmt leider nicht, wie Crash-Tests vom TCS und anderen europäischen Automobilverbänden beweisen.

Unterfahrschutz versagt

Beim Test prallt ein Auto mit 56 km/h von hinten auf einen Lastwagen. Der Unterfahrschutz nach der aktuellen EU-Richtlinie 2006/20/EG bricht durch und das Auto gerät weit unter den Lastwagen.

Die Knautschzonen werden kaum beansprucht, die Fahrgastzelle wird bis zu den hinteren Türen zerstört. Selbst die Airbags können nicht verhindern, dass die beiden Dummies mit dem Kopf an das Heck des Lastwagens aufschlagen. Das Risiko von lebensbedrohenden Verletzungen ist immens.

Laut Toni Keller, Leiter Wirtschaft und Technik beim TCS, spielt es dabei keine Rolle, wie modern und sicher das Auto ist. «Die Verletzungswahrscheinlichkeit ist in jedem Fall sehr hoch», sagt Keller in der Konsumentensendung «Kassensturz» von SRF. 

 Das zeigt auch ein Blick in die Unfallstatistik: In den letzten 10 Jahren starben auf Schweizer Strassen 13 Autofahrer aufgrund des ungenügenden Camion-Unterfahrschutzes. 200 verletzten sich schwer.

Kleine Änderung – grosse Verbesserung

Crashtest mit Lastwagen und PW

Bildlegende: Der Crashtest zeigt die verheerenden Auswirkungen. TCS

Das müsste nicht sein. Mit ein paar wenigen Modifikationen bietet der Unterfahrschutz massiv mehr Sicherheit. Der TCS möchte den Schutz etwas tiefer und besser fixieren.

Dass diese Massnahme viel bringt, zeigt der zweite Versuch im Crash-Test-Labor. Der modifizierte Unterfahrschutz hält den Belastungen stand, der Aufprall wird fast ausschliesslich durch für einen Unfall vorgesehene Verformungszonen der PW-Karosserie abgebaut.

Die Fahrgastzelle bleibt erhalten. Auch Sicherheitsgurten und Airbag entfalten ihre volle Wirkung. Das Verletzungsrisiko für die Autoinsassen ist damit deutlich verringert. Die Kosten für den modifizierten Unterfahrschutz betragen gemäss Berechnungen des TCS rund 150 CHF pro Fahrzeug.

Astra wartet noch ab

Trotz der klaren Resultate will das zuständige Bundesamt für Strassen ASTRA die Sicherheitsnormen für Lastwagen nicht sofort überarbeiten. Man strebe eine internationale Lösung an, sagt ASTRA-Sprecher Thomas Rohrbach auf Anfrage der Sendung «Kassensturz»: «Eine Insellösung nur für die Schweiz bringt nichts, es fahren auf Schweizer Strassen ja längst nicht nur Schweizer Lastwagen.»

Das Astra wird im April 2013 in Genf an einer internationalen Sitzung über die Verschärfung der Anforderungen an die hinteren Unterfahrschutzelemente bei Lastwagen teilnehmen. Noch ist offen, wann und ob die Sicherheits-Anforderungen verschärft werden.

Bis dann gilt für Automobilisten erst recht: Genügend Abstand halten, damit es gar nicht erst zur Kollision mit Lastwagen kommt.

Tipp: Der richtige Abstand

Der Abstand zum nächsten Fahrzeug sollte mindestens einen halben Tacho betragen. Beispiel: Wenn Sie 100 km/h fahren, sollten Sie mindestens 50 Meter Distanz einhalten.

Diese einfache Faustregel wurde auch vom Bundesgericht festgehalten.