Weniger Kraftfutter und Antibiotika für Milchkühe

Zwei Studien des Forschungsinstituts für biologischen Landbau (FIBL) zeigen: Bei Bio-Milchkühen kann man den Einsatz von Kraftfutter und Antibiotika deutlich reduzieren. Nun wollen die Forscher wissen, wie weit dies auch bei Milchkühen in der konventionellen Produktion möglich ist.

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Bildlegende: Viele Kühe erhalten zum Heu auch Kraftfutter. Keystone

Die eine Studie des FIBL lief unter dem Namen «Feed no Food». Ziel ist es, möglichst zu verhindern, dass in der Milchproduktion importiertes Getreide und Soja als Kraftfutter eingesetzt wird.

Denn dadurch gehen Anbauflächen für Lebensmittel für Menschen verloren. In einer Studie reduzierten rund Bio-Milchbauern den Einsatz von Kraftfutter um durchschnittlich einen Viertel.

Dies hatte keine negativen Folgen auf die Gesundheit der Kühe. Die Milchleistung nahm leicht ab. Was die Bauern deswegen weniger verdienten, konnten sie durch geringere Ausgaben für Kraftfutter wettmachen.

In einem zweiten Projekt des FIBL wurde der Einsatz von Antibiotika bei Euterpflege um 30 Prozent reduziert. Auch dies ohne negative Folgen für die Tiergesundheit.

Neue Projekte in der Waadt und im Jura

Das Forschungsinstitut für biologischen Landbau will nun herausfinden, wie sich diese Studienergebnisse im Alltag umsetzen lassen. Dafür laufen zwei Projekte im Jura und in der Waadt.

Speziell daran ist, dass dabei neben weiteren Bio-Bauern auch Bauern mitmachen, die ihre Milch konventionell produzieren. Als Berater und Betreuer dieser Bauern setzt das FIBL Bio-Bauern aus den ersten beiden Projekten ein.

In Landwirtschaftskreisen stossen diese Projekte auf unterschiedliches Echo: Die Vereinigung der Schweizerischen Futtermittelfabrikanten (VSF) hat wenig Freude an der Ausweitung über das Bio-Segment hinaus.

Sie gibt zu bedenken, dass durch die Reduktion des Kraftfutters die Leistung guter Milchkühe nicht mehr voll genutzt werde. Zudem ist die VSF überzeugt, dass Milchbauern unter dem Strich weniger verdienen, wenn sie das Kraftfutter reduzieren.

Bei Hochleistungskühen ist weniger Kraftfutter heikel

An der Veterinärmedizinischen Fakultät der Universität Bern findet man die Stossrichtung «weniger Kraftfutter» grundsätzlich sinnvoll. Hochleistungskühen könne man aber nicht einfach kein Kraftfutter mehr geben.

Sie seien auf eine solche Ernährung hin gezüchtet worden. Wenn Milchbauern weniger Kraftfutter einsetzen wollen, dann müssten sie auch auf kleinere Rassen umstellen, die aber auch weniger Milch geben.

Bei den Schweizer Milchproduzenten findet man solche Projekte wichtig. Gleichzeitig betont die Dachorganisation, dass in der Schweiz verschiedene Produktionsarten mit verschiedenem Kraftfuttereinsatz Platz haben sollen.

In der Schweizer Milchproduktion werde im Vergleich zum Ausland schon heute wenig Kraftfutter eingesetzt: Durchschnittlich 20 Prozent, gegenüber 80 Prozent Raufutter.

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Beitrag vom 1.2.2011: Soja statt Gras schadet der Milchqualität

8:00 min, aus Kassensturz vom 1.2.2011