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Umwelt und Verkehr Pferdeblut für Ferkelzucht: Behörden können kein Verbot erlassen

In Südamerika wird trächtigen Stuten Blut abgezapft, damit europäische Nutztiere schneller trächtig werden. Die Empörung nach dem «Kassensturz»-Beitrag ist gross. Tierschützer fordern ein Importverbot, doch keine Behörde fühlt sich zuständig. Jetzt sind auch die Tierärzte in der Pflicht.

Legende: Audio Pferdeblut für Ferkelzucht: Tierschützer fordern Importverbot abspielen. Laufzeit 08:36 Minuten.
08:36 min, aus Espresso vom 02.10.2015.

Die Grossverteiler billigen den Einsatz des Hormonmedikaments nicht. Das betonen sowohl Migros und Coop in einer ersten Stellungnahme an «Kassensturz» und «Espresso». Gemäss Tierschutzbund Zürich haben Coop und Migros bereits einen Termin mit den Tierschützern, die die skandalösen Zustände in südamerikanischen Blutfarmen aufdeckten, vereinbar.

York Ditfurth, Präsident des Tierschutzbundes Zürich, sagt gegenüber dem Konsumentenmagazin «Espresso» von Radio SRF 1: «Beide Unternehmen akzeptieren dieses Mittel in ihren Produkten nicht. Jetzt geht es darum, das kontrolliert aus dem Weg zu schaffen.» Und beim Biofleisch: Der Verband Biosuisse sagt klar: «Der Einsatz von Hormonen (um den Fortpflanzungszyklus zu beeinflussen) ist im Biolandbau nicht erlaubt.»

Doch der Tierschützer sieht ein grundsätzliches Problem: Das aus Südamerika importierte Hormon gelte als tierisches Nebenprodukt und müsse damit – anders als beispielsweise Antibiotika – nirgends aufgelistet werden. Damit sei es sehr schwer, zu prüfen, wo das Mittel überall verwendet wird. York Ditfurth: «Ich gehe sogar soweit, zu sagen, dass auch in der Biobranche keine 100 prozentige Sicherheit herrscht.»

Keine Behörde fühlt sich zuständig

Legende: Video Neue Pferdequälerei: Stuten leiden für unser Schweinefleisch abspielen. Laufzeit 17:33 Minuten.
Aus Kassensturz vom 29.09.2015.

Der Tierschutzbund Zürich fordert von der EU und der Schweiz, den Import dieses aus südamerikanischen Pferdeblut-Farmen gewonnenen Präparats zu verbieten. Doch so einfach ist das nicht.

Auf Anfrage von «Espresso» schreibt das Bundesamt für Veterinärwesen und Lebensmittelsicherheit BLV, der Sachverhalt sei zwar bekannt. Ein Eingreifen auf internationaler Ebene sei jedoch sehr schwierig, «da wir keinen Einfluss auf ausländische Tierschutzgesetzgebung haben. Selbstverständlich bedauert es das BLV sehr, wenn Produkte, die in der Schweiz angeboten werden, nicht nach Schweizer Tierschutzstandard hergestellt werden.»

Swissmedic kontrolliert lediglich Qualität, Sicherheit und Wirksamkeit

Beim Schweizerischen Heilmittelinstitut Swissmedic, das für die Zulassung von Medikamenten zuständig ist, heisst es, ein Importverbot dieses Präparats aus Tierschutzgründen sei nicht möglich. Swissmedic könne eine Zulassung lediglich aufgrund der Kriterien Qualität, Sicherheit und Wirksamkeit verweigern – nicht jedoch aus tierschützerischen oder ethischen Gründen. «Möchte man an diesem Auftrag etwas verändern, müsste das die Politik entscheiden», so Swissmedic.

Schweizer Tierarztverband will handeln

Und wie stellen sich die Tierärzte, die das Mittel ja einsetzen, zu der fragwürdigen Blutgewinnung? Auf Anfrage von «Espresso» äussert sich auch der Schweizer Tierarztverband. Der Verband schreibt, er lehnt tierquälerische Methoden zur Blutgewinnung klar ab und verlangt vom Hersteller des Präparats vermehrte und gezielte Kontrollen. Man werde die Bedenken bezüglich dieses Medikaments gegenüber den Mitgliedern klar äussern, schreibt die Gesellschaft Schweizer Tierärztinnen und Tierärzte GST weiter. «Wenn diese Medikamente ausschliesslich unter tierschutzwidrigen Bedingungen produziert werden können, empfehlen wir, diese Medikament nicht mehr zu verwenden.»

18 Kommentare

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  • Kommentar von M. Roe, Gwatt
    Es ist immer offensichtlicher; die Politik bringt nichts. Eigentlich ist das Volk verantwortlich für alles, aber durch die Politiker werden wir ausgehebelt. Wir müssen einen zweiten Weg zum "Regieren" finden, für einzelne Themen. Vielleicht könnten wir das mit Schweizer-Vereinen erreichen. So wie Weber die Zweitwohnungsinitiative gewonnen hat. CH-Verein gegen die Verbetonierung, Verein gegen Nutztierquälerei, Verein für Gerechtigkeit usw. Heute sind alle Organisationen mit der Politik verbandelt
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  • Kommentar von Denise Graf- Maurer, Beinwil am See
    Es zeigt wieder einmal mehr wie sehr das Geld regiert. Die Ehtik bleibt im Hintergrund. Um aktiv positiv gegen Tierischen Missbrauch zu wirken ernähren mein Mann und ich uns seit einigen Jahren Vegan. Eine Betroffene Denise
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  • Kommentar von Denise, Henggart
    Das Schweizer Volk unterhält ua das sehr aufwändige, teure Bundesamt für Veterinärwesen. Wann handeln die sehr gut bezahlten zuständigen Verantwortlichen endlich für die Rechte der Tiere und für ein artgerechtes Leben. Der Missbrauch an Tieren nimmt ständig zu, aber niemand des BVET handelt entsprechend ihrem eigentlichen Auftrag!!!?? Tierquälerei "en masse" in der konventionellen "Miss - Wirtschaft" ohne Konsequenzen für die Täter!!?? Steuergeldverschwendung einmal mehr für ein Bundesamt!!!!
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