Assura verärgert Hausarzt-Versicherte

Die Krankenkasse Assura hat die Ärzte der Sanacare-Gruppenpraxen aus ihrem Hausarztmodell gestrichen. Diese Änderung erfolgte bereits auf Januar 2012, wurde jedoch weder klar noch zu einem fairen Zeitpunkt kommuniziert. Das gab für einige Assura-Versicherten Probleme.

Assura-Hauptsitz

Bildlegende: Assura-Hauptsitz Keystone

Auf das Jahr 2012 legte die Assura fest, dass im Hausarztmodell nur Allgemeinpraktiker, Internisten ohne Spezialisierung und Kinderärzte anerkannt seien.

Dass die Ärzte der Sanacare-Gruppenpraxen plötzlich nicht mehr dazuzählen, wird daraus nicht klar. Denn bis zu diesem Zeitpunkt erstattete die Assura in ihrem Hausarztmodell Sanacare-Rechnungen.

Assura weigerte sich, zu zahlen

Auch «Espresso»-Hörerin Wally Leutenegger fühlte sich von dieser Änderung nicht betroffen. Bis ihr die Assura mitteilte, dass eine eingesandte Arztrechnung nicht den Bedingungen des Hausarztmodells entspreche: «Wir informieren Sie in diesem Zusammenhang, dass wir diese Kosten übernehmen, machen Sie jedoch darauf aufmerksam, dass wir in Zukunft unsere neuen Besonderen Versicherungsbedingungen anwenden werden.»

Was bedeutet: Die Rechnungen der entsprechenden Sanacare-Ärztin würden nicht mehr übernommen.

Die Assura stellte Wally Leutenegger und andere Betroffene vor die Wahl: «Entweder behalten sie ihren bisherigen Arzt und wechseln zum traditionellen Grundversicherungsmodell, oder aber sie entscheiden sich für einen anderen Arzt.»

Stieg ein Hausarzt-Versicherter nicht oder zu spät darauf ein und schickte der Assura eine weitere Rechnung des bisherigen Arztes, dann weigerte sich die Krankenkasse diese zu bezahlen. Ausser, der Versicherte würde rückwirkend auf den 1. Januar 2012 in die ordentliche Grundversicherung wechseln und die entsprechenden Prämien nachzahlen.

Ombudsmann kritisiert Vorgehen der Assura

Beim Ombudsmann der Krankenversicherungen, Rudolf Luginbühl, sind diesbezüglich zahlreiche Beschwerden eingegangen. Zur rückwirkenden Prämienforderung der Assura meint er gegenüber «Espresso»: «Ich bin der Meinung, das geht nicht. Wir haben dies der betreffenden Kasse auch mehrfach gesagt. Aber die Kasse hält grösstenteils an ihrer Meinung fest.»

Es sei zwar erlaubt, dass eine Kasse einseitig die Bedingungen für ihr Hausarztmodell ändere. Der Ombudsmann erwartet jedoch eine anständige Information: «Fairerweise sollte sie ihre Versicherten so informieren, dass sie mit genügendem Vorlauf reagieren können. Also das Modell oder sogar die Kasse wechseln.»

 Die Option, die Kasse zu wechseln, hatten die Assura-Versicherten wegen der späten Information nicht. Die neuen Versicherungsbedingungen wurden erst Ende 2011 verschickt, nach Ablauf der Kündigungsfrist. Eine solche Information sollte fairerweise gut 3 Monate vor Jahresende erfolgen, meint dazu Rudolf Luginbühl.

Assura ändert System

Die Assura räumt gegenüber «Espresso» ein, dass die Änderung der Versicherungsbestimmungen Ende 2011 nicht optimal kommuniziert wurde. Man habe aber alles unternommen, um dies auszubügeln. Beispielsweise, indem die erste Rechnung des bisherigen Arztes problemlos übernommen wurde, auch wenn er nicht mehr auf der Liste war.

Auf Ende 2012 hat die Assura nun sämtliche betroffenen Versicherten separat nochmals informiert. Und als neueste Entwicklung in diesem Konflikt mit den Gruppenpraxen schreibt die Assura: «Wir haben ein neues System eingeführt, um dieses Problem zu beheben.»

Eines, in welchem Ärzte aus Gruppenpraxen ohne Spezialisierung wieder auf der Hausarztliste der Assura stehen werden. Ob die Gruppenpraxen, wie die Sanacare, dieses System akzeptieren werden, ist allerdings noch offen.