Zürcher und Berner Taxifahrer schröpfen Familien mit Kleinkindern

Wer in Zürich oder Bern mit Kleinkindern Taxi fahren will, muss tief in die Tasche greifen: Zusätzlich zu den Fahrkosten fallen bis zu 30 Franken Gebühren für obligatorische Kinder-Sitze an. In anderen Städten sind die Sitze gratis.

Junge im Kindersitz

Bildlegende: Seit 2010 sind die Bestimmungen für das Anschnallen von Kleinkindern strenger. Colourbox

Seit fünf Jahren gilt in der Schweiz eine verschärfte Kindersitz-Pflicht. Kinder bis 12 Jahren oder 150 cm Körpergrösse müssen mit Schalensitzen oder mit Sitzerhöhungen angeschnallt werden. Zuvor galt die Pflicht bis zum 7. Altersjahr der Kinder. Familien und Vereine haben sich mittlerweile an die neue Bestimmungen gewöhnt, doch das Taxi-Gewerbe bittet Eltern in manchen Städten für Kindersitze zur Kasse. Das zeigt eine Umfrage von Kassensturz/Espresso bei Taxi-Firmen von acht deutschschweizer Städten.

Glücklich können sich die 5 bis 12-Jährigen Kinder schätzen: Sie benötigen zwar einen Kindersitz. Die obligatorische Sitzerhöhung ist bei allen angefragten Taxi-Firmen gratis.

30 Franken für Kindersitz

Braucht eine Familie jedoch eine zweite Erhöhung oder einen Schalensitz für ein Kind unter 5 Jahren, wird es Bern und Zürich teuer.

  • Zürich: Rund 30 Franken Aufschlag zum Fahrpreis verlangt dafür die Taxi-Firma 7x7 in der Stadt Zürich. Ein bisschen günstiger ist die zweite, grosse Zürcher Firma Taxi 444: Sie verrechnet für denselben Dienst «nur» 20 Franken.
  • Bern: Auch in Bern wird das Budget von Familien übermässig strapaziert: Bären Taxi verrechnet 20 Franken für zusätzliche Sitzerhöhungen und Schalensitze. Und die zweite grosse Taxi-Firma Taxi Nova will 10 Franken dafür.

Keine Zusatzkosten, wenn ein Kleinkind mitfährt, verrechnen Taxifahrer der meisten Schweizer Städte. Die Umfrage von Kassensturz/Espresso zeigt: Grosse Taxi-Firmen in Basel, Chur, Luzern, Solothurn, St. Gallen und Winterthur bieten Schalensitze und zweite Sitzunterlagen gratis an.

Es geht auch anders

Die zwei grossen Taxi-Unternehmen der Stadt Zürich begründen ihre Preispolitik mit Mehraufwand: «Den Auftrag erhält ein Taxi in der Nähe der Zentrale. Der Fahrer kommt den Kindersitz in der Zentrale holen, fährt dann zur Bestelladresse und bringt ihn nach der Fahrt in die Zentrale zurück», erklärt André Küttel von Taxi 7x7 den Ablauf.

Für das Problem der Verfügbarkeit der Sitze hat die Firma Herold Taxi in St. Gallen aber eine Lösung: «Werden für einen Transport zwei Sitze gebraucht, borgen die Chauffeure diese untereinander aus», erklärt der Sprecher Daniel Holenstein. Er betont dabei die Firmenphilosophie: «Wir lieben Kinder. Sie sind unsere zukünftigen Kunden.»

«Uber» entzieht sich der Verantwortung

Ausgebremst werden Familien mit Kleinkindern auch von «Uber»: Das neue, über Smartphone-Apps zu buchende Transport-Unternehmen sei kein Taxi Service, schreibt die Sprecherin, Sarah Jordi, an Kassensturz/Espresso.

Das Unternehmen biete in der Schweiz keinen speziellen Service für den Transport von Kindern an. Es empfiehlt seinen Nutzern nach der Bestellung den Fahrer kurz anzurufen und zu fragen ob er über einen Kindersitz verfüge.

Falls er einen habe, fallen keine Mehrkosten an. Jedoch könne Uber nicht garantieren, dass alle Fahrer einen Kindersitz im Auto hätten.