Von wegen «Tempo»: Polizei lässt sich für Busse zwei Jahre Zeit

Überraschende Post für einen Luzerner Autofahrer: eine Tempobusse aus Basel. «Ich war doch gar nicht in Basel», sagt er – und schaut sich das Datum des Vergehens an: Es liegt zwei Jahre zurück! Der Autofahrer wundert sich. Und das erst recht, als die Polizei den Grund für die Verzögerung nennt.

Busse mit rot eingekreistem Absende- und Übertretungsdatum.

Bildlegende: Das hat gedauert. SRF

Die Daten liegen weit auseinander. Per Brief vom 19. Februar 2015 teilt die Kantonspolizei Basel-Stadt dem Luzerner Autofahrer mit, er sei am 10. März 2013 zu schnell gefahren: mit Tempo 87 auf einer 80er-Strecke.

Dass er dafür 20 Franken Busse bezahlen muss, findet Franz E. in Ordnung, dass der Bescheid aber erst nach zwei Jahren kommt, versteht er gar nicht.

Schwer auffindbar?

Franz E. fragt die Balser Polizei nach dem Grund der Verzögerung, und kommt erst recht ins Staunen: Die Polizei-Mitarbeiterin am Telefon habe gesagt, er sei eben «schwer auffindbar».

Darüber kann Franz E. nur den Kopf schütteln: «Ich wohne seit 20 Jahren am gleichen Ort und habe diese Autonummer seit 18. Und wenn ich sie beim Autoindex eingebe, kommt meine ganze Adresse, alles.»

«Espresso», das Konsumentenmagazin auf Radio SRF 1, macht den Test – die Online-Abfrage funktioniert problemlos. Was also lief falsch in Basel?

«Nicht mit der nötigen Aufmerksamkeit verfolgt»

Im Normalfall sollte eine Geschwindigkeitsbusse einen Monat nach dem Blitz des Radarkastens im Briefkasten sein. Das sei das Ziel der Basler Polizei, sagt Andreas Knuchel vom Justiz- und Sicherheitsdepartement. Bei Franz E. und in einem zweiten Fall, der «Espresso» vorliegt, sei die Nummernabfrage im System der Polizei wiederholt erfolglos gewesen.

«Leider wurde sie danach nicht mit der nötigen Aufmerksamkeit verfolgt», sagt Andreas Knuchel. Irgendwann nutzte die Basler Polizei doch noch eine andere Quelle und konnte «die Halter schliesslich ermitteln».

Dass bis zur Übertretungsanzeige zwei Jahre vergingen, sei nicht gut, sagt Knuchel: «Wir entschuldigen uns dafür und werden die entsprechenden Prozesse anschauen.» Bei Franz E. bleibt die Sache nicht noch länger liegen: Er hat die 20-Franken-Busse sofort bezahlt.