Nur wenige Windeln und Binden sind FSC-zertifiziert

Für Windeln und Damenbinden werden jedes Jahr Millionen von Bäumen gefällt. Denn diese Produkte bestehen vorwiegend aus Zellstoff. Ob dieser aus nachhaltiger Forstwirtschaft stammt oder ob schützenswerte Urwälder abgeholzt werden, sieht man den Produkten nicht an. Ein FSC-Label haben die wenigsten.

Ein Kind braucht, bis es selber aufs WC kann, schätzungsweise 4300 Windeln. Da Einweg-Windeln zu über einem Drittel aus Zellstoff bestehen, müssen für die Windelproduktion massenhaft Bäume gefällt werden. Da wäre es eigentlich sinnvoll, wenn die Windeln wenigsten mit dem FSC-Label für eine nachhaltige Waldwirtschaft ausgezeichnet würden.

Marktführer Pampers hat keine FSC-Windeln im Angebot

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Bildlegende: Das FSC-Label steht für nachhaltige Waldwirtschaft zvg

Doch der Schweizer Marktführer Pampers bietet in der Schweiz keine Windeln mit FSC-Label an. Der Hersteller Procter & Gamble schreibt in einer Stellungnahme an «Espresso», dass der Zellstoff aus nachhaltig bewirtschafteten Wäldern überwiegend aus Nordamerika stamme: «Alle unsere Zellstofflieferanten müssen uns ihre nachhaltige Forstwirtschaft nachweisen. Wir akzeptieren sowohl Zertifizierungen durch den FSC als auch durch PEFC.»

Allerdings wird das PEFC-Label von den Umweltverbänden als zu lasch kritisiert. Simone Stammbach, beim WWF für Waldprojekte zuständig, sagt: «Das PEFC ist ein Industrie-Label, dessen Richtlinien nicht transparent sind. Für den WWF ist dieses Label darum nicht glaubwürdig.»

Empfehlenswert ist im Gegensatz dazu laut WWF das FSC-Label. Bei diesem Zertifikat für nachhaltige Waldwirtschaft hätten auch die Umweltverbände Mitspracherecht. «Für den WWF ist FSC das einzige empfehlenswerte Gütesiegel, was Holz- und Papierprodukte angeht», so Simone Stammbach.

Migros und Coop setzen bei Eigenmarken auf FSC-Gütesiegel

Im Nachhaltigkeitsbericht von Procter & Gamble wurden 2013 nur gerade neun Prozent der Zellstoffe FSC-zertifiziert. Über 90 Prozent des übrigen Zellstoffes wurde von Drittparteien überprüft. Was damit gemeint ist, darüber kann Simone Stammbach vom WWF nur rätseln: «Für den WWF ist es sehr schwierig, ausfindig zu machen, ob diese Drittparteien-Zertifizierung glaubwürdig ist oder nicht.»

«Vielen internationale Windel- und Damenhygieneproduzenten ist die Nachhaltigkeit nicht genug wichtig. Darum legen sie auch nicht viel Wert auf ein FSC-Gütesiegel», stellt Hubertus Schmidtke, Geschäftsführer von FSC Schweiz fest. Anders sei es bei Migros und Coop. «Ihnen ist Nachhaltigkeit wichtig. Entsprechend legen sie auch Wert auf die FSC-Zertifizierung ihrer Produkte.»

Migros wie auch Coop haben bei ihren Eigenmarken fast ausschliesslich Windeln mit FSC-Label im Angebot. Nadia Ruch von Coop sagt gegenüber «Espresso»: «Bei unseren Eigenmarken haben wir sehr grossen Einfluss darauf, aus welchen Rohstoffen die Windeln hergestellt werden. Das ist bei Markenprodukten wie Pampers anders. Da haben wir kaum Einfluss.» Und Monika Weibel, Mediensprecherin der Migros, gibt zudem zu bedenken, dass der benötigte Frischzellstoff für bestimmte Windeln nicht verfügbar sei.

Damenbinden: Keine FSC-Produkte

Noch düsterer ist die Lage bei Damenhygiene-Produkten wie Binden oder Slipeinlagen. Hier gibt es keine FSC-zertifizierten Produkte auf dem Markt. Auch hier sei es schwierig, den nötigen Frischzellstoff auf dem Markt zu beschaffen, sagt Monika Weibel von Migros: «Der Kern der luftdurchlässigen Binde ist sehr schwierig zu zertifizieren. Unsere Lieferanten sagen, es gäbe keine Hersteller, welche solche luftdurchlässigen Zellstoffkerne mit zertifiziertem Holz herstellen.»

Hubertus Schmidtke von FSC Schweiz erklärt zudem, die Tendenz bei den Damenbinden gehe weg vom Zellstoff in Richtung Bio-Watte: «Ebenfalls entwickelt werden sogenannte synthetische Superabsorber. Die kommen ebenfalls ohne Zellstoff aus.»