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Umwelt und Verkehr Wie Sie die Abschlepp-Abzocke verhindern

Einschlägige Abschlepp-Firmen warten nur darauf, bis Automobilisten falsch parkieren. Sie schleppen ihre Autos innert Minuten ab und verlangen unverhältnismässig hohe Kosten. Sogar für Leerfahrten. «Kassensturz» sagt, wie sie vorgehen, um dies zu verhindern.

Nicole Lieberherr
Legende: Nicole Lieberherr. SRF

Was tun, damit Ihr Auto nicht unberechtigt abgeschleppt wird? Oder eine Leerfahrt verrechnet wird? Die Gründerin der Interessengemeinschaft gegen die «Abschlepp-Abzocke» und ehemalige FDP-Gemeinderätin der Zürcher Gemeinde Opfikon, Nicole Lieberherr, gibt Tipps:

Vor dem Abschleppen

  • Achten Sie gut darauf, wo Sie Ihr Auto abstellen. Parkieren Sie grundsätzlich nicht auf Kundenparkplätzen oder privaten Parkplätzen. Auch nicht, wenn Sie Sichtkontakt zum Fahrzeug haben, Sie nur kurz halten oder das Geschäft geschlossen ist. Sie ersparen sich unnötigen Ärger, denn die Abschlepp-Abzocker interessiert es nicht, ob Sie jemanden behindern. Es geht nur um‘s Geld.
  • Wenn Sie als Kunde eines Geschäftes die Erlaubnis bekommen, auch mal ausserhalb der Ladenöffnungszeiten Ihr Fahrzeug abzustellen, dann bitten Sie, dies schriftlich festzuhalten. Hinterlegen Sie in einem solchen Fall ihre Handynummer und einen Hinweis auf diese Vereinbarung hinter der Windschutzscheibe. Es wurden auch schon Autos abgeschleppt, die vom Besitzer des Parkplatzes die mündliche Erlaubnis bekamen, ihr Fahrzeug abzustellen.
  • Hinterlegen Sie ihre Handynummer hinter der Windschutzscheibe, wenn Sie nicht sicher sind, ob es sich um öffentlichen Grund handelt, aber sie keinen Hinweis auf einen privaten Parkplatz finden. So kann man Sie erreichen, falls Sie jemanden behindern sollten.
  • Wenden Sie nicht auf privaten Parkplätzen. Bereits gibt es Schlaumeier, die Kameras mit Bewegungsmeldern installiert haben und nur darauf warten, Ihnen ein Standbild von Ihrem Auto mit einer Rechnung für eine Leerfahrt zu schicken. Wenn Sie in so eine Falle tappen, lehnen sie in jedem Fall die Zahlungen ab und informieren Sie auch den kantonalen Datenschützer.
  • Achtung, wenn ein Unbekannter plötzlich beginnt, Ihr Auto zu fotografieren. Notieren Sie Ort, Datum und die Umstände. Es kann gut sein, dass Sie demnächst eine ungerechtfertigte Rechnung für eine Leerfahrt erhalten. Es kam schon zu solchen Fällen, als jemand am Sonntag vor einem geschlossenen Geschäft anhielt, um zum Beispiel ein Telefonat entgegenzunehmen.
  • Prüfen Sie die Rechnung für eine Leerfahrt genau! Lehnen Sie überhöhte Preise und überrissene Administrationskosten ab. Zu den Administrativkosten gibt es einen Bundesgerichtsentscheid.

Wenn Ihr Auto abgeschleppt wurde:

  • Bezahlen Sie nur per Rechnung! Zahlen Sie nicht bar oder mit Kreditkarte. Wenn das Auto nicht ohne Bezahlung herausgegeben wird, empfiehlt der Polizeisprecher der Stadtpolizei Zürich, Mario Cortesi, «Klage wegen Nötigung» einzureichen.
  • Verlangen Sie immer einen Abschlepprapport mit genauen Angaben, auch zu den Preisen. Einige Betroffene berichteten, ihnen wären später viel höhere Preise in Rechnung gestellt als beim Abholen des Fahrzeuges die Rede war.
  • Gehen Sie nicht alleine das Auto abholen. Bitten Sie jemanden, sie hinzufahren und zu begleiten. In einigen Fällen berichteten Betroffene, dass sie sich sehr unwohl fühlten, Angst bekamen und einfach nur weg wollten. Und daher alles bezahlt oder unterschrieben hätten.
  • Prüfen Sie ihr Auto auf Schäden, die durch das Abschleppen entstehen können, gegebenenfalls durch einen Experten.
  • Klären Sie ab, wem der Parkplatz gehört und prüfen Sie, ob wirklich ein Auftrag mit einem Abschleppdienst bestanden hat. Verlangen Sie vom Abschlepp-Dienst den Namen des Auftraggebers. Dieser haftet primär für die entstandenen Kosten. In der Vergangenheit wurden auch schon Autos von Grundstücken abgeschleppt, bez. eine Leerfahrten dazu in Rechnung gestellt, deren Eigentümer weder einen Auftrag zum Abschleppen erteilt hatte, noch davon wusste.
  • Melden Sie einen Abschlepp-Vorfall immer ihrer Rechtsschutzversicherung an.
  • Machen Sie sich Notizen und Fotos zum Ereignis. Melden Sie ihren Fall an kontakt@ig-selbsthilfe.ch. , Link öffnet in einem neuen FensterHier werden die Fälle erfasst und verglichen. Die Interessensgruppe prüft, welche Schritte man gegen Abschlepp-Abzocker unternehmen kann. Die IG Selbsthilfe ist eine freie Gruppe von Betroffenen. Sie ist eine Plattform, um Erfahrungen auszutauschen, kann jedoch keine Rechtsberatungen erteilen.

11 Kommentare

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  • Kommentar von Matthias Gubelmann, Nürensdorf
    Will er das Auto nur gegen bares herausgeben, anzeigen wegen Diebstahl und Nötigung! Aber niemals bezahlen! Diese Bescheisser leben von der Angst der Leute, vor einer Betreibung. Betrieben? Na und?!?! Das gehört offensichtlich dazu, wenn man sich für sein Recht wehrt. Wenn man endlich kurz, klar, und knapp informieren würde, hätten solche Bescheisser auch weniger Chancen!
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  • Kommentar von Matthias Gubelmann, Nürensdorf
    Einmal mehr ein "Schwafelbeitrag" von KS. Was gilt den jetzt wirklich? Ich bin der Meinung, dass nur Abgeschleppt werden darf, wenn der PP mit einem richterlichen Verbot gekennzeichnet ist, UND auf des Abschleppen hingewiesen wird. Alles andere würde dem Missbrauch Tür und Tor öffnen und der KS-Beitrag wäre kontraproduktiv! Grundsätzlich gilt immer und überall: Der Besteller zahlt! Immer! Der Abschlepper muss sein Geld bei der anrufenden Person eintreiben. (ausser natürlich der Polizei).
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    1. Antwort von Salvatore Gugliotta, Kollbrunn ZH
      Ist leider genau so wie im Beitrag vom KS. Das Geld wird von schmid-recht.ch eingetrieben den Rechtsberater von Kägi. Der PP Besitzer hat hier nix zutun.
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    2. Antwort von Ferdi Weibel, Bern
      Kein "Schwafelbeitrag" vom Kassensturz. Sondern notwendige und seriöse Berichterstattung. Nicht wenige sind von den Machenschaften betrügerischer Erpresser betroffen. Dies in nicht wenigen Branchen. Und dagegen hilft nur Information und das Wissen, wie man sich davor schützen soll. Daher möchte ich ihre abschätzige Hervorhebung freundlich als "Schwafelkommentar" bezeichnen.
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  • Kommentar von Fam. Amiti, Basel Stadt
    Ich dachte, die Abschleppebühren zahlt immer der Auftraggeber??? Also in Basel wurde uns dies so gesagt oder irre ich mich? Hier werden dauernd Autos falsch parkiert und hab auch noch nie einen Abschlepper gesehen, da dies immer der Auftraggeber bezahlen muss. Ist dies nur in der Nordwestschweiz so? Danke für Ihre Infos. LG aus Basel
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    1. Antwort von Hans Fürer (Hans F.)
      Weshalb soll der Auftraggeber das Abschleppen bezahlen, wenn jemand widerrechtlich auf seinem einwandfrei gekennzeichneten Areal unverfroren das Auto parkiert? Es gehört schliesslich nicht zum Menschenrecht, dass man sein Auto überall dort parkieren darf, wo es gerade Platz hat. Wer nach Zürich ins Konzert fährt, sollte einsichtig genug sein und zumindest für das letzte Teilstück den ÖV nehmen.
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